Rettungshunde in Rottweil: Schnüffelnasen nehmen die Spur auf

Werner Arndt mit Maggie
SiegmeierRottweil wirkt an diesem Abend ruhig. Und dennoch ist ganz schön was los, denn wer genau hinsieht, sieht die fokussierten Gesichsausdrücke der Hundeführer in Einsatzkleidung, gespannte Leinen und hochkonzentrierte Hunde, die mit ihrer Nase am Boden ganz offenbar eine Spur verfolgen. Spannend.
Auch der eine oder andere Passant bleibt interessiert stehen und beobachtet das Geschehen: das Training der Mantrailer der Staffel Rottweil-Hegau des Bundesverbands Rettungshunde (BRH).
In genau solch einer Umgebung – mitten in der Stadt – sind die Rettungshunde im Ernstfall gefragt. Dann, wenn Menschen plötzlich verschwinden.
Es ist keine einfache Aufgabe – selbst für geübte Spürnasen, gibt es hier doch unzählige Düfte und Gerüche. Nach Artgenossen, Essen aller Art, ja, und: Menschen. Hier den richtigen zu finden, das ist nicht einfach. „Deswegen wird es regelmäßig trainiert“, erklärt Heiko Schütt, der Verantwortliche der Mantrailer-Teams. Und je nach Gebiet kommen unterschiedliche vierbeinige Experten mit ihren Hundeführern zum Einsatz. In der Stadt und in bewohnten Gegenden sind es die Mantrailing-Teams, dann gibt es die Trümmersuche und die Flächensuche.
Vor der Übung legt der vermeintlich Vermisste eine Spur. Entweder kurz vor dem Training oder auch schon ein oder zwei Tage im Voraus. „Die Hautschuppen und Spuren bleiben einige Tage auf der Straße. Auch bei Regen, da kleben sie dann regelrecht fest“, erklärt Heiko Schütt.
Am Startpunkt, also dem letzten bekannten Ort, bekommt der Hund einen Gegenstand des Vermissten. Hier reicht das Repertoire von der Socke über das T-Shirt, den Schlüsselbund, bis hin zu Blut und mehr. Dann kann es losgehen.
Vier erfahrene Hundeführer traten in Rottweil mit ihren Vierbeinern zur Übung an. „Die Hunde orientieren sich ausschließlich am Individualgeruch der Person, erklärt ein Hundeführer, während er seinen Hund ruhig, aber bestimmt für die Arbeit vorbereitet. Der Hund arbeitet sich konzentriert durch die Straße, schnüffelt an Hauseingängen, prüft Kreuzungen und scheint stets zu wissen, wo es langgeht. Fußgänger sprechen die Teams an und fragen nach, ob etwas passiert sei. Die Mantrailer lassen sich davon nicht beirren. Zum Glück hat jeder Hundeführer einen Helfer dabei, der die Passanten kurz über das Training informiert.
Bis in die Nacht
Das Training dauert bis 22.30 Uhr – mit Absicht. „Auch nachts müssen wir jederzeit einsatzbereit sein“, erklärt Heiko Schütt. Die Bedingungen in der Innenstadt seien perfekt: wechselnde Untergründe, Ablenkungen, Menschen, Gerüche – genau wie im Ernstfall. Für die Hunde und ihre Hundeführer ist das keine Spielerei, sondern ernste Vorbereitung.
Alle vier Teams meisterten ihre Trails erfolgreich. Jede Suche wurde im Anschluss gemeinsam ausgewertet. „Wichtig ist nicht nur, dass der Hund die Person findet, sondern auch, dass der Hundeführer lernt, seinen Hund richtig zu lesen“, so Schütt weiter.
Rein ehrenamtlich
Die Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau ist rein ehrenamtlich organisiert. Die Mantrailer investieren unzählige Stunden in Ausbildung, Training und Einsätze – und das neben Beruf und Familie. „Wenn der Alarm kommt, zählt alles andere nicht mehr. Dann gehen wir raus“, erzählt ein Hundeführer.
Allein in diesem Jahr war die Staffel bisher in zehn Sucheinsätze involviert. Sowohl im Landkreis Rottweil, aber auch unterstützend in den Nachbarlandkreisen. „Interessierte, die mitmachen möchten, sind herzlich willkommen“, lädt Schütt ein. Zu „besetzen“ gibt es ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche.
Weitere Infos unter www.rhs05-rottweil-hegau.de oder auf Facebook „Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau e.V.“