Besonderer Gottesdienst
: Artistenpfarrer macht Halt am Zirkuszelt in Offenburg

Der katholische Pfarrer Sascha Ellinghaus ist seit 2014 der oberste Hirte für alle Schausteller und Artisten. Weil diese oft nicht in die Kirche kommen können, kommt die Kirche zu ihnen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hält er in Offenburg einen Zirkusgottesdienst.
Von
Jan Boller
Offenburg
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Sascha Ellinghaus (Zweiter von links) hält den Weihnachtsgottesdienst wie im vergangenen Jahr mit dem evangelischen Pastor Norbert Großklaus.

Offenburger Weihnachtscircus

Gottes Wort statt wilder Akrobatik gibt es am 26. Dezember im Zirkuszelt in Offenburg zu bestaunen. Wie bereits in den Jahren zuvor ist Artistenpfarrer Sascha Ellinghaus vom „Offenburger Weihnachtscircus“ eingeladen worden, zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Norbert Großklaus einen ökumenischen Gottesdienst im Zirkuszelt zu halten. Rund 750 Leute waren im vergangenen Jahr anwesend. Ellinghaus gibt zu, dass der Showaspekt eine Rolle spielt, kann aber nichts Schlechtes daran finden: „Wir bieten einen Gottesdienst an für alle, die Gott begegnen und die Botschaft Christi empfangen möchten.“

Der Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag in Offenburg stelle eine Besonderheit dar, weil dabei vorrangig die Gläubigen vor Ort zusammenkämen, um einen Gottesdienst in ungewöhnlicher Atmosphäre zu feiern. Übers Jahr stellt sich Ellinghaus primär in den Dienst seiner Gemeinde, also den Schaustellern, Artisten und Marktleuten. Trotzdem findet der Pfarrer solche Gottesdienste wichtig: „Sie sind eine Verbindung zwischen der Kirche und dem Weltlichen.“

Ellinghaus kam eher zufällig zu seiner Berufung. Er verdankt sie der Bekanntschaft mit dem Gelsenkirchener Weihnachtszirkus Probst. Weil die wussten, dass die katholische Kirche in NRW regionale Mitarbeiter suchte, empfahlen sie Ellinghaus, der bis dahin in einer regulären Pfarrei tätig war. Das war vor fast 22 Jahren, seit 2014 ist Ellinghaus leitend als Nationalseelsorger tätig. Drei nebenamtliche Seelsorger stehen ihm zur Seite, diese haben aber auch eigene, feste Gemeinden zu versorgen.

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Schwarzwälder Bote

Der Seelsorger sieht sich als „ganz normaler Pastor“. Die Arbeit für die Reisenden unterscheide sich prinzipiell nicht sonderlich von der Arbeit „gewöhnlicher“ Pfarrer, vielleicht mit dem Unterschied, dass Ellinghaus etwas mehr Aufwand betreiben muss. So ist er für Hochzeiten, Taufen, Firmungen und Beerdigungen zuständig. Allerdings finden diese oft zeitlich und örtlich versetzt statt.

Während sich Paare gewöhnlich den wetterbeständigen Sommer für ihre Trauung aussuchen, nutzten Zirkusleute vorwiegend die Wintermonate nach dem Weihnachtsgeschäft für ihre Hochzeitsfeste, erzählt Ellinghaus. Demzufolge sei er ab Januar vermehrt unterwegs, um das fahrende Volk zu trauen. Eine Erstkommunion oder Firmung von katholischen Schaustellerkindern könne sich aus Termingründen auch mal um ein paar Jahre nach hinten verschieben oder fänden zu einer anderen Jahreszeit als üblich statt. Und auch ein Autoscooter könne ein Ort für eine Taufe sein. Weniger spontan sieht das naturgemäß bei Beerdigungen aus.

„Zirkuspfarrer“ ist das ganze Jahr unterwegs

Ebenfalls Teil der priesterlichen Arbeit sind die zahlreichen Geschäftssegnungen, denen die Zirkusleute nach wie vor hohe Bedeutung beimessen. Egal, ob Zirkuszelt, Würstchenstand oder Riesenrad – wenn es was neues gibt, gehöre es für viele Artisten und Kaufleute dazu, dass die Neuanschaffung priesterlich geweiht wird. Alleine in diesem Jahr habe er 57 Fahrgeschäfte gesegnet, berichtet Ellinghaus.

Sein Büro hat Ellinghaus in Bonn, allerdings ist er einen Großteil des Jahres im Dienst der katholischen Kirche in ganz Deutschland. Meist nutzt Ellinghaus für seine Reisen einen Ford Transit, der alle notwendigen Gerätschaften beherbergt, die Ellinghaus für seine mobile Kirche braucht: Einen Altar, eine Verstärkeranlage, um sich an allen Orten verständlich machen zu können, die Gewänder und natürlich die Zutaten für die Sakramente. Sogar eine ferngesteuerte Orgel hat Ellinghaus dabei, für den Fall, dass er nicht wie beispielsweise in Offenburg über einen Chor oder sonstige musikalische Untermalung verfügt.

Eine Frage zum Schluss: Gibt es einen Unterschied zwischen seinen Artisten und einer regulären Gemeinde, was den Glauben betrifft? Ellinghaus denkt, „dass Menschen, die von vielen Faktoren abhängig sind, die sie nicht beeinflussen können, offener für den Glauben und das Gebet sind.“ Er habe in all den Jahren eine besondere Zuneigung zu diesen Menschen entwickelt, die sich aller Widrigkeiten zum Trotz, die das unstete Geschäft auf Reisen mit sich bringen, viel Herzenswärme bewahrt hätten. Das sei auch in Offenburg so: „Dort fühle ich mich immer gut empfangen.“

Weihnachtsgottesdienst

Der ökumenische Weihnachtsgottesdienst der katholischen und evangelischen Kirchen in Offenburg ist am 26. Dezember um 11 Uhr im Zirkuszelt am Messeplatz. Mit dabei ist der Chor „Sounds Good“. Einlass ist ab 10.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

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