Herrenzimmerner in Uganda
: Mit böhmischen Polkas auf Safari

Eine Gruppe Herrenzimmerner Musikanten, teilweise mit Familie, hat über den Jahreswechsel die vor knapp drei Jahren ausgewanderte Familie Berthold an ihrem Wohnort in Uganda besucht und mit ihr zusammen das ostafrikanische Land erkundet.
Von
Klaus Weisser
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Zusammen in Uganda: die Reisegruppe aus Herrenzimmern mit Birgit und Olaf Berthold (rechts).

Rosenberger

Zwei Tage vor Heiligabend startete die froh gelaunte zwölfköpfige Reisegruppe vom Stuttgarter Flughafen aus Richtung Entebbe in Uganda. Von dort aus ging es weiter zum neuen Wohnsitz der Bertholds in der Nähe der Ndejje University.

Olaf und Birgit Berthold hatten im April 2022 ihre Zelte in Herrenzimmern abgebrochen, um sich in dem ostafrikanischen Land in den Dienst der christlichen Missionsorganisation „Coworkers“ zu stellen und dort für die Ndejje University tätig zu werden.

Die Coworkers

Coworkers ist ein staatlich anerkannter Entwicklungsdienst. Fachkräfte sind weltweit in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Klimaschutz, Gesundheitsdienst, Bildung, soziale Arbeit, Verwaltung und Informatik im Einsatz. Großer Wert wird auf die Förderung und Ausbildung der einheimischen Bevölkerung gelegt.

Die Bertholds

Olaf Berthold war als Revierförster über viele Jahre für den Wald der Gemeinde Bösingen zuständig. Seine Ehefrau Birgit, promovierte Medizinerin und Fachärztin für Homöopathie, leitete mehr als ein Jahrzehnt den Musikverein Lyra Herrenzimmern. Tochter Rebekka – sie hat für das Lehramt studiert und war schon ein halbes Jahr vor ihren Eltern in Uganda – schloss sich den Eltern an.

Die Ex-Herrenzimmerner haben zusammen mit mehreren Helfern in der Wildnis eine Farm errichtet und einen Trinkwasserbrunnen gebaut. Mittlerweile können sie sich selbst versorgen. Auf der Farm der Bertholds finden Workshops für Studenten statt.

Die kultivierten Flächen

Die kultivierten Flächen (bisher 0,5 Hektar) werden nach Agroforestry (Agro-Forstwirtschaft)-Prinzipien bewirtschaftet. Dabei kombiniert man Elemente des Ackerbaus und der Tierhaltung mit solchen der Forstwirtschaft. Bäume und Sträucher werden in die Landwirtschaft miteinbezogen und sorgen für vorteilhafte ökologische Wechselwirkungen.

Die Erzeugnisse

Produziert wird in mehreren Schichten, die sich auf derselben Fläche befinden. Zu den Erzeugnissen gehören: Stammholz, Brennholz, Früchte wie Orangen, Zitronen und Bananen, Leguminosen als Mulchmaterial oder Tierfutter sowie Mais, Hirse und Himbeeren. Bohnen werden zur Unkrautbekämpfung angepflanzt. Im Boden finden sich dann noch Yamswurzel, Maniok, Möhren und Rote Beete. Gehalten werden Schweine und Ziegen.

Olaf Berthold zeigt, was angebaut wird.

Foto: Rosenberger

Medizinerin Birgit Berthold hält Vorlesungen an der Universität. Zudem ist sie für den Heilkräutergarten der Uni zuständig.

Der Besuch

Von Anfang an sei geplant gewesen, die Bertholds mal zu besuchen, erklären Veronika Bihler und Sarah Rosenberger im Gespräch. Beide sind seit vielen Jahren in der Musikkapelle aktiv. Mit auf der Reise dabei war der frühere Dirigent, Markus Biche.

Bereits vor einem Jahr habe man dieses Vorhaben geplant und vorbereitet. Zusammen mit den Bertholds habe die Reisegruppe in den zwei Wochen 1500 Kilometer in drei Fahrzeugen zurückgelegt.

Die Blasmusik

Dabei tönten während der Safari-Fahrten aus dem Autolautsprecher – wie könnte es bei Blasmusikern anders sein – böhmische Polkas. Denn: Neben Schokolade, Aperol, Sekt und eine Notration an Essen hatten die Reiseteilnehmer entsprechende Tonträger im Koffer mitgenommen. Die mitgebrachten Notfall-Essensrationen seien jedoch nicht benötigt worden. Es gebe dort viel Obst zum Essen.

Die Hygiene

Und wie waren die hygienischen Verhältnisse? „Recht unterschiedlich“, berichten die beiden und schmunzeln dabei. Die Reisegruppe übernachtete in Lodges. In diesen verweilten die Herrenzimmerner jeweils ein bis zwei Nächte.

Der Ndejje Universität, die das Agroforestry-Projekt wissenschaftlich begleitet, wurde ebenfalls ein Besuch abgestattet.

Die Sehenswürdigkeiten

Als Sehenswürdigkeit erwies sich der Murchison-Falls-Nationalpark mit seinen bekannten Wasserfällen. Eine Schifffahrt auf dem Victoria-See durfte nicht fehlen. Weihnachten hatte die Gruppe bei 30 Grad verbracht und einen Gottesdienst besucht.

Auf Safari.

Foto: Rosenberger

Ein „besonderes Highlight“ sei das Weihnachtsliedersingen auf der Farm der Bertholds zusammen mit Studenten gewesen. Heute noch schwärmen die Reiseteilnehmer.

Intensive Eindrücke

Die vielen exotischen Tiere in freier Wildbahn, die Gastfreundlichkeit der christlich geprägten Bevölkerung, die pulsierenden Straßenmärkte, die hautnah erlebte Kultur, das ansonsten eher gemächliche Leben, das Mithelfen bei der Maisernte – all dies seien bleibende Erinnerungen an diese besondere Reise („keine gewöhnliche Safari-Touristenreise“).

Info: Die Familie Berthold kommt im Sommer (Verlängerung des Aufenthalts um weitere drei Jahre) nach Deutschland. Am 1. Juli 2025 wollen Olaf und Birgit Berthold in Herrenzimmern von ihrer Arbeit berichten. Wo der Vortrag stattfinde, werde noch rechtzeitig bekannt gegeben.

Der Rottweiler mit Biss
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus Rottweil und Umgebung Montag bis Samstag im kompakten Überblick.