Ärger an Rottweiler Bushaltestellen: Bussituation ist ein Armutszeugnis

Während der Corona-Pandemie gab es vom Land geförderte Verstärkerbusse, die dafür sorgten, dass Kinder im Bus mehr Platz haben. (Archivbild)
ArnoldAlle Jahre wieder dasselbe unwürdige Spiel an der Bushaltestelle vor meiner Haustüre – das war schon bei meinen Kindern vor Jahren so. Irgendwann ruckelt sich das leidlich zurecht, wahrscheinlich weil viele kapitulieren, Fahrgemeinschaften bilden oder sonst wie privat Abhilfe schaffen.
Ein Armutszeugnis, das aus Sicht der Kinder und Jugendlichen einem ausgestreckten Mittelfinger ziemlich ähnlichsehen dürfte. Ist es das, was sie verdienen? Sie, die alle unsere Versäumnisse und falschen Weichenstellungen von gestern und heute ausbaden müssen?
In anderen Ländern seien Busfahrer pädagogisches Personal
Und gleichzeitig verstehe ich, dass es für Busunternehmen fast unmöglich ist, innerhalb von zirka einer Stunde Personal und Material bereitzustellen, das sie davor und danach nicht mehr brauchen, weil der ÖPNV für Autofahrer zu teuer und zu unflexibel ist.
Personal, das nicht nur verantwortungsvoll fahren soll, sondern auch noch die Ordnung im Bus aufrechterhalten sollte: Eine Zumutung! Andere Länder haben pädagogisches Personal in Schulbussen. Warum also nicht mal ganz neu nachdenken: Zum Beispiel über einen gleitenden Schulanfang, mit betreuter Stillarbeit, in der zum Beispiel die Hausaufgaben oder Wochenplanarbeit erledigt werden können. Dafür kein Hausaufgabentheater zu Hause – dieser Belastung für die Eltern-Kind-Beziehungen und außerdem sozial ungerecht.
Win-Win-Situation für alle?
Die Kernunterrichtszeit stärker verteilen, auch in den Nachmittag hinein: Wäre das nicht eine Win-Win-Situation für alle? Auch für die Eltern, die dann über weitere Zeiträume ihre Kinder gut betreut wüssten.
Ja, das kostet, löst aber viele Probleme und ist beste Prävention, andere Länder machen es vor. Kommt mit nach Morgen, in eine menschlichere Welt!
Vera Niedermann-Wolf, Rottweil