Rottweil
: Die Tanzschule geht mit der Zeit

"Herzig": Jochen Hermann übernimmt vor vier Jahren / Erweiterung geplant / Jubiläum 2020
Von
Stefanie Siegmeier
Oberndorf
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Jochen Hermann (links) und Manfred Hellmuth plaudern im "Herzig" über den Wandel der Tanzschulen. Foto: Siegmeier

Schwarzwälder Bote

"Eins, Zwei, Wiegeschritt, Abschlussschritt..." – wer fühlt sich da nicht an seine ersten Tanzstunden erinnert?! Von Figur zu Figur hat man sich noch vor Jahren Tänze erarbeitet. "Heute ist das ganz anders", weiß "Herzig"-Chef Jochen Hermann.

Rottweil. Jochen Hermann plaudert gemeinsam mit seinem Vorgänger Manfred Hellmuth über Tanzstunden und den gesellschaftlichen Wandel. Vieles habe sich in den knapp 60 Jahren des Bestehens der Tanzschule verändert. Vor vier Jahren hat Jochen Hermann das "Herzig" von Manfred Hellmuth übernommen und sich inzwischen in die Tanzschulleitung "so reingetanzt", wie er lächelnd erzählt.

Hermann ist sozusagen im "Herzig" groß geworden, hat hier als 14-Jähriger erste Tanzstunden absolviert, und ist dann schließlich "hängen geblieben", wie er sagt. Erst hat er als Aushilfe getanzt, später in der Bar ausgeholfen, und sich schließlich auf Anraten seines langjährigen Chefs entschieden, eine Tanzlehrerausbildung zu absolvieren. "Der Weg war da, und ich musste ihn nur gehen", erinnert er sich. Und der Weg sei goldrichtig gewesen.

Das "Herzig" ist in Rottweil eine Institution. Deswegen sei es Manfred Hellmuth auch sehr wichtig gewesen, einen leisen Übergang zu schaffen und den Tanzschülern das Gefühl zu geben, dass alles beim Alten bleibt. Das ist gelungen. Hellmuth ist mehr als zufrieden. "Ich habe gewusst, dass du das kannst", lobt er. Und dass Manfred Hellmuth in seiner ehemaligen Tanzschule jetzt selbst einmal in der Woche als Schüler im Tanzsaal zu finden ist, sagt alles. Er fühlt sich richtig wohl, wie er zugibt.

Gegründet wurde die Tanzschule im ehemaligen Lichtspielhaus vor knapp 60 Jahren von Christl Herzig, der "das Herzig" seinen Namen verdankt. Einiges hat Jochen Hermann seit der Übernahme verändert. Aber alles Stück für Stück und ohne großes Tamtam. So wurden im vergangenen Jahr die Werbung und das Logo etwas modernisiert. Und auch der Eingangsbereich des "Herzig" hat ein neues Gesicht bekommen. Zudem ist das starre Kurssystem von einst, einem flexiblem Angebot gewichen.

"Die Leute sollen Spaß haben und den Alltag vergessen. Sich die Tänze Figur für Figur zu erschließen, war gestern. Tanzen soll nichts Auswendiggelerntes sein", ist Hermann wichtig. "Der Turniertanz ist nicht mehr so gefragt", weiß auch Manfred Hellmuth. Das sei früher ganz anders gewesen. "Die Leute sollen bei Veranstaltungen tanzen können, deswegen müssen die Tänze leicht zu erlernen und anwendbar sein", verrät Jochen Hermann sein Erfolgsrezept. Seine Tanzschüler wissen das zu schätzen.

Alle Altersgruppen tummeln sich bei ihm auf der Tanzfläche. Mittlerweile gibt es auch wieder Ballettkurse, Kindertanz und dergleichen. Das Interesse ist groß und die beiden Säle platzen zeitweise aus allen Nähten. "Wir möchten auf jeden Fall erweitern. Wir bräuchten mindestens einen Saal mehr – am besten in greifbarer Nähe", plant Hermann. Den bisherigen Standort wolle er aber halten.

Hermann hat vier Vollzeitkräfte und drei Tanzlehrer in Teilzeit beschäftigt, denn viele Angebote finden mittlerweile auch außerhalb des "Herzig" statt. So gibt es beispielsweise bei der Lebenshilfe Tanzkurse oder in Senioreneinrichtungen. "Im Frühjahr hatten wir erstmals rein ehrenamtlich einen Tanzkurs im Luisenheim angeboten, der sehr gut angenommen wurde", erzählt Hermann. Zudem geht er auch an die Schulen. "Wir hoffen, dass wir noch mehr im Rahmen der Ganztagesschule aktiv werden können". In der Römerschule gebe es bereits eine Hip-Hop-AG, und an der Werkrealschule Villingendorf werde seit drei Jahren regelmäßig ein Kompetenz- und Alltagstraining angeboten. An den Schulen sieht Jochen Hermann durchaus noch Potenzial, denn durch die Ganztagesschule sei die Zeit der Schüler einfach begrenzter.

In zwei Jahren feiert das "Herzig" sein 60-jähriges Bestehen. Auch dafür laufen bereits die Vorbereitungen.

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