Drohende Schließung in Schopfheim
: Vorwurf: Handwerkskammer hat Gewerbe-Akademie ausbluten lassen

Die Schließung der Schopfheimer Gewerbe-Akademie ist noch nicht endgültig beschlossen – allerdings sehr wahrscheinlich. In einem Brandbrief wirft die „IG zum Erhalt der Gewerbe-Akademie“ der Handwerkskammer Freiburg nun schwere Versäumnisse vor.
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red/jab
Schopfheim
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Die Gewerbe-Akademie in Schopfheim-Gündenhausen aus der Vogelperspektive. Ihr Fortbestand ist ungewiss.

Die Gewerbe-Akademie in Schopfheim-Gündenhausen aus der Vogelperspektive. Ihr Fortbestand ist ungewiss.

euroluftbild.de/Werner Riehm
  • Drohende Schließung: GA Schopfheim soll entfallen, Entscheidung in der Kammer im Oktober.
  • Kammer begründet dies mit sinkender Auslastung und wegfallender Förderung für den Standort.
  • IG kritisiert Versäumnisse: Personal nicht ersetzt, Kurse nach Freiburg verlagert, kein Standortleiter.
  • Zentralisierung auf Freiburg und Offenburg laut IG teurer – Kosten würden Betriebe tragen.
  • IG warnt vor weniger Azubis im Landkreis Lörrach wegen Pendeln und sinkender Attraktivität.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Begründet werden die Schließungs-Überlegungen von der Handwerkskammer Freiburg mit einem sinkenden Bedarf an derartigen Einrichtungen, insbesondere durch den Rückgang bei der Zahl der Auszubildenden. Durch die fehlende Auslastung wiederum falle staatliche Förderung weg – auf Kosten der Handwerksbetriebe, die die Gewerbe-Akademien mittragen.

Zentralisierung soll die Lösung sein

Die Lösung erhofft man sich hier – wie so oft – von einer Zentralisierung: Auf lange Frist sollen nur noch die Gewerbe-Akademien (GA) in Freiburg und Offenburg erhalten bleiben. Dem Schopfheimer Standort droht die Schließung, wenn die Pläne der Handwerkskammer umgesetzt werden. Die Entscheidung soll auf der Vollversammlung der Kammer im Oktober fallen.

IG setzt sich gegen die drohende Schließung ein

Nach dem Bekanntwerden einschlägiger Überlegungen hatte sich im vergangenen Jahr eine Interessengemeinschaft zum Erhalt der GA Schopfheim (IG) gegründet. Dieser gehören zahlreiche Bürgermeister aus der ganzen Region ebenso an wie viele Innungsvertreter und Inhaber einheimischer Handwerksbetriebe aus unterschiedlichen Branchen oder die Mittelstandsvertretung. Insgesamt zählt die IG etwa 40 Mitglieder.

Stellungnahmen zur Bedeutung der GA gegenüber Öffentlichkeit und Politik gehörten ebenso zum bisherigen Tätigkeitsfeld wie die Erarbeitung konkreter Vorschläge für die Erhaltung der Einrichtung. Offenkundig vergeblich: Gerade in der vergangenen Woche hat die Handwerkskammer ihre Schließungspläne gegenüber der Öffentlichkeit verteidigt.

IG wirft Handwerkskammer viele Versäumnisse vor

Nun meldet sich die IG in einem Brandbrief mit klarer Kritik an der Handwerkskammer erneut zu Wort. Wenn die Kammer die sinkende Auslastung und die dadurch wegfallende Förderung zum Hauptargumente für die drohende Schließung erhebe, so zäume sie das Pferd von hinten auf, so der Vorwurf: Die aktuelle Situation sei nichts weiter als das Ergebnis zahlreicher Versäumnisse, die die Handwerkskammer selbst im Umgang mit dem Schopfheimer Standort über Jahre hinweg begangen habe.

In diesem Zusammenhang werfen die Verfasser einige Fragen auf. „Was genau hat die Handwerkskammer unternommen, um den Verlust der Förderfähigkeit abzuwenden?“, heißt es hier zum Beispiel, und: „Wurden aktiv Kooperationspartner gesucht, wie dies beim Standort Offenburg offenbar erfolgreich gelungen ist?“

Vorwurf: Kammer hat Standort ausbluten lassen

Ein Vorwurf ist, dass die Handwerkskammer den Schopfheimer Standort auf unterschiedlichen Ebenen hat ausbluten lassen – zugunsten der für einen Fortbestand auserkorenen Einrichtungen in Freiburg und Offenburg. „Weshalb wurden Bereiche der überbetrieblichen Ausbildung – etwa Schweißkurse im SHK-Bereich – bereits nach Freiburg verlagert, obwohl die Werkstätten in Schopfheim dafür hervorragend und teilweise erst kürzlich ausgestattet wurden?“, lautet eine entsprechende Frage im Brandbrief der IG.

