Energieversorger in Rottweil: Steigende Stromkosten, überlastetes Netz – das beschäftigt die ENRW

Stefan Kempf (von links), Daniel Karrais und Holger Hüneke tauschen sich zum Thema Energie aus.
Siebers„Sinkende Netzentgelte bedeuten sinkende Einnahmen für die Versorger und damit weniger Geld für den dringend notwendigen Netzausbau“, erklärt ENRW-Geschäftsführer Stefan Kempf. Neue Anlagen und zusätzliche private Photovoltaik-Installationen erforderten massive Investitionen in die Ortsnetze, die teilweise überlastet seien. Ein Neubau brauche heute deutlich mehr Strom als noch vor zehn Jahren.
„Mittlerweile rechnen wir mit 4,5 KW Anschlussleistung pro Haus“, ergänzt der technische Geschäftsführer Holger Hüneke. Gleichzeitig gäbe es bei den erneuerbaren Energien eine große Lücke zwischen Einspeisung und Nutzung. Der überschüssige Strom müsse dann abtransportiert werden. Das belaste die bestehende Infrastruktur, so Hüneke weiter.
Karrais, im Landtag Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, macht deutlich: „Der Netzausbau ist zu sehr in den Hintergrund geraten. Wir brauchen Bürgschaften und Investitionsmöglichkeiten in die Netze“. Andernfalls würden die Strompreise für die Verbraucher weiter steigen und die Netze zunehmend überlastet.
Auch die Finanzierung stelle die Energieversorger vor große Hürden. Der notwendige Netzausbau erfordere enorm viel Kapital. Karrais meinte, es brauche Rahmenbedingungen, die den Ausbau vereinfachten, statt ihn durch Vorschriften und Regulierungen zu bremsen.
Keine „Champagner“-Lösung
Abgesehen vom Strom, ist auch die Wärmeversorgung ein zentrales Thema. Die Gesprächspartner sind sich einig, dass der Einsatz von Wasserstoff hier eine immer wichtigere Rolle einnimmt. Allerdings dürfe er nicht zur „Champagner-Lösung“ für wenige ausgewählte Sektoren werden, betont Kempf.
Für die ENRW sei vor allem das schon vorhandene Wärmenetz der Weg für die Versorgung mit erneuerbarer Wärme. „Wir erweitern derzeit das Wärmenetz in Rottweil, um Alternativen zu Gas und Öl anzubieten“, sagte Kempf.
Gleichzeitig müsse für das Gasnetz mit erneuerbaren Gasen, wie Biogas oder Wasserstoff in Reinform oder als Mischung, eine Zukunft geschaffen werden, betont Hüneke. „Wir haben da schon eine Infrastruktur, mit der wir sofort den CO2-Ausstoß unserer Kunden reduzieren könnten. Leider fehlt hier Klarheit bei der Regulierung“, sagt der Techniker.
Umso wichtiger sei es, die Vielfalt der Formen der Energieversorgung zu ermöglichen. „Jede Region muss die Herausforderung unterschiedlich lösen. Da darf es keine Denkverbote geben“, bestätigt Karrais das Anliegen.