Auszeichnung in Rottweil: Staufermedaille für Winfried Hecht – „das wandelnde Gedächtnis der Stadt“

Winfried Hecht erhält aus den Händen von Oberbürgermeister Christian Ruf (rechts) die Staufermedaille des Ministerpräsidenten, Landrat Wolf-Rüdiger Michel (links) gratuliert. Für Ehefrau Ingrid Hecht gibt es Blumen.
OttoWinfried Hecht trägt rote Fliege, die Stimmung im alten Ratssaal ist feierlich, und viele Weggefährten sind gekommen, um bei diesem besonderen Anlass dabeizusein. Der 82-jährige Hecht ist nicht nur „das wandelnde Gedächtnis der Stadt“, wie Oberbürgermeister Christian Ruf es ausdrückt, er hat sich um Rottweil in vielfältiger Weise verdient gemacht – und ist zudem seit 50 Jahren Kreistagsmitglied.
Ein Jubiläum, das bei Landrat Wolf-Rüdiger Michel zunächst für Nöte sorgte. Der Landkreistag gehe mit dieser Zahl eher „kleinmütig“ um, bedauert Michel. Dass Winfried Hecht angemessen zu würdigen sei, sei aber im Gespräch mit OB Ruf schnell klar gewesen. Michel brachte die Staufermedaille ins Spiel.
Forscher und Autor
Dass allein die Liste der Publikationen Hechts dann das Mailprogramm des Ministeriums zum Erliegen brachte, wie OB Ruf schmunzelnd berichtet, macht deutlich, mit welcher Schaffenskraft man es beim einstigen Stadtarchivar zu tun hat. Er kennt die Rottweiler Geschichte nicht nur wie kein anderer, er ist Teil von ihr. Hecht sei es zu verdanken, dass die verschiedenen Spektren der ältesten Stadt Baden-Württembergs so gut erforscht seien, so Ruf. Er habe „Standardwerke zur Rottweiler Geschichte“ geschrieben – und das, obwohl er kein gebürtiger Rottweiler ist, wie der OB mit einem Augenzwinkern ergänzt.
Die Bewerbung gibt es noch
Ein Umstand, der fast zu vernachlässigen ist. Hecht wurde im Februar 1941 in Stuttgart geboren, kam 1944 nach Rottweil, besuchte das Albertus-Magnus-Gymnasium und studierte Geschichte, Romanistik und Politik in Tübingen, Würzburg, Portugal und Frankreich. Im Jahr seiner Promotion 1967 ging in Rottweil Hechts Bewerbung als Stadtarchivar ein.
Und der Oberbürgermeister hatte ganz nach Hechtschem Vorbild Recherche betrieben und die Bewerbung ausfindig gemacht. Da staunt sogar Hecht mit einem kurzen Schmunzeln – erst recht, als Ruf daraus vorliest. Mit der Ankündigung, sich mit „Schwung und Hingabe“ der Arbeit als Archivar widmen zu wollen, habe Hecht nicht übertrieben. Er tat dies bis 2006. „Sie sind ein Glück für Rottweil.“
Viel Neues initiiert
Viele Entwicklungen hat Hecht begleitet, vieles initiiert, wie das Deutsch-Schweizer Autorentreffen oder die Erfassung der Kleindenkmale. 30 Jahre lang hat er den Geschichts- und Altertumsverein geleitet, sich im Kreistag, bei der SPD, in der Kirche und den Zünften engagiert. Er macht bis heute das Herrenkramersche Kripple „leabig“ – und natürlich schlägt sein Herz für die Fasnet. Lange war er Zunftschreiber.
„Ich kann mich nur verneigen“, so der Rottweiler Oberbürgermeister, der Hecht unter großem Applaus im Namen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Staufermedaille verleiht. Sie reiht sich übrigens ein in viele, viele Auszeichnungen, die der 82-Jährige schon erhalten hat: Bürgermedaille, Bundesverdienstkreuz – ja, er ist sogar Ritter des Ordens des heiligen Papstes Silvester. Nie zuvor gab es aber wohl, wie jetzt, eine Erdbeertorte obendrauf. Auch das hatte der OB zur Freude des Geehrten recherchiert.
Pointiert im Kreistag
Landrat Wolf-Rüdiger Michel rückt schließlich die Person Winfried Hecht in den Fokus – als einen, der sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern die Arbeit für die Gemeinschaft im Blick hat. Als einen, der bei langen Debatten im Kreistag schließlich zwei prägnante Sätze loslässt, die den Nagel auf den Kopf treffen. Der Humor, das weiß jeder, der Hecht kennt, kommt nicht zu kurz. Auch auf dieser Ebene sowie bei vielen grundsätzlichen Themen, die eine Demokratie ausmachen, habe man sich, obwohl aus unterschiedlichen politischen Lagern kommend, stets sehr gut verstanden, betont Michel.
Ein historischer Diskurs
Und dann tritt der Geehrte ans Rednerpult. Gewohnt verschmitzt würdigt er Ruf für das, was er alles zusammengetragen hat. „Ich hätte es nicht besser machen können.“ Dank gilt auch dem Landrat für die in der Tat gute Zusammenarbeit. Dass die Ehrung im historischen Ratssaal Rottweils von 1521 stattfindet, ist für Hecht – natürlich – der Einstieg in einen historischen Diskurs. Hecht zeigt auf, wo die Staufersche Tradition in Rottweil weiterlebt, spricht von Friedrich Barbarossa und Friedrich dem Zweiten, als ob er sie persönlich gekannt hätte, sprudelt Jahreszahlen und Ereignisse nur so hervor, dass einem schwindlig werden könnte – natürlich ohne Manuskript. „Winfried Hecht lebt Geschichte“ – ein Satz aus der Laudatio, der in diesem Moment spürbar wird.
Winfried Hecht ist es zum Abschluss wichtig zu betonen, dass „das, was ich hingebracht habe“, nur mit der Unterstützung vieler möglich war. Und er ist sich sicher, meint er mit dem typisch verschmitzten Lächeln, dass seine kleine Urenkelin, die bei der Feierstunde mit Geduld dabei ist, „ihren Nachkommen von dieser hehren Veranstaltung berichten wird“.
