Projekt in Oberndorf: Hinter Gittern entstehen frische Beats

Danny Fresh hat sein Equipment auch in Oberndorf für einen Rap-Workshop aufgebaut.
JVA RottweilArbeitstherapie, Soziales-Kompetenz-Training und anschließend Hofgang? Von wegen: Neulich gab es einen besonderen Tag im Oberndorfer Gefängnis.
Da konnte von normalem Therapiealltag in der Außenstelle Oberndorf der Justizvollzugsanstalt Rottweil keine Rede sein. Hier durchlaufen bereits seit knapp zehn Jahren jugendliche Straftäter mit Abhängigkeitserkrankung eine mehrmonatige Suchttherapie, die sie auf dem Weg zurück in ein straf- und drogenfreies Leben unterstützen soll.
Brainstormen, Reimen und Rappen
Statt des regulären Programms hieß es nun jedoch: Brainstormen, Reimen und Rappen. Denn der für seine zahlreichen Workshops in Schulen und Justizvollzugsanstalten bekannte Musiker Danny Fresh (mit bürgerlichem Namen: Daniel Ohler), studierter „Educating Artist“ und bekannt auch durch die RTL-Fernsehshow „Prison Tapes“, baute sein mobiles Tonstudio nun auch in der JVA Rottweil, Außenstelle Oberndorf auf.
Viele träumen von der Karriere im Musik-Business
Viele der Strafgefangenen in Oberndorf teilen den jugendtypischen Wunsch von einer großen Karriere im Musik-Business. Sie schreiben auf ihrer Zelle eigene Texte, rappen ihren Mitgefangenen vor, haben ansonsten aber keine technischen Möglichkeiten dazu, ihr Hobby auszuleben: Laptops, Mikrofone, Internet – dazu haben Gefangene im geschlossenen Justizvollzug keinen Zugang.
Gute Suchttherapie hat unterschiedliche Aspekte
Gleichzeitig gehört die Förderung einer aktiven und sinnvollen Freizeitgestaltung zu jeder guten Suchttherapie dazu. Nur wenn die Jugendlichen ihre Zeit später einmal konstruktiv nutzen und auf legale Weise lernen, Spaß zu haben, werden sie sich ihr Ziel einer drogen- und straffreien Zukunft erfüllen können.
Mit großem Interesse wurde Danny Fresh daher in Oberndorf empfangen. Nach einer kurzen Einführung in das Equipment eines Tonstudios, in die Technik des Recordings und ins musikalische Handwerkszeug – also Takte, Rhythmus, Flow – wurde es direkt praktisch.
Gefangene kreieren gemeinsam neuen Beat
Gemeinsam kreierten die Gefangenen unter lässig-fachmännischer Anleitung durch Danny Fresh einen ganz neuen und eigenen Beat, wozu sie sich nacheinander sogar selbst an den Laptop und das Mischpult des Profis setzen durften. Berührungsängste: Fehlanzeige! Im Anschluss folgte die inhaltliche Arbeit des Songwritings.
Ohne Gangster-Stereotype
Dabei machte Danny Fresh eindrucksvoll an seinen eigenen Texten vor: Es braucht für einen guten Rap-Song keine klassischen Gangster-Stereotype, wie beispielsweise Gewalt- oder Drogenverherrlichung. Eine persönliche Botschaft, kluge Reime und authentische Nahbarkeit sprechen das Publikum viel eher an.
Schließlich folgte am Nachmittag das Highlight: Einzeln nacheinander traten die Gefangenen selbst ans Mikrofon, rappten ihre zuvor formulierten Zeilen und spürten die Überwindung und später das Erfolgserlebnis, sich aus der eigenen Komfortzone hinausgewagt zu haben – ein echter Selbstwert-Boost!
Auch für Profis ist der Job kein Zuckerschlecken
Was für die Gefangenen bleibt, sind wertvolle Erfahrungen, einen eigenen künstlerisch-kreativen Ausdruck gefunden zu haben. Und es bleibt die Erkenntnis, dass selbst für studierte Profis wie Danny Fresh das Business kein Zuckerschlecken ist, sondern nur durch harte Arbeit, Disziplin und Durchhaltevermögen Erfolge erzielt werden können – eine Botschaft, die sich gut auch auf das ganze Leben übertragen lässt.