Schiltach
: In der Askese Ruhe vor dem Leiden finden

Künstlertum: Außer der Malerei hat sich Rolf Storz auch der Philosophie zugewandt
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Von Johannes Fritsche
Oberndorf
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Rolf Storz ist gebürtiger Schramberger. Fotos: Fritsche

Schwarzwälder-Bote

Der in Vorderlehengericht lebende Künstler Rolf Storz widmet sich mittlerweile nicht nur der Malerei, sondern hat auch seinen ganz eigenen Zugang zur Philosophie gefunden.

Schiltach. Mit der Kunst ist Rolf Storz "noch nicht fertig". Nach wie vor malt er, doch neben der Kunst ist ihm anders als in jungen Jahren die Philosophie immer wichtiger geworden. Vor allem die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens treibt ihn um. "Wie die Kunst ist die Philosophie eine einsame Sache. Alleine unterwegs, sucht man eine Antwort", stellt Storz fest. Die Philosophie sieht er eher im Makrokosmos, die Kunst eher im Mikrokosmos, im privaten Bereich des Subjektiven, der Gefühle verortet.

Sich von Gier, Hass und Leiden fernhalten

"Zum Raum der Kunst ist der Raum der Philosophie hinzugekommen", erläutert er. Heute bewege er sich zwischen beiden Räumen, beschäftige sich mit den Fragestellungen anderer zur Philosophie und mache sich seine eigenen Gedanken. "Ich schreibe nichts davon auf, habe es aber im Gespräch mit anderen parat", erklärt Storz. Er ist offen für einen Austausch mit jemandem, der ähnlich gelagert ist.

Zur Philosophie ist Storz durch die Auseinandersetzung mit der Askese gekommen. Askese im Sinne von "sich von Gier, Hass, Leiden und Selbstherrlichkeit fernzuhalten". Oder anders formuliert: "Ungesunde Bedürfnisse beschränken und im frei werdenden inneren Raum sich selbst erkennen".

Auf die Askese im Sinne von Bedürfnislosigkeit wiederum ist Storz durch eine sehr persönliche Schlüsselerfahrung gestoßen worden. Schon einmal hatte es einen vergleichbaren Umbruch in seinem Leben gegeben, als ihn die Arbeit an einem Porträt in eine Schaffenskrise warf. Zigmal versuchte er, ein Auge der Person so zu malen, wie er es empfand. "Ich kämpfte regelrecht damit", erzählt er im Nachhinein. Es gelang einfach nicht so, dass er zufrieden war. "Ich kam an die Grenzen, diese Ausdrucksform war gesättigt".

"In der Tiefe war schon alles gerichtet"

In diesem Augenblick packte es ihn plötzlich. Aus einem inneren Impuls heraus malte er auf der Leinwand einfach drauf los. Löste so die große innere Spannung, in die ihn die Arbeit an dem Auge gebracht hatte. "In der Tiefe war schon alles gerichtet, im Innern war schon alles so weit gereift, dass ich mich ohne Zwang von der Gegenständlichkeit lösen konnte." Ab dann widmete er sich der autonomen, gegenstandslosen Malerei.

"Mit ihr habe ich bis heute meine malerische Identität gefunden, ich bin der Resonanzkörper meiner Bilder", erklärt Storz. Ob und wie sich die Beschäftigung mit der Philosophie vielleicht auf sein künstlerisches Schaffen auswirken, obwohl er beide in verschiedenen Räumen sieht, ist eine spannende Frage für alle, die seine Kunst schätzen.

Rolf Storz, ein gebürtiger Schramberger des Jahrgangs 1956, ist seit 1987 freischaffender Künstler. Er lebt und arbeitet seit 1982 in Schiltach. Bis 1987 hatte er als Gärtner bei der Stadt Schramberg gearbeitet, "um sich zu sammeln", bevor er sich ganz der Kunst widmete. Den Anstoß und den Mut, Künstler zu werden, hatte ihm als Schüler am Gymnasium der Kunsterzieher Franz Krisch (1915 bis 1978) gegeben. Der habe mit dem einfachen Lob "des hascht gut gemacht" seinen Lebensweg entschieden. Storz und seine Mitschüler hatten ein Bild von "Godzilla" malen müssen.

Damit wurde für den jungen Schüler die Kunst zum "Identitätsfach". In seiner ersten Werkphase entstanden vor allem Portraits, aber auch Landschaftsbilder, bevor er sich der gegenstandslosen Malerei widmete. Stets hat ihn bei seiner schöpferischen Arbeit die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus begleitet und ihn schließlich auch dazu gebracht, einen prämierten Entwurf für das Holocaust-Mahnmal in Berlin zur erstellen.

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