Architekturpreis: Auf der Suche nach Ortenaus schönsten Häusern

Der Umbau des Burda-Hochhauses in Offenburg wurde bereits ausgezeichnet.
CoenenKehl wird zum Schauplatz für den bedeutendsten Architekturpreis in Baden-Württemberg: Bewerbungsstart für den renommiertesten Architekturpreis. Die mittelbadische Kreisgruppe des Bundes Deutscher Architekten lädt Architekten und Bauherren ein, ihre besten Projekte für die renommierte Hugo-Häring-Auszeichnung einzureichen.
Architektur ist nach der eigenen Haut und der Kleidung die dritte Haut eines Menschen. Ein Leben ohne das sprichwörtliche Dach über dem Kopf ist kaum vorstellbar. Gebäude schützen uns – und im besten Fall inspirieren sie unsere Arbeit und unser Leben.
Genau aus diesem Grund sucht der Bund Deutscher Architekten (BDA) die schönsten Gebäude in Mittelbaden: Die BDA-Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis lobt die Hugo-Häring-Auszeichnung aus. Architekten und Bauherren können ihre Projekte einreichen. Voraussetzung ist, dass die Fertigstellung nicht vor 2021 stattgefunden hat. Preiswürdig ist dabei grundsätzlich alles – von Wohn- über Bürogebäude bis hin zu Fabriken. „Eingereicht werden können Gebäude, Gebäudegruppen, realisierte städtebauliche Anlagen, Ingenieurbauwerke in Baden-Württemberg“, heißt es in der Auslobung.
Gastgeber der Jury ist am 24. und 25. Juli die Stadt Kehl. Baubürgermeister Thomas Wuttke, selbst gelernter Architekt, wurde ins fünfköpfige Preisgericht berufen.
Hugo-Häring-Preis richtet sich nicht ausschließlich an die spektakulären Projekte
„Das ist eine große Ehre für unsere Stadt – und zugleich ein schöner Anlass, Baukultur in der Region sichtbar zu machen“, sagt er. „Kehl liegt im Herzen Europas, direkt an der Grenze zu Straßburg, und wir verstehen das als Einladung an Architekten und Bauherren aus der gesamten Kreisgruppe, ihre besten Arbeiten einzureichen.“ Für Wuttke ist klar: „Gute Architektur ist kein Luxus, sie ist eine kommunale Aufgabe. Sie prägt das Bild unserer Stadt, sie schafft Identität und Heimat für die Menschen, die hier leben. Nach meiner Kenntnis hat die Stadt Kehl bislang noch keinen Hugo-Häring-Preis erhalten. Ich hoffe, dass die Ausrichtung des Preises das Thema Baukultur bei uns präsenter macht – und dass sich das in Zukunft ändert.“
Preis wird seit 1969 verlieren
Der Hugo-Häring-Preis, der seit 1969 vom BDA Landesverband Baden-Württemberg an Architekten und Bauherren gleichermaßen verliehen wird, ist der wichtigste Architekturpreis in diesem Bundesland. Seinen Namen verdankt er dem Architekten und Architekturtheoretiker Hugo Häring (1882 bis 1958), dem bedeutendsten Vertreter des Neuen Bauens, der im heutigen Baden-Württemberg geboren wurde. Mit der Einführung der zweistufigen Auszeichnung ab 1978 erhielt der Preis einen dreijährigen Rhythmus. Anlass war das immer größere Interesse. Wurden 1969 nur 80 Arbeiten eingereicht, waren es 1978 bereits 150 (im Jahr 2014 bereits 719).
Dem Wettbewerb auf Ebene der 15 Kreisgruppen folgt seitdem ein Jahr später der Landesentscheid. Die Preisträger auf Kreisebene nehmen dann am Landesentscheid um den Hugo-Häring-Landespreis teil. In Fachkreisen werden diese Preise als „kleiner und großer Hugo“ bezeichnet. Vor drei Jahren wurden in Mittelbaden elf Gebäude ausgezeichnet, eine ungewöhnlich hohe Zahl.
„Das Verfahren ist ein strenger Gradmesser für die Qualität der aktuellen regionalen Planungs- und Bautätigkeit“, erklärt der BDA-Kreisvorsitzende Gunnar Lehmann (Offenburg). „Eine Teilnahme erfordert sowohl von der Bauherrschaft als auch von den Planenden Mut, Kritikfähigkeit und – unabhängig von der Baukonjunktur – das Bewusstsein für die kontinuierliche Reflexion des eigenen Handelns. Eine Auszeichnung versteht sich dabei als besondere Anerkennung für einen wertvollen Beitrag zur Baukultur als öffentlichem Gut.“
Burda-Hochhaus bereits ausgezeichnet
Der Hugo-Häring-Preis richtet sich nicht ausschließlich an die spektakulären Projekte in den Großstädten, die üblicherweise im Fokus des öffentlichen Interesses stehen. Die Kreisgruppen des BDA liegen zum Teil abseits der großen Ballungsräume, so auch die mittelbadische Kreisgruppe, die den Landkreis Rastatt, den Stadtkreis Baden-Baden und den Ortenaukreis umfasst. In Mittelbaden wurden in den vergangenen fast sechs Jahrzehnten zahlreiche Objekte ausgezeichnet. Hier nur einige Beispiele, an denen die meisten Menschen in Mittelbaden zumindest mal vorbeigefahren sind: in Iffezheim die Rheinstaustufe (Claus Möckel und Norbert Schmidt), in Baden-Baden die Caracalla-Therme (Hans-Dieter Hecker) oder in Offenburg der Umbau des Burda-Hochhauses (Ingenhoven, Overdieck und Partner). „Ich bin mir sicher, dass im Gebiet der Kreisgruppe in den vergangenen fünf Jahren ein breites Spektrum beispielhafter öffentlicher und privater Projekte realisiert wurde“, so Lehmann. „Unabhängig von einer möglichen Auszeichnung leistet jedes eingereichte Projekt einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Baukultur.“
Anmeldung
Anmeldungen für den Wettbewerb sind ausschließlich online ab dem 1. April möglich. Einreichungsschluss ist der 31. Mai. Anmeldungen unter www.hugo-häring-preis.de.