Haushaltssorgen in Bösingen: Pro-Kopf-Verschuldung explodiert regelrecht

Für die Sanierung des Bösinger Lehrschwimmbeckens (Foto) kann sich die Gemeinde Bösingen im nächsten Jahr nur eine erste Planungsrate in Höhe von 50 000 Euro leisten. Andere Projekte genießen eine höhere Priorität.
WeisserWie schon im laufenden Jahr kann die Gemeinde Bösingen auch 2026 den Ergebnishaushalt nicht ausgleichen. Erwartet wird ein Minus von 535 000 Euro.
Seit der Haushaltsumstellung auf die Doppik muss die Kommune damit zum zweiten Mal die zum Glück gut gefüllte Ergebnisrücklage (nach Rechnungsabschluss 2023: 6,3 Millionen Euro) zum Ausgleich des Defizits anzapfen. Zur Finanzierung der vorgesehenen Investitionen benötigt die Gemeinde im kommenden Jahr Fremdmittel über eine Million Euro.
Kreditaufnahmen Die Höhe der Kreditaufnahme deckt sich mit dem für die Erweiterung der Bösinger Kläranlage im nächsten Jahr anfallenden Investitionsbetrag. In den folgenden Jahren müssten für das Kläranlagenprojekt weitere Kredite in Höhe von 3,5 Millionen und 3,3 Millionen Euro in Anspruch genommen werden, kündigte Kämmererin Elena Flindt an.
Zum 31. Dezember 2025 wird sich die Pro-Kopf-Verschuldung auf 43 Euro belaufen. Ende 2026 steige diese voraussichtlich auf 323 Euro.
Ambitioniertes Programm „Wir gehen mit Tatkraft und einem Plan das sehr ambitionierte Investitions- und Zukunftsprogramm an“, gab Bürgermeister Peter Schuster als Losung aus. Dazu bedürfe es weiterhin einer konstruktiven Zusammenarbeit wie auch einer guten Kommunikation. Erforderlich sei jedoch auch Zuversicht ins Gelingen.
Der dickste Brocken auf der Ausgabenseite im Ergebnishaushalt sind die Personalaufwendungen. Diese haben sich in den zurückliegenden zehn Jahren von 1,7 auf 3,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt. In mehreren Bereichen (Kindergarten, Grundschulbetreuung, Rathaus und Bauhof) sei der Personalbedarf gestiegen, erklärte dazu Kämmererin Elena Flindt. Indes: Im Kindergarten werde der Mindestpersonalschlüssel angewandt, ergänzte Schuster.
Für die vorgesehene LED-Beleuchtung in der Turn- und Festhalle Herrenzimmern und den damit verbundenen Elektroarbeiten sind 17 500 Euro eingestellt. Mittelfristig sind in den nächsten Jahren die Renovierung der Treppe, des Foyers und der Toiletten geplant. Im Finanzhaushalt steht für den Erwerb von Grundstücken und Gebäuden ein Betrag von 305 000 Euro zur Verfügung.
Gewerbeflächen Auf der Einnahmenseite sind Grundstückserlöse aus dem Verkauf von Gewerbeflächen in Höhe von 543 000 Euro einkalkuliert. Für eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Bösinger Schulgebäudes werden Finanzmittel in Höhe von 100 000 Euro bereitgestellt. Weitere Fördermittel aus dem Ausgleichstock in Höhe von 100 000 Euro kann die Gemeinde für den Anbau an den Kindergarten Herrenzimmern erwarten. 2025 wurden dafür bereits 300 000 Euro bewilligt.
Eine Planungsrate Für die umfassende und kostenintensive Sanierung des Lehrschwimmbades bleibt vorerst nur eine Planungsrate in Höhe von 50 000 Euro übrig. Das Lehrschwimmbad gehöre zu den freiwilligen Aufgaben der Gemeinde Bösingen. Darauf war bei den Haushaltsvorberatungen ausdrücklich hingewiesen worden. Für Kanalsanierungsmaßnahmen im Rahmen der Eigenkontrollverordnung finden sich im Finanzhaushalt Mittel in Höhe von 150 000 Euro. Die noch fehlende Straßenerschließung im Bösinger Gewerbegebiet „Pfarrbrühl II“ (fehlender Lückenschluss der Gewerbestraße) wird mit einem Kostenansatz von insgesamt 430 000 Euro berücksichtigt. Die Herstellung der Baustellenzufahrt zur Kläranlage ist mit 200 000 Euro ausgewiesen.
Laut dieser Planung nimmt der Finanzierungsmittelbestand im kommenden Jahr um 1,63 Millionen Euro ab. Bis Ende des Jahres seien zwei Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten, erfuhr Gotthard Mei auf Nachfrage.
Bürgermeisterstellvertreterin Bernadette Stritt sprach in der Sitzung von einem „soliden Haushalt“ und dankte der Verwaltung für die „hervorragende Arbeit“.