Hundehalter in Rottweil: Der offene Hundetreff findet immer mehr Zuspruch

Zunächst bleiben alle Vierbeiner angeleint.
WiestEin sonniger Freitagnachmittag in Rottweil: Über das große Trainingsgelände der Rottweiler Hundefreunde jagen zehn Hunde verschiedenster Rassen, bellen, springen ins Gras und jagen einander spielerisch um die Wette. Was für Außenstehende nach ausgelassenem Chaos aussieht, folgt einem klaren Konzept – dem offenen Hundetreff des Vereins.
„Viele Hunde lieben das Herumtollen mit Artgenossen. Doch im öffentlichen Raum ist das nur schwer möglich“, erklärt Chris Rehhorn, der Vorsitzende des Vereins. Leinenzwang in Städten und die Gefahr des Weglaufens oder Jagens in der Natur machen freie Begegnungen kompliziert. Und an der Leine kommt es schnell zu Spannungen: „Sie schränkt die nonverbale Kommunikation zwischen Hunden ein. Manche Tiere reagieren angeleint deutlich aggressiver, weil sie ihre Besitzer schützen wollen.“
Hier setzt das Angebot an. Auf dem rund 7000 Quadratmeter großen, umzäunten Vereinsgelände können die Vierbeiner frei laufen, miteinander spielen oder sich aus dem Weg gehen. „Unsere Erfahrung zeigt: Die Hunde werden dadurch ausgelasteter, ausgeglichener und verträglicher“, so Rehhorn. Gleichzeitig profitierten die Menschen: Während ihre Tiere beschäftigt sind, bleibt Zeit für Beobachtungen und Gespräche über Haltung, Ernährung oder Training.

Viele Hunde lieben das Herumtollen mit Artgenossen.
Foto: WiestDie Zielgruppe? Egal ob Vereinsmitglied oder nicht, ob Chihuahua oder Schäferhund – teilnehmen darf, wer angemeldet, gesund, geimpft, versichert und sozial verträglich ist. „Wir wollen damit Hunde alltagstauglicher machen“.
Bevor der Freilauf beginnt, steht allerdings ein Kennenlerngespräch an. Hier wird geprüft, ob ein Hund in die Gruppe passt. Auffällige Tiere können zunächst ins reguläre Training eingeladen werden. „Die Freilaufsession soll für alle Beteiligten ein schönes Event sein“, betont der Veranstalter.
Auch am Treffpunkt selbst gibt es klare Regeln: Zunächst bleiben alle Hunde an der Leine, während Aufsichtspersonen und Trainer das Verhalten beobachten. Erst wenn alle bereit sind, erfolgt auf Anweisung das gemeinsame Ableinen. Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben – Sicherheit geht vor. Nach dem Toben werden die Tiere wieder angeleint und gemeinsam zurückgeführt, bevor der Nachmittag beim geselligen Austausch der Halter endet.
Die Resonanz wächst. Anfangs kamen zwei bis vier Hunde, inzwischen nehmen bis zu zehn teil. Der nächste Termin ist am 7. November. „Wir freuen uns, dass unser Angebot so gut angenommen wird“, heißt es aus dem Verein.
Auch in den Landkreis passt die Initiative: Zwar gibt es keine generelle Leinenpflicht, doch nicht jeder Hund lässt sich zuverlässig abrufen. Der offene Treff bietet hier eine sichere Alternative. Ausschluss nach Rasse gibt es nicht – entscheidend ist das Verhalten. Hunde mit Maulkorbpflicht dürfen ebenfalls teilnehmen, allerdings mit Maulkorb.
Einblicke in die Vereinsarbeit gibt es beim Tag der offenen Tür am 21. September. Besucher können dort Hunderennen oder einen Rallye-Obedience-Parcours erleben und ins Gespräch kommen. Das verpflichtende Kennenlerngespräch findet zwar nicht nebenbei statt, kann aber flexibel zu einem anderen Zeitpunkt geführt werden.
So ist der offene Hundetreff längst mehr als nur ein Auslauf für Vierbeiner: Er ist ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Miteinanders – für Hunde wie für Menschen.