Dietinger Schätze: Historische Wegweiser restauriert

In der Werkstatt eines Fachmanns: altehrwürdige Wegweiser aus dem Dietingen des 19. Jahrhunderts.
BurkardAb 1811 wurden im Königreich Württemberg gusseiserne Wegweiser aufgestellt, um Ortsfremden eine Orientierung im Königreich zu geben. Sie wurden auch „Ortsstock“ genannt.
Ab 1863 wurden sie nach einheitlichem Muster in den königlichen Gusswerken, wie in Wasseralfingen, gegossen. Die gusseisernen Rundsäulen haben eine Höhe von 300 Zentimeter und weisen am Fuß einen achteckigen Sockel mit einer auf allen Seiten bestehenden tieferliegenden Abplattung mit dem Stamm- und Hauswappen des württembergischen Grafengeschlechtes auf. Dieses Stammwappen ging Ende des 12. Jahrhunderts in das Staatswappen ein.
Erhabene Beschriftung
Im oberen Teil des Ortsstocks befinden sich zwei Wegezeigerschilder mit der erhabenen Beschriftung „Rottweil 5,6 km“ und einer Doppelbeschriftung „Irslingen 3,9 km“ sowie „Böhringen 4,7 km“.
Die schweren gusseisernen Wegezeiger bestehen aus einer schwarzen Randeinfassung und einer dunkelroten konkaven Fläche, auf der die Ortsnamen in echter Karat-Blattgoldfassung stehen. Die Farbgebung beruht auf den Grundfarben schwarz und rot der heraldisch abgeleiteten früheren Landesfarben.
Württembergs Wappen
Die Abplattungen im Sockel und deren Fassungen sind ebenfalls in den damaligen Landesfarben gehalten. Im roten Feld sind drei quer liegende gebogene Hirschstangen mit drei nach oben stehenden Zinken in Goldfarben angeordnet. Sie weisen in idealisierter Art auf das besonders wald- und hirschreiche Gebiet Württembergs hin. Diese Symbole blieben über alle Zeiten im Wappen bestehen. Die Geweihstangen waren bis 1806 Erkennungszeichen des Herrscherhauses.
Nach 1817 änderte König Wilhelm auf Grund territorialen Veränderungen das Staatswappen in ein geteiltes Wappenschild mit den drei württembergischen Hirschstangen und den drei Löwen Schwabens. Das heutige große Staatswappen Baden-Württemberg hat diese historischen Symbole als heraldisch „gemeine Figuren“ wieder aufgenommen.
Standort des Wegweisers
Der Standort des historischen Wegweisers bildet seit 1986 mit dem dortigen Brunnen ein nicht mehr wegzudenkendes ortshistorisches Kleindenkmal an der Ecke Hohensteinstraße/Lange Gasse.
Die Erhaltung und Restaurierungspflege war und ist ein besonderes Anliegen von Alt-Bürgermeister Hubert Burkard. Dabei legt er immer wieder mit seinen künstlerischen Fähigkeiten gerne selbst Hand an.