Süße Aromen, niedrige Preise
: Vapen statt rauchen – wie riskant ist der Trend?

E-Zigaretten sind an vielen Schulen längst Alltag. Doch wie groß ist das gesundheitliche Risiko für Jugendliche? Experten und Behörden sind sich einig.
Von
Celina Drews
Oberndorf
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Eine Frau zieht an einer E-Zigarette. Der Konsum dieser wird vor allem bei jungen Menschen immer beliebter. Einige Länder fordern bereits schärfere Maßnahmen. (Symbolfoto)

Marijan Murat/dpa

Immer weniger Jugendliche greifen zur klassischen Zigarette, doch das Vapen dagegen verbreitet sich rasant. Nachdem der Trend im Jahr 2023 seinen Höhepunkt hatte, ist die „Vape“ heute nicht mehr wegzudenken. Besonders Einweg-E-Zigaretten in buntem Design und mit fruchtigen Aromen finden reißenden Absatz – auch dort, wo sie verboten sind.

Andreas Kienzler, Geschäftsführender Schulleiter der GS, SBBZ, GMS und RS Rottweil, beobachtet die Entwicklung mit Sorge: „Die Beliebtheit der Vapes ist in den letzten Jahren bei allen Schülern gestiegen - egal welcher Schule und Jahrgangsstufe.“ Das klassische Rauchen spiele dagegen immer weniger eine Rolle.

Altersbeschränkung wird auf dem Pausenhof leicht umgangen

Beide Formen des Konsums werden jedoch entsprechend sanktioniert. „Ob rauchen oder vapen, beides ist gemäß der Jugendschutzbestimmungen an den Schulen verboten und da wird auch danach geguckt. Aber wir können es natürlich nicht komplett eindämmen, vor allem nicht im Bereich der Toiletten.“

Besonders alarmierend ist für Kienzler eine neue Form der Geschäftemacherei: „Am schlimmsten finde ich das Dealen. Manche Schüler verkaufen Vapes untereinander teurer weiter, um ihr Taschengeld aufzubessern.“

Offiziell erlaubt sind E-Zigaretten erst ab 18 Jahren. Für Minderjährige bleibt der Kauf also illegal, doch über ältere Mitschüler oder Freunde mit vorteilhaften Kontakten gelangen die Produkte trotzdem leicht in die Klassen.

„Alles macht die Lunge krank“

Viele Jugendliche glauben, E-Zigaretten seien weniger schädlich als klassische Glimmstängel. Aus medizinischer Sicht ist das ein Irrtum. „Egal ob Zigarette, Liquids, Vape oder Shisha - alles macht die Lunge krank. Die Zigarette hat zwar die stärkste Potenz zur Abhängigkeit, aber E-Zigaretten sind im Endeffekt das gleiche“, erklärt Professor Felix Herth von der Universität Heidelberg.

Er zieht den Vergleich zum Alkohol: „Ob Schnaps, Bier oder Wein, bei regelmäßigem Konsum ist alles schädlich. Das eine macht nur weniger schnell betrunken als das andere.“

Besonders problematisch seien die zusätzlichen Inhaltsstoffe: Neben dem Nervengift Nikotin sind in E-Zigaretten auch diverse Aromastoffe enthalten, die Herzmuskelentzündungen und Allergien hervorrufen können. „Beim Erhitzen entstehen außerdem Stoffe wie Formaldehyd und Acetaldehyd, welche die Zellen beschädigen. Zudem wird Schwermetall eingeatmet. Man könnte ebenso gut sieben Minuten hinter ein laufendes Auto stehen, da nimmt man vom Schwermetall die gleiche Dosis auf.“

Kaum ein geringeres Gesundheitsrisiko

Noch gebe es zu Vapes weniger Langzeitdaten als zu klassischen Zigaretten. Doch Herth warnt: „Es gibt immer mehr Hinweise, dass gleiche Giftstoffe oder ein Teil der Stoffe gebildet werden, die man von Zigaretten kennt. In Zukunft wird der wachsende Konsum von E-Zigaretten sicherlich zu weiteren Lungenkrebspatienten führen.“

Auch das Ministerium für Soziales, Migration und Gesundheit betont die Risiken. Zudem lasse sich das oft angeführte Argument, Vapes seien „eine gesündere Alternative zur Zigarette“, aus medizinischer Sicht nicht halten. „E-Zigaretten werden in der aktuellen Leitlinie von 2021 aufgrund der unzureichenden Studienlage zur langfristigen Sicherheit bislang nicht zur Tabakentwöhnung empfohlen“, erklärt Sprecher Markus Jox. Zwar könne ein Umstieg die Schadstoffbelastung verringern, „dies aber nicht automatisch mit einem geringeren Gesundheitsrisiko gleichgesetzt werden“.

Vor allem Jugendliche seien durch die bunte Aufmachung und süßen Aromen anfällig. Zwar wüssten die meisten um die Schädlichkeit von Tabakzigaretten, „die Sensibilität hinsichtlich der Gesundheitsrisiken bei anderen Nikotinprodukten, wie etwa E-Zigaretten, ist jedoch geringer“, so Jox.

Rechtliche Verstöße im Online-Handel

Doch nicht nur Gesundheitsexperten, auch die Verbraucherzentrale schlägt Alarm. Sie verzeichnet laut einer Mitteilung auf der Website regelmäßig Beschwerden über Verstöße gegen Jugendschutz und Tabakerzeugnisgesetz. Besonders im Online-Handel mangele es an Kontrolle: „Das Alter der Kundschaft wird häufig nicht oder nur unzureichend kontrolliert.“ Oft reiche ein Klick auf „Bestätige dein Alter“, um zu bestellen.

Hinzu kämen illegale Produkte. Statt der gesetzlich erlaubten zwei Milliliter Nikotin-Flüssigkeit fanden Tester Einweg-Vapes mit bis zu 25 Millilitern. Auch Warnhinweise und Widerrufsbelehrungen fehlten häufig. Und mit Werbeslogans wie „Tauchen Sie ein in die Welt von RandM Tornado, wo jeder Zug ein Abenteuer ist“ würden die Produkte gezielt beworben – obwohl Werbung verboten ist.

Experten warnen vor falschen Vorstellungen

Wie Jox warnt auch Herth vor falschen Vorstellungen. „Die meisten Jugendlichen wissen, dass Zigaretten schädlich sind, aber dass Vapes oder Shishas die gleichen Schäden verursachen, ist noch nicht bewusst.“ Durch irreführende Werbung und mangelnde Aufklärung bleibe dieses Bewusstsein auch weiter nur schwach ausgeprägt. Seine Empfehlung ist eindeutig: „Am besten einfach die Finger von dem ganzen Zeug lassen, egal was man einatmet.“

Weitere Infos

Jugendschutzgesetz
Das Jugendschutzgesetz verbietet Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren das Rauchen in der Öffentlichkeit sowie den Erwerb und Konsum von Tabakwaren, elektronischen Zigaretten und elektronischen Shishas. Auch nikotinfreie Produkte sind betroffen, da die Inhalation von Aromastoffen als gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Der Verkauf oder die Weitergabe dieser Produkte an Minderjährige ist untersagt, dies gilt auch für den Versandhandel.

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