Dunningen
: In Stein gemeißelte Seedorfer Ortsgeschichte

Feldkreuze: Irene und Bernhard Brack haben das Wissen über Kleindenkmale gesammelt / Spannende und rührende Geschichten
Von
Peter Schönfelder
Oberndorf
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Petra Wenger (links) sowie Irene und Bernhard Brack am sogenannten Ahner-Kreuz unweit des Industriegebiets Seedorf-Waldmössingen Foto: Schönfelder

Schwarzwälder Bote

Oft gehören sie zum Ortschaftsbild wie Bäume und Felder, seit Jahrzehnten stehen sie an ihrem Platz, mitunter lockt ein Bänkle in ihrem Schatten zum Ausruhen. Die Rede ist von Feldkreuzen und religiösen Kleindenkmalen in Seedorf.

Dunningen-Seedorf. Aber wie viele sind es, wer errichtete sie, seit wann sind sie an ihrem Platz? Bis vor wenigen Jahren wussten nur einige Genaues. So kam auf einer Fortbildung des Kirchengemeinderats die Idee auf, eine Erhebung durchzuführen. Irene Brack, damals im Gremium, und ihr Mann Bernhard übernahmen diese Aufgabe, unterstützt von Petra Wenger und Sabine Haag de Ampuero.

Meist befinden sich die Kreuze in privater Hand, wurden von Familien und Privatpersonen errichtet, viele wurden regelmäßig renoviert und erneuert, und sogar in jüngster Zeit kamen noch Kreuze hinzu.

An fast jedem Kreuz hängt eine unmittelbare Geschichte. Entweder wissen die Eigentümer diese zu erzählen, oder Freunde und Nachbarn erinnern sich an den Grund, weshalb dieses oder jenes Kreuz an dieser Stelle steht. Obwohl, manches hat mit den Jahren der Ausdehnung der Bebauung in Seedorf weichen müssen und steht jetzt woanders. Auch viele Namen der Kreuze deuten auf die dahinterstehende Geschichte hin. Wieder andere Namen, wie Wolfskreuz, bleiben rätselhaft. Mitunter geht es um ein Gelübde. So verspricht man, ein Kreuz zu errichten, wenn man gesund aus dem Krieg zurückkehrt, auch Kinderwünsche spielen eine Rolle.

Bernhard Brack, der sie alle für eine Broschüre fotografiert hat, macht im Gespräch eine gewisse Vorliebe für solche Kreuze um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus. Ihm gefällt besonders die altertümliche Sprache. Schrifttypen, und auch die Art der Formulierung deuten das Alter manches Kreuzes an. Der vornehm schreitende Duktus der Texte entführt in eine andere Zeit. Auch die Orthografie ist mitunter abenteuerlich, denn der Duden wurde erst später geschrieben, weist Brack auf Besonderheiten hin.

Beliebt als Material ist der rote Sandstein der Gegend, aber auch Holzkreuze, kunstvoll geschnitzt, sind häufig. Diese bedürfen allerdings auch intensiver Pflege, was die Besitzer mit Freude übernehmen. Rund 40 Kreuze und öffentlich sichtbare Kleindenkmale haben die vier Heimatforscher auf Seedorfer Gemarkung gefunden und in einer Broschüre katalogisiert. "Mit dem Büchlein kann man seine Lieblingskreuze immer wieder besuchen", sagt Irene Brack.

Aber warum läuft man wochenlang durchs Dorf und sucht Feldkreuze? Petra Wenger beantwortet diese Frage so für sich: "Es ist wohl eine gewisse Wertschätzung. Mit den Kreuzen habe ich Geschichte direkt vor mir. Wir reisen in die ganze Welt, dabei haben wir viele schöne Dinge direkt vor Augen. Und an manchem Kreuz hängt eine spannende Geschichte." Und Irene Brack ergänzt: "Die Kreuze sind auf jeden Fall eine Bereicherung für das Dorf und seine Menschen."

Und wenn der Blick erst mal für Feldkreuze geschärft ist, dann fallen auch noch viele andere Dinge auf. So entdeckte Irene Brack in einem Garten einen ehemaligen Taufstein als Blumentrog.

Besonders freuten sich vor einigen Tagen die Senioren des Geselligen Alters, als das Ehepaar Brack per Powerpoint einen Spaziergang zu den Seedorfer Feldkreuzen unternahm. So manche verborgene Geschichte kam mit Hilfe der Zuhörer neu ans Licht. Auch eine "Feldkreuzrallye", die der Kirchengemeinde kurz nach Erscheinen der Broschüre veranstaltete, kam richtig gut an, erinnert sich Irene Brack. Ja, sinniert sie, so etwas könnte man doch bald wieder einmal machen.

Und gibt’s ein Lieblingskreuz für die Bracks? Die beiden überlegen kurz und entscheiden dann: "Eigentlich nicht – sie sind alle schön. Und Vielfalt der Kreuze offenbart eine besondere Form von Schönheit." Doch, viele der Geheimnisse, die die Kreuze umgeben, liegen noch im Dunkeln. "Wer noch was weiß, kann sich gern bei uns melden", so Irene Brack. Sonst droht dieses Wissen endgültig verloren zu gehen.

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