120 Retter üben „Massenanfall“: Ortenau-Klinikum ist für den Katastrophenfall bereit

Eine realistische Übungssituation: Rettungssanitäter liefern eine „Verletzte“ in das Ortenau- Klinikum in Offenburg ein.
Ortenau-KlinikumIn schneller Abfolge treffen Verletzte in der Zentralen Notaufnahme des Ortenau-Klinikums in Offenburg am Ebertplatz ein. Teilweise schwer verletzte Patienten werden eilig in den Schockraum der Notaufnahme gebracht. Nach einer digitalen Alarmierung kommt die Klinikeinsatzleitung im Krisenstab zusammen. Was wie ein realistisches Schadensereignis mit vielen Verletzten aussieht, ist glücklicherweise nur eine Übung: Einsatzkräfte aus dem Ortenau-Klinikum Offenburg-Kehl und dem DRK-Kreisverband Ortenau haben einen sogenannten Massenanfall von Verletzten im Ortenau-Klinikum in Offenburg geübt. Rund 80 Beschäftigte der Klinik und 40 Einsatzkräfte des DRK, darunter 21 Verletztendarsteller, waren im Einsatz, informiert das Ortenau-Klinikum in einer Mitteilung.
Der Übung lag ein realistisches Szenario zugrunde. Ausgegangen wurde von einem Pkw, der nach einem Schwächeanfall seines Fahrers ungebremst in ein Straßencafé auf dem Lindenplatz in Offenburg rast. An der Unfallstelle gibt es rund 20 Verletzte und Schwerverletzte, die nach einer Erstversorgung in das Ortenau-Klinikum am Ebertplatz eingeliefert werden.
Die Übung dauerte rund 90 Minuten
„Ein Massenanfall von Verletzten (MANV, siehe Info) bedeutet nicht nur für den Rettungsdienst, sondern auch für Kliniken, insbesondere die Notaufnahmen, eine erhebliche Herausforderung“, so Bernhard Gorißen, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin am Ortenau-Klinikum Offenburg-Kehl und Leiter des Netzwerks Ortenauer Notaufnahmen. In kürzester Zeit müssten die Abläufe und Ressourcen der Klinik an die Versorgung einer großen Zahl an Verletzten angepasst werden, heißt es weiter.
„An der Übung wurden erstmals alle im Alarm- und Einsatzplan der Klinik vorgesehenen Kräfte beteiligt“, berichtete Peter Sutterer, Chefarzt des Departments Notfallmedizin, der mit Gorißen auch für die Organisation der Übung verantwortlich war. „Heute sollen alle Zahnräder ineinandergreifen. Wir machen ein einmaliges Experiment“, so Sutterer bei einer kurzen Einführung in die Übung.
Rund 90 Minuten arbeiteten dann die Einsatzkräfte und die Klinikeinsatzleitung die Übungssituation und die Eingaben der Übungsleitung ab, versorgten die „Verletzten“, verstärkten das Personal der Klinik, schufen erweiterte OP-Kapazitäten und planten die notwendigen Ressourcen für die kommenden Stunden und den nächsten Tag. Sicherheitsingenieur Professor Dominic Gißler, der die Übung als externer Beobachter begleitete, bescheinigte nach Übungsende den Teams in der Telefonzentrale, der Zentralen Notaufnahme, in den Behandlungsbereichen und dem Zentral-OP eine routinierte Vorgehensweise. „Die gewählten Lösungsansätze gehen in die richtige Richtung“, so Professor Gißler mit Bezug auf die Arbeit der Klinikeinsatzleitung. Eine Nachbesprechung wird dazu dienen, die Erfahrungen und Ergebnisse der Übung im Detail zu reflektieren, so das Ortenau-Klinikum weiter.
Klinikdirektor Mathias Halsinger danke allen Beteiligten für die Vorbereitung und Realisierung der Übung. „Solche Übungen sind sehr wichtig, damit wir im Ernstfall gut vorbereitet sind. Es ist beruhigend zu wissen, dass wir uns auf eine so engagierte und fähige Mannschaft verlassen können“, betonte Halsinger.
Das ist ein MANV
Der Massenanfall von Verletzten (MANV) bezeichnet eine Situation, bei der eine große Zahl von Verletzten oder Erkrankten versorgt werden muss.Dabei kommt der reguläre Rettungsdienst einer Region sehr schnell an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Typisch ist laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Überforderung der ersteintreffenden Retter, die sich erheblichen medizinischen und organisatorischen Anforderungen gegenübersehen. Weitere Infos im Netz unter www.bbk.bund.de.