Jürgen Knubben in Rottweil: Interview zum 70. – von Nofretete, Stahl und Termitenhügeln

Jürgen Knubben wird 70 Jahre alt. Das Bild zeigt ihn mit seiner Skulptur der Nofretete, die für ihn eine besondere Bedeutung hat.
SiegmeierEr ist Bildhauer, Kurator nahezu unzähliger Ausstellungen und unermüdlicher Kunstvermittler und Kämpfer für die Kunst: Jürgen Knubben. Am 19. März feiert der renommierte Rottweiler Künstler, der im In- und Ausland tätig ist, seinen 70. Geburtstag. Seit mehr als 50 Jahren ist er als Bildhauer aktiv.
Was inspiriert Sie für Ihre Arbeit?
Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Wirklichkeit. Das sind alltägliche Dinge, aber auch Ereignisse, die sich in der Welt abspielen. Die Spannung zwischen dem, was ich persönlich erlebe und dem, was in der Welt geschieht, das motiviert mich, künstlerisch tätig zu sein.
Rottweil dürfte ja hinsichtlich der hohen Künstlerdichte und der zahlreich vertretenen Kunst im Öffentlichen Raum eine echte Besonderheit sein. Hat dies Einfluss auf ihr künstlerisches Schaffen?
Ja, mit Sicherheit. Ich habe schon als 18-jähriger Abiturient in den 1970er Jahren mit den wichtigen Künstlern in der Stadt frühe Kontakte gehabt. Das waren in erster Linie Erich Hauser, Romuald Hengstler und Franz Bucher. Sie waren für mich fast wie Vaterfiguren, die ich besuchte, mit denen ich diskutierte, nicht nur über Kunst.
Meine allererste Arbeit entstand beispielsweise im Atelier von Franz Bucher auf dem Dietinger Wasen. Ich hatte auch früh Kontakt zu Erich Hauser, der mich 1975 zur ersten Ausstellung ‚Vorm Forum‘ im Treppenhaus des Forum Kunst eingeladen hat. Damals war ich 20 Jahre alt. Das war der Startschuss für meinen Weg in die Welt der Kunst.
Ihnen war und ist es immer ein Anliegen, nicht nur ihre eigene Kunst zu präsentieren, sondern auch als Kunstvermittler tätig zu sein. Warum?
Weil diese Kontakte und Verbindungen mit Kolleginnen und Kollegen auch dazu führen, dass man über Kunst debattiert, unterschiedliche Perspektiven aufzeigt und sich auch mit der Arbeit des anderen auseinandersetzt. Ich habe das immer als sehr hilfreich empfunden. Zu kuratieren und andere Kunstschaffende auszustellen, das führt zu ganz intensiven Verbindungen und einem Netzwerk, das einem hilft, seine eigene Arbeit besser einzuordnen.
Wer hat Sie inspiriert, die künstlerische Richtung einzuschlagen?
Mein Vater. Er war Modellbauer und hat viel mit Holz zu tun gehabt. Meine ersten Arbeiten bei Franz Bucher waren auch Holzarbeiten. Aber das hat sich ganz schnell geändert. Mich hat das Material Stahl mehr interessiert und seither fest im Griff.
Schauen wir ein wenig in die Zukunft. Wie wird wohl die Kunstwelt in 50 Jahren aussehen?
Sie wird vielleicht noch vielfältiger und bunter sein, als sie heute schon ist. Das hat viel damit zu tun, dass wir nahezu minütlich mit der Welt und den Geschehnissen in der Welt konfrontiert sind. Das wird die Kunst beeinflussen und die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten wird enorm zunehmen.
Vieles wird zurückkommen
Aber ich bin auch davon überzeugt, dass Vieles wieder zurückkommt und eine neue Wertigkeit erfährt, das verschollen schien. Das war immer schon so. So hieß es mal, die Malerei sei tot. Ein paar Jahre später war sie wieder auferstanden und in aller Munde. Da gibt es immer Bewegung und Gegenbewegung und das finde ich sehr tröstlich für jemanden, der aus heutiger Sicht eher klassisch unterwegs ist.
Hat es Sie nie gereizt, andere Materialien als Stahl zu verwenden?
Anfänglich ja, später nein!
Was ist das Besondere an dem Material?
Es ist sehr widerständig. Wenn ich mit dem Stechbeitel an Holz rangehe, dann schlage ich etwas weg. Ich aber bin ja eher ein Plastiker, das heißt: Ich arbeite additiv. Damit habe ich viel mehr Möglichkeiten, korrigierend Einfluss zu nehmen. Und viele Dinge entstehen im Prozess des Schaffens. Und da ist Stahl ein Material, das mich einerseits herausfordert, aber andererseits auch ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.
Welche Ihrer Arbeiten ist Ihre liebste?
Immer die neueste. Weil man als Künstler immer bemüht ist, etwas Neues entstehen zu lassen. Ansonsten hat man diesen Beruf verfehlt.
Zu welcher Arbeit gibt es eine besondere Geschichte?
Sicherlich zur Skulptur der Nofretete. Die gibt es 99 Mal. Und sie ist mittlerweile in aller Welt unterwegs. Kürzlich ist ein Exemplar in eine Sammlung nach Aruba in die Karibik gegangen. Sie wurde in Zusammenhang mit der Ausstellung „Im Licht von Amarna – 100 Jahre Fund der Nofretete“ im Jahr 2012 zum ersten Mal im Ägyptischen Museum in Berlin ausgestellt. Das Museum hat auch eine meiner Skulpturen in ihre Sammlung aufgenommen. So hat die Original-Nofretete eine späte Schwester erhalten.
Was sind ihre Pläne und Ideen für die kommenden Jahre?
Wenn mir die Jahre so bleiben, dass ich weiterhin handwerklich tätig sein kann, dann werde ich unter anderem noch einige Reisen unternehmen, um das Projekt der Termitenhügel weiterzuverfolgen.
Ideen gehen nicht aus
Das hat in Afrika in verschiedenen Ländern begonnen. Und es stehen noch Australien und Südamerika auf dem Plan, um dort weitere dieser einmaligen Natur-Architekturen zu finden, sie in Skulpturen meiner Art zu verwandeln und dann alle hier in Rottweil an einem Ort zusammenzubringen. Ich denke, die Ideen gehen mir so schnell nicht aus. Aber heute ist heute und morgen ist morgen.