Rottweil: Schwierigen Weg meistern sie im Doppelpack

Margherita Hepp ist die starke Frau an der Seite von Diakon und Seelsorger Peter Hepp. Foto: Zelenjuk
Schwarzwälder-BoteVon Tatsiana Zelenjuk
Erst kürzlich ist Peter Hepp, taubblinder Diakon und Seelsorger, bei einer Feierstunde in Rottweil für sein jahrelanges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.
Rottweil. Dass es eine Auszeichnung auch für seine Ehefrau ist, wissen alle, die mit der Geschichte der Familie vertraut sind. Margherita Hepp – seine Dolmetscherin, Begleiterin, Unterstützerin. Eine, die im Hintergrund Unglaubliches leistet. "Wir sind beruflich und privat ein Team und gehen gemeinsam unseren Weg", sagt sie bescheiden. Ihr Weg ist kein einfacher.
Peter Hepp ist gehörlos geboren und später infolge des Usher-Syndroms erblindet. Ihren zukünftigen Mann hat Margherita Hepp im Krankenhaus kennengelernt – während einem der vielen Praktika, die sie bei ihrer Ausbildung zur Logopädin absolviert hat. "Ich habe begonnen, mich mit dem Thema Taubblindheit auseinanderzusetzen", erinnert sie sich. Auch das Lormen hat sie von Peter gelernt – eine besondere Art der Kommunikation, bei der Buchstaben in die Handfläche getippt werden. Eine Kommunikation durch Berührung – nur so geht es für Taubblinde.
"Wir haben uns gut verstanden, besser als gut. Und trotzdem beide überlegt: Wie soll das mit unserer Beziehung funktionieren?", verrät sie. Beide hätten an sich gezweifelt. Unter den Hörgeschädigten sei auch Peter eher eine Ausnahme gewesen – mit seiner hörenden und sehenden Freundin. "Geht das überhaupt?", haben sie sich damals gefragt. Inzwischen wissen sie: Es geht.
Als Zweitberuf lernt sie Dolmetscherin für Gebärdensprache
Ihren Weg haben die beiden gemeinsam gefunden – Menschen unterstützen, Selbsthilfeangebote ausbauen, den Glauben näherbringen. Das hat sich in den Jahren entwickelt, ist gewachsen, hat viel bewegt. Margherita Hepp hat nach vier Jahren Erfahrung als Logopädin ihren zweiten Beruf gelernt – Dolmetscherin für Gebärdensprache. Lange Zeit hat sie Gehörlose begleitet und für sie gedolmetscht – beim Arzt, beim Elternabend oder im Gericht. "Jetzt bleibt leider wenig Zeit für solche Einsätze", sagt sie.
Bei aller Flexibilität: Singen im Altstadt-Chor ist eine feste Größe
Ihren Ehemann begleitet sie oft auf Terminen, auch wenn er den Großteil allein macht – mithilfe verschiedener technischer Mittel. Auch andere Menschen unterstützen Peter Hepp in seiner Arbeit. "Es ist nicht so, wie manche denken. Ich begleite meinen Mann nicht 24 Stunden am Tag. Das kann man einfach nicht." Zumal sie sich auch um die beiden Kinder, um Haus und Garten kümmern muss.
Sie gibt zu: Das Leben mit Taubblindheit erfordert viel Energie und Kraft. Man merkt, dass man schnell an seine Grenzen kommen kann. Deshalb betont sie immer wieder bei Seminaren für angehende Begleiter sowie bei Treffen mit Angehörigen: Es ist wichtig, sich rechtzeitig eine Pause zu gönnen.
Der Alltag von Margherita Hepp ist eine bunte Mischung: Sie ist Hausfrau und Mutter für zwei Kinder, Assistentin für ihren Ehemann, kreative Mitgestalterin der laufenden Projekte. Gottesdienste am Wochenende, Termine in unterschiedlichen Städten – das verlangt viel Flexibilität ab. "Dabei ist nur das eine ziemlich fest: Jeden Mittwochabend singe ich im Chor in der Altstadt", erzählt sie. Es ist eine Leidenschaft. Hier kann sie auftanken.
Eine "Superfrau" sei sie aber nicht: "Ich bin ganz normal." Hepp ist es wichtig, dass auch andere wissen: Sie können es auch. Ihr großer Wunsch ist, dass sich mehr Menschen mit dem Thema beschäftigen und zu Assistenten oder Dolmetschern für Gebärdensprache ausbilden lassen.