Institut fordert Förderung vom Bund: Für viele Ortenauer bleibt der Traum von Eigentum unerfüllt

Damit auch Durchschnittsverdiener im Ortenaukreis sich wieder Eigentum leisten können, soll der Bund eine „Haus-Förderung“ schaffen. Das fordern Branchenverbände.
stock.adobeVom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung – im Ortenaukreis gibt es rund 108 200 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss. Denn ihre Eigentümer nutzen sie selbst. 35 Prozent davon leben in einer Eigentumswohnung. Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Analyse hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel gemacht hat.
Die Wissenschaftler ermittelten dabei für den Ortenaukreis eine Wohneigentumsquote von 52,2 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Quote bei 43,5 Prozent. „Damit ist Deutschland ein ‚Mieter-Land‘ und landet beim Ranking zum Wohneigentum im Europa-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
„Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther. Rund 87 800 Menschen dieser Altersgruppe leben nach Angaben des Pestel-Instituts aktuell im Ortenaukreis. Immer mehr von ihnen seien allerdings gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, sagt Günther.
Wer sich Eigentum anschaffen möchte, muss den Gürtel enger schnallen
Es fehle an staatlicher Unterstützung, kritisiert der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel: „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger.
Wer Wohneigentum anschaffen wolle, müsse in die Lage versetzt werden, dies auch mit nur wenig Eigenkapital zu schaffen. „Das bedeutet dann aber auch, den Gürtel enger zu schnallen. Von Urlaubsreisen bis zum Autokauf: Wer Wohneigentum will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen, lebt dann aber auch für Jahrzehnte in den eigenen vier Wänden und zahlt keine Miete mehr“, so Metzger.
An die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Ortenaukreis und ganz Baden-Württemberg appelliert Metzger, Wort zu halten: „Im Koalitionsvertrag steht klipp und klar, dass Wohneigentum gefördert werden soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Passiere nichts, gehe die Hängepartie weiter: „Alle warten auf Unterstützung vom Bund. Solange die nicht kommt, liegt der Traum von den eigenen vier Wänden weiterhin auf Eis“, so Metzger.
Dass besonders im Ortenaukreis besonders viel Geld für Eigentum auf den Tisch gelegt werden muss, wird bei einer Marktanalyse des Internetportals „Immoscout24“ aus dem Jahr 2025 deutlich. Demnach liegt die Ortenau im Preisvergleich im Schwarzwald auf dem zweiten Platz hinter Lörrach. Demnach liegt hier der Preis pro Quadratmeter für Wohnungen bei 2863 Euro, für Häuser bei 3071 Euro.