Rottweiler Münsterjugend: Auf dem Glattmar thront seit 50 Jahren ein Rottweiler Kreuz

Das nächste Treffen zur Feier der Gipfelkreuzerrichtung soll bereits in vier Jahren stattfinden.
privatDas ältere Paar ist bereits wieder auf dem Rückweg und warnt die kleine Gruppe: „Da oben ist es heute wirklich voll, passt gut auf, am Gipfel ist nicht viel Platz.“ Die Wanderer aus Rottweil nicken, froh über die kurze Verschnaufpause, ihr Blick geht in Richtung Kreuz.
Den Weg dorthin kennen alle nur zu gut, das letzte Stück ist besonders anstrengend, Kondition und Trittsicherheit sind erforderlich.
Links und rechts geht es steil bergab, das österreichische Dorf Sonntag selbst erscheint von hier oben wie die Landschaft einer Modelleisenbahn. „Wir waren auch dabei, damals“, wird das Ehepaar aufgeklärt.
Ein Kraftort
„Das Kreuz am Gipfel ist von uns.“ Die strahlenden Gesichter verraten, dass man heute noch stolz ist auf das, was man vor 50 Jahren im Großen Walsertal erschaffen hat. Der 1930 Meter hoch gelegene Gipfel des Glattmars ist für die meisten längst zu einem Kraftort geworden, einem Platz, zu dem sie seither immer wieder zurückgekehrt sind, mal mit der eigenen Familie, mal mit den Freunden von damals.
„Die Idee ist schon 1973 im Sommerlager der Münsterjugend entstanden“, erinnern sich die Ältesten, die sich an diesem Samstag im Jubiläumsjahr auch auf den Weg nach oben gemacht haben.
Ein Kraftakt
Unter der Regie von Kaplan Josef Neuenhofer und Erich Funk hatte die Rottweiler Münsterjugend damals beschlossen, dass der Hausberg von Sonntag ein Gipfelkreuz bräuchte. Ein Jahr später war es dann soweit, die Genehmigungen erteilt, die Inschrift „Das Kreuz ist der Ernstfall der Liebe“ noch im Tal mühevoll in den Querbalken geschnitzt.
Doch die eigentliche Plackerei sei erst danach losgegangen, erzählen Manne Stützle und Markus Schellhorn. Bilder von damals lassen nur im Ansatz erahnen, was die Jugendlichen aus Rottweil 1974 geleistet haben. Der Querbalken und der fünf Meter lange Längsbalken wurden zunächst auf das Dach der Seilbahngondel gebunden und nach Sonntag-Stein nahezu abenteuerlich zur Bergstation transportiert.
Den Rest des Weges mussten die schweren Holzbalken, aber auch unzählige Sandsäcke, Zement, Stahlseile, Wassereimer und Werkzeug allerdings über Wiesen und Trampelpfade nach oben getragen und gezogen werden, bevor das Kreuz auf der schmalen Gipfelplattform einbetoniert und nach drei Seiten mit Seilen abgesichert werden konnte. „Es haben alle mit angepackt, auch die Mädchen“, so Manne Stützle.
Eine tiefe Verbindung
50 Jahre später ist die tiefe Verbundenheit, die damals zwischen den Mitgliedern der einzelnen Münsterjugendgruppen entstanden ist, noch immer spürbar: Jeder Neuankömmling wird oben am Gipfelkreuz mit großem Hallo begrüßt. Und alle sind sich einig, dass bis zur nächsten Gipfelbesteigung nicht mehr so viele Jahre ins Land gehen sollen wie bisher. „Die Narrentag finden schließlich auch immer nach drei bis vier Jahren statt“, sagt Manne Stützle am Abend, lacht und lässt noch einmal den Blick zum Glattmar wandern, das just in diesem Augenblick von der Abendsonne angestrahlt wird.