Seltener 98k-Karabiner
: Oberndorfer Waffenmuseum ist um ein rares Mauser-Objekt reicher

Die Versuche 1937 liefen nicht zufriedenstellend. So wurden nur wenige Kunststoffschäfte gefertigt. Entsprechend rar ist das neue alte Stück im Oberndorfer Schwedenbau.
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(red/pm)
Oberndorf
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Mauser-Experte und Waffensachverständiger Christian Sonntag (Mitte) stellt die Neuanschaffung aus einer Mauser-Versuchsserie Museumsleiter Simon Zimmermann (und Bürgermeister Matthias Winter vor.

Museum

Das Waffenmuseum der Stadt Oberndorf am Neckar hat ein außergewöhnlich seltenes historisches Exponat für seine Sammlung gewinnen können. Über einen privaten Vermittler konnte das Museum einen experimentellen Kunststoffschaft für den Karabiner 98k aus der Vorkriegszeit erwerben.

Das Stück stammt aus Versuchen der Firma Mauser aus den 1930er-Jahren, bei denen erstmals alternative Materialien für Waffenschäfte getestet wurden. Über Jahrhunderte waren Schäfte traditionell aus Holz gefertigt. Dieses Material war zwar leicht verfügbar, brachte jedoch zahlreiche Nachteile mit sich – etwa aufwendige Vorbehandlungen, einen hohen Ausschuss durch Materialfehler sowie eine begrenzte Witterungsbeständigkeit.

Innovation auf dem Prüfstand

Im Mauser-Zweigwerk Berlin-Borsigwalde experimentierten Ingenieure deshalb mit dem damals neuartigen Kunstharz Bakelit. In Form gepresst und mit Faserbahnen sowie Drahtgewebe verstärkt, entstand eine kleine Serie von Kunststoffschäften für den Karabiner 98k. Das Material besitzt eine bräunliche Färbung, die auf den ersten Blick an lasiertes Holz erinnert. Erst bei genauerem Hinsehen werden die charakteristische glatte Oberfläche und die gepunktete Struktur sichtbar.

Beim Pressvorgang des Bakelits haben sich Verwerfungen und Überlappungen gebildet, gut erkennbar an den Wellenlinien.

Foto: Museum

Die Versuche konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Bakelit erwies sich für den praktischen Einsatz als ungeeignet, sodass das Projekt wieder eingestellt wurde. Von diesem Experiment sind heute weltweit nur noch 19 Exemplare bekannt.

„Anschaulich vermitteln“

Mit dem nun erworbenen Stück besitzt das Waffenmuseum das bislang älteste bekannte Exemplar dieser Versuchsreihe.

Der Ankauf wurde durch den Waffensachverständigen und Mauser-Experten Christian Sonntag aus Karlsruhe vermittelt. Bei einem Pressetermin im historischen Schwedenbau übergab er das Exponat symbolisch an Bürgermeister Matthias Winter und Museumsleiter Simon Zimmermann.

„Dieses Stück dokumentiert eindrucksvoll den Innovationsgeist der Oberndorfer Waffenindustrie“, betonte Bürgermeister Matthias Winter bei der Übergabe. „Es zeigt, wie intensiv bereits vor fast 100 Jahren an neuen Materialien und Fertigungstechniken geforscht wurde.“

Auch Museumsleiter Simon Zimmermann sieht in dem Neuzugang eine wichtige Ergänzung der Sammlung: „Solche seltenen Objekte helfen uns, technologische Entwicklungen und industrielle Geschichte anschaulich zu vermitteln.“ Das Museum lebt auch vom Engagement privater Sammlerinnen und Sammler, die historische Stücke zur Verfügung stellen oder deren Erwerb ermöglichen.

Das Museum

Waffenmuseum und das städtisches Archiv
bilden gemeinsam das historische Dokumentations- und Forschungszentrum der Stadt Oberndorf. Im historischen Schwedenbau – einem industriellen Zweckbau für Waffenherstellung aus dem 19. Jahrhundert – werden die über 200 Jahre währende Geschichte der örtlichen Waffentechnik und deren Entwicklung seit 1811 dokumentiert.

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