Rottweil
: Der Papstrücktritt und die Partnerstadt

Vor mehr als 700 Jahren tritt Coelestin V. zurück / Leichnam des Heiligen wird nach L’Aquila entführt
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Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
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Fast 700 Jahre ruhte der Leichnam von Papst Coelestin V. in "seiner" Kirche Santa Maria di Collemaggio. Er gilt als erster und bis zum Ende des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. als einziger Papst, der aus eigenen Stücken sein Amt zurückgegeben hat. Fotos: Schnekenburger

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Von Bodo Schnekenburger

Rottweil. Wenn heute Abend die Welt nach Castel Gandolfo und Rom schaut, werden einige auch in Richtung L’Aquila blinzeln. Vor Benedikt XVI. ist schon einmal ein Papst freiwillig zurückgetreten. Und dieser ist mit Rottweils Partnerstadt eng verbunden.

Als sich Pietro del Morrone auf einem Hügel bei L’Aquila zur Ruhe legte, war der Buchdrucker Adam Burkardt aus Rottweil, der den Buchdruck in den Abruzzen einführte, noch lange nicht geboren. Die Papstgeschichte ist fast 200 Jahre älter als die greifbare Verbindung Rottweil-L’Aquila, die Anlass zur Gründung der Städtepartnerschaft gab. Allerdings sind offizielle Delegationen oder auch Privatreisende, die bei der "Perdonanza" teilnehmen, eingebunden in diese Geschichte, denn die Prozession erinnert an die Rückführung des Leichnams des Papstes nach L’Aquila, dorthin, wo er 1274 im Traum von Maria mit dem Bau einer Kirche beauftragt wurde.

Pietro war auf dem Rückweg vom Konzil in Lyon in seine Einsiedelei auf dem Berg Morrone bei Sulmona. Gerade war die monastische Gemeinschaft, die er mit einer strengeren Regel als jener des Ordensgründers Benedikt um sich geschart hatte, als Orden anerkannt worden. Jetzt machte er sich daran, "seine" Kirche, die Marien-Kirche auf dem Collemaggio zu bauen. 20 Jahre später sollte er in dieser Kirche zum Papst gekrönt werden. Er wählte den Namen "Coelestin".

Ein Wunschkandidat war er nicht, vielmehr nach zweijähriger Sedisvakanz eine Kompromisslösung, ein frommer, einfacher Papst, dem man nicht allzu viel zutraute und von dem also keine Gefahr für die mächtigen Kirchenfürsten ausging. Kein halbes Jahr später, im Dezember 1294, gab Coelestin V., ein Papst, der nie in Rom war, sein Amt zurück. Ein freies Leben in der Mönchskutte konnte er danach nicht führen. Nachfolger Bonifatius ließ ihn bis zu seinem Tode 1296 in Haft halten. 1326 holten die Ordensbrüder den Leichnam Coelestins in einer Nacht- und Nebelaktion nach L’Aquila, wo er in der Collemaggio-Basilica in einem Schrein aufgebahrt wurde.

Beim Erdbeben am 6. April 2009 wurde die Kirche stark beschädigt. Das Dach der Vierung stürzte ein, die Fassade drohte auseinanderzubrechen. Trümmer fielen auf den Schrein, der allerdings unbeschädigt blieb. Kurz nach dem Erdbeben war Papst Benedikt XVI. zu Besuch in der Kirche, wo er, ein starkes Symbol, das Pallium, das er selbst zum Amtsantritt erhalten hatte, auf den Schrein Coelestins legte.

Dass mancher heute auch ein bisschen nach L’Aquila schaut, mag vielleicht noch einen anderen Grund haben. Dieser Tage hat die Erde in den Abruzzen wieder gebebt. Auch fast vier Jahre nach dem großen Beben leben die Menschen weiter in Unbehagen.

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