Trumps Zoll-Krieg: So trifft er hunderte Firmen im Schwarzwald-Baar-Kreis

Eine gelbe Warnweste mit der Aufschrift „Zoll“ hängt über einem Stuhl im Gebäude am Grenzübergang in Weil am Rhein. Die US-Regierung kündigte in der vergangenen Woche umfangreiche Zölle an, dies verursacht große Sorgen, auch bei den Unternehmen im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Philipp von Ditfurth/dpa/Philipp von DitfurthKaum ein Thema beschäftigt die Wirtschaft gerade so sehr und immer wieder neu, wie die Zollgebühren, die das amerikanische Staatsoberhaupt verhängt hat.
Auch die Verantwortlichen bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg beobachten die Lage aufmerksam. Wir sprachen darüber mit Bernd Seemann, Vorsitzender des IHK-Außenwirtschaftsausschusses, und IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez.
Das sagt die IHK zur Situation
US-Präsident Trump hat sein neues Zollpaket verkündet – die USA gelten vor allem für die Exporteure als wichtigster Handelspartner. Wie bewertet die IHK diesbezüglich die Handelsbeziehungen der Unternehmungen in unserer Region – hängen wir arg am Tropf von Amerika?
Bernd Seemann: Mit dieser aggressiven Zollpolitik eskaliert der US-Präsident den Handelskonflikt und gefährdet die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union. Die geplanten 20-prozentigen Einfuhrzölle auf alle europäischen Waren bedeuten einen Rückschlag für unsere exportorientierte Wirtschaft. Denn für unsere Region sind die USA der wichtigste Handelspartner. Allerdings wird auch die amerikanische Volkswirtschaft geschwächt: Preise und Inflation werden steigen und eine Rezession wahrscheinlicher. Somit werden auch die amerikanischen Konsumenten unter den Zöllen leiden. Denn ein Fünftel ihres Konsums beziehen die Amerikaner aus dem Ausland.
Wieviele Unternehmen pflegen Handelsbeziehungen dorthin und mit welchen Exportgütern?
Thomas Albiez: Wir registrieren aktuell rund 400 Unternehmen, die in die USA exportieren. Rund 100 Betriebe haben dort eine Niederlassung, rund 50 besitzen dort Produktionsstätten. Auf der anderen Seite importieren rund 70 Unternehmen Güter aus den USA in die Region.

IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez.
Foto: IHK SBHWie sieht es anders herum aus – was importieren unsere Firmen hauptsächlich aus Amerika?
Bernd Seemann: Die Unternehmen beziehen aus den USA je nach Betätigungsfeld von Textilien/Bekleidung über DV-Geräte und elektronische Erzeugnisse, Maschinen, elektrische Ausrüstung, Chemisch/Pharmazeutische Produkte, Medizinische Geräte bis zu Futtermitteln.
Haben Sie Signale aus der Wirtschaft der Region erhalten, wie die neuen Zölle dort aufgefasst werden?
Bernd Seemann: Unternehmen die bereits Produktionsstätten in den USA besitzen und nicht abhängig von Zulieferungen aus der übrigen Welt sind, sehen dem eher gelassen zu. Anders bei Unternehmen, die sich in der Vergangenheit auf den reinen Export beschränkt haben; diese stehen jetzt vor der Überlegung, ob sie zusätzlich eine Produktion in den USA errichten sollen beziehungsweise mindestens jedoch vor einer Neukalkulation ihrer Preise und damit auch Verringerung ihrer Gewinnmargen. Wiederum andere Unternehmen werden sich unter Umständen, bis sich die EU und die USA auf ein neues Abkommen einigen, in der Zwischenzeit vom US-Markt zurückziehen und gezwungen sein, für sich neue Märkte zu erschließen.

Bernd Seemann, Vorsitzender des IHK-Außenwirtschaftsausschusses.
Foto: IHK/FOTO-SETZINGERWelche Strategie schlägt die IHK den Unternehmen hier vor?
Thomas Albiez: Auf die neuen US-Zölle sollte die EU nicht impulsiv, sondern entschieden und mit Weitsicht reagieren. Wir sind auch auf anderen Weltmärkten gut vertreten – das müssen wir jetzt erst recht ausbauen. Viele andere Wirtschaftsregionen strecken uns die Hand aus. Da müssen wir jetzt beherzt einschlagen.
So sollten die Abkommen mit den Mercosur-Staaten sowie mit Indien jetzt endlich unter Dach und Fach gebracht werden. Es zeigt sich hier einmal mehr, dass Europa seine Unternehmen ohne weitere Verzögerungen fit für den Wettbewerb machen muss. Brüssel, aber auch die künftige Bundesregierung in Berlin sind jetzt in der Pflicht, ihre wirtschaftspolitischen Hausaufgaben zu erledigen: Energiekosten senken, Bürokratie abbauen und Abgaben senken. Das sind neben der Gewinnung von Fachkräften nur einige Stellschrauben, an denen wir in Europa gemeinsam drehen müssen.
Vielen Dank für das Gespräch!