Auch stelle sich die Frage, weshalb altersbedingt ausscheidende Fachkräfte am Standort Schopfheim nicht ersetzt wurden – eine Frage, die unter anderem darauf zielen dürfte, dass die Schopfheimer GA seit dem Ausscheiden von Arno Baumann 2018 ohne Leitung vor Ort dasteht. Dazu findet die IG klare Worte: „Wer einen Standort personell ausdünnt, darf sich später nicht darüber wundern, wenn dessen Auslastung sinkt.

„Was wurde unternommen, dass es nicht so weit kommt?“

Die Geschäftsführung der Kammer verstehe es nun aufs Beste, den Betrieben den finanziellen Druck durch eine wegfallende staatliche Förderung „als drohende Keule entgegenzuhalten.“ „Was wurde denn unternommen?“ Die entscheidende Frage aber sei: „Was wurde unternommen, damit es gar nicht erst so weit kommt?“

Die Konzentration auf zwei Standorte als vermeintliche Lösung ist in den Augen der IG der falsche Weg, die Verlagerung einzelner Gewerke an berufliche Schulen lediglich ein Übergangsszenario auf dem Weg zu noch mehr Zentralisierung: Die Handwerkskammer plane in Freiburg millionenschwere Investitionen, die weit über den verfügbaren Rücklagen lägen.

Zentralisierung – eben doch auf Kosten der Betriebe

„Deshalb drängt sich eine einfache Frage auf: Wer bezahlt den Neubau, die Umzüge, die Einrichtung neuer Standorte und die Mietkosten an beruflichen Schulen? Und wer finanziert anschließend die zusätzlichen Fahrten und Unterbringungskosten der Auszubildenden in Freiburg?“ Aus Sicht der IG-Mitglieder ist jetzt schon klar: „Am Ende werden es wieder die Betriebe sein.“ Damit entlarve sich das für die Schließung der GA Schopfheim vorgebrachte Argument der Kostenersparnis „als zumindest fragwürdig.“ Denn die Verlagerung nach Freiburg verhindere Mehrkosten nicht – sie verschiebe sie lediglich auf andere Schultern.

Attraktivität der Ausbildung wird leiden

Für viele Betriebe im Landkreis Lörrach komme ein weiteres Problem hinzu, fährt die IG fort: Die Attraktivität der Ausbildung werde leiden, da nicht jeder Jugendliche bereit sei, regelmäßig nach Freiburg zu pendeln. Sinkende Bewerberzahlen und ein weiterer Rückgang der Ausbildungsbereitschaft könnten die Folge sein. „Vielleicht wird es für manchen Betrieb tatsächlich billiger – allerdings nur deshalb, weil er künftig weniger ausbildet“, prophezeit die IG mit einer ordentlichen Portion Zynismus – das könne kaum das Ziel einer zukunftsorientierten Handwerkspolitik sein.

An Fortbestand nie ernsthaftes Interesse?

Abschließend verweisen die Akteure der IG einmal mehr auf konkrete Vorschläge zur Reaktivierung der GA, die der Handwerkskammer längst vorgelegt worden seien. „Das bisherige Handeln – oder vielmehr Unterlassen – vermittelt jedoch den Eindruck, dass am Fortbestand der GA Schopfheim nie ein ernsthaftes Interesse bestand.“ Stattdessen scheine konsequent eine Strategie verfolgt zu werden, die auf ein „zentrales Vorzeigeprojekt“ in Freiburg hinauslaufe.

„Landkreis Lörrach droht abgehängt zu werden“

„Der Landkreis Lörrach droht dabei abgehängt zu werden“, prophezeien die Akteure: Die Betriebe vor Ort blieben zwar zuverlässige Zahler –­ die Leistungen indes konzentrierten sich zunehmend in Freiburg. „Was die Region benötige, ist keine weitere Zentralisierung, sondern eine Stärkung des Standorts Schopfheim“, hält die IG dem entgegen.

Enttäuscht von Kreishandwerkerschaft

Besonders enttäuscht zeigen sich die Mitglieder der IG von der Rolle des Kreishandwerksmeisters. „Statt die Interessen der Innungen und Betriebe vor Ort kritisch und engagiert zu vertreten, folgt er der Linie der Geschäftsführung weitgehend widerspruchslos – und wirkt mitunter sogar wie deren eifrigster Unterstützer“, so der Vorwurf.

„Als Unternehmer verurteilen wir die vorliegenden Schließungspläne entschieden. Sie schwächen den Ausbildungsstandort im Landkreis Lörrach, benachteiligen die regionalen Betriebe und verlagern die finanziellen Lasten letztlich auf diejenigen, die das Handwerk ohnehin tragen: die Ausbildungsbetriebe selbst“, schließt das Schreiben. „Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir uns den Erhalt beziehungsweise die Reaktivierung der GA Schopfheim leisten können. Sondern ob wir es uns leisten können, die GA Schopfheim aufzugeben ??“