Dietingen: Ohne Chefin hat Laden keine Zukunft

Peter Seeburger im Garten. Im Hintergrund: Der Eingangsbereich des Blumenladens seiner verstorbenen Frau.
BiengerDietingen-Irslingen - Die Kunden von Maria Seeburger kamen von weit her, um in den Genuss der besonderen Atmosphäre im Blumenladen zu kommen. Doch der Laden, die Events, das Café sind Vergangenheit. Mit Seeburgers Tod endet in Irslingen eine Ära, die im Zeichen von Lebensfreude und Schönheit stand.
Es ist ein trüber Tag, dieser Freitagmorgen. Der Himmel ist wolkenverhangen, es sieht nach Regen aus. An der Tür des Blumenladens in Irslingen, der einst voller Leben war, hängt ein Schild: "Wegen Todesfall geschlossen". Es scheint, als wolle das Wetter die Traurigkeit, die in der Luft hängt, unterstreichen.
Im Blumenladen selbst, wo früher fröhliche Gespräche der Stammgäste des Cafés zu vernehmen waren, ist alles still. Eine brennende Kerze steht auf der Theke. Peter Seeburger hat sie für seine verstorbene Frau Maria angezündet, Eigentümerin des Blumenladens. "Die Menschen kamen gerne hierher, hier war immer etwas los", sagt der Witwer. Denn im Blumenladen von Maria Seeburger konnte man nicht nur Floristik und Dekoration erwerben, sondern darüber hinaus einen Kaffee trinken, einen Plausch mit der Nachbarin halten und Events beiwohnen.
Es gab wiederkehrende Ausstellungen im Frühjahr und im Advent, Sommerfeste mit Musik, eine Modenschau. Sogar Volker Kauder war einmal zu Gast, das war im vergangenen Jahr, als der Bundespolitiker auf Sommertour war und das Café im Rahmen einer Diskussionsrunde beim "Frauenfrühstück" besuchte.
All das hatte Maria Seeburger organisiert. "Maria wollte immer etwas Schönes und Besonderes anbieten, wollte die Menschen aus ihrem hektischen Alltag herausnehmen. Das war ihre Berufung, mit dem Laden hat sie sich einen Traum erfüllt."
Es beginnt im Jahr 1997, als Maria Seeburger die Gärtnerei ihrer Eltern übernimmt. Sie gibt ihren Beruf als Telekom-Angestellte auf und macht eine Ausbildung zur Floristin. Der elterliche Betrieb wird umgestellt, das Sortiment erweitert. Im Jahr 2000 kommt das neue Gebäude hinzu, in dem sich auch das Café befindet. Dieses gibt es erst seit 2005: "Maria wollte den Menschen damit eine Oase der Ruhe und der Schönheit bieten", erzählt Peter Seeburger. Die Trauerfloristik, das war genau Marias Thema, erinnert er sich. "Sie hat sich für jeden Kunden Zeit genommen und ihn individuell beraten. Hinterher hat man ihr oft gesagt, dass ihre Blumenideen den Menschen beim Abschiednehmen Trost spendeten." Sie selbst sei stets sehr lebensfreudig und fröhlich gewesen. "Ihr Lebensmotto war: ›Man muss sich den Aufgaben stellen, die einem begegnen.‹"
Marias Leben und damit ihr Traum enden abrupt. Es ist der 3. Februar, ein Montag und damit Ruhetag. Maria Seeburger schaut im Laden nach dem Rechten. Gegen 13 Uhr geht sie Joggen, ein beinahe tägliches Ritual. Doch diesmal ist alles anders. Eine Herzattacke über- rascht die zweifache Mutter beim Sport. Maria Seeburger, die stets auf eine gesunde Lebensweise geachtet hat und nie ernsthaft krank war, stirbt an plötzlichem Herztod – mit nur 49 Jahren.
Bei der Trauerfeier vier Tage später ist die große Betroffenheit der Menschen zu spüren. Sehr viele ehemalige Kunden, Nachbarn und Freunde sind gekommen, um von Maria Seeburger Abschied zu nehmen – ein Trost für die Hinterbliebenen: "Uns hat diese Wertschätzung bei der Trauerbewältigung geholfen", sagt Peter Seeburger. "Es kamen viele Briefe, und es gab viele persönliche Gespräche. Als ich die vielen Menschen bei der Beerdigung gesehen habe, habe ich gesagt: ›Sieh, wenn du früher zum einem Event gerufen hast, kamen viele Menschen. Jetzt kommen sie auch, wenn du zum letzten Mal rufst.‹" Die Blumen, die Maria Seeburger so liebte – sie freute sich das ganze Jahr über auf die saisonale Blüte, auf Tulpen, Primeln und Hortensien – zieren jetzt ihr Grab.
Für Peter Seeburger ist nach dem Tod seiner Frau klar, dass der Blumenladen keine Zukunft hat. "Ich spüre hier eine plötzliche Leere", sagt der Witwer und lässt seinen Blick durch den Raum schweifen, betrachtet die vielen Kunstwerke, die Maria geschaffen hat, um das Café zu verschönern. "Das Aufhören ist richtig, der Laden war ihr Steckenpferd. Das war Maria; alles andere würde den Laden verbiegen." Jetzt, nach der Fastnacht wird es einen großen Ausverkauf geben, danach gehen die Türen endgültig zu. Was er mit dem Gebäude machen will, weiß Peter Seeburger noch nicht. Er selbst hat sich erst vor Kurzem beruflich neu orientiert, will sich zunächst darauf konzentrieren.
Der Verlust seiner Frau schmerzt, vor allem nach 22 Jahren Ehe, doch Peter Seeburger spürt dennoch keine Angst. "Der Tod ist nur ein Umzug in ein schöneres Haus" – an diesen Spruch, der auch in der Todesanzeige zu lesen war, glaubt der Witwer.