Oberndorf a. N.: Ein Mensch, der in die Tiefen vorzudringen wusste

Pfarrer Bernhard Rapp (Mitte) Foto: Holzer
Schwarzwälder-BoteVon Claudia Holzer-Rohrer Oberndorf. "Nicht uns selbst verkünden wir, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Diener um Jesu willen", dieser Primizspruch war der rote Faden durch das Leben des Priesters Bernhard Rapp. Diesen Worten hat der Verstorbene durch sein seelsorgerisches Wirken Gestalt gegeben.
Pfarrer zu werden war schon von Kindheit an sein innigster Wunsch, den er so intensiv lebte, dass er in all den vielfältigen Bereichen seiner Aufgaben immer spürbar blieb. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen – dem Leiter der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Albrecht Zepf – hatte sich der Verstorbene um das Pilotprojekt "Seelsorgeeinheit Oberndorf" beworben. Eine mutige Entscheidung und Herausforderung, als erstes Team in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Neuland zu beackern.
Dass nun innerhalb von 13 Jahren diese Probe in der Praxis zum Erfolgsmodell Seelsorgeeinheit Oberndorf werden konnte, daran hatte Pfarrer Bernhard Rapp maßgeblichen Anteil. Im Leitungsteam war er – neben der Aus- und Weiterbildung von Wortgottesdienstleitern, Lektoren und Kommunionhelfern, der Erstellung der Lied- und Gottesdienstpläne – zuständig für die Liturgiegestaltung, eine seiner herausragenden Eigenschaften. Über das Wort, den Gesang und die Musik hinaus legte er großen Wert auf die Symbolik und Gestaltungselemente.
Spuren hinterlässt Pfarrer auch bei Wallfahrern
Für die Seelsorgeeinheit war Pfarrer Rapp ein Mensch, der in die Tiefen vorzudringen wusste, der nie aufgab, den Menschen auf die Spur des Glaubens zu helfen. Dafür hatte er sehr viele Visionen und Ideen, die er akribisch und mit viel Perfektionismus umsetzte.
So hat er das Jahresthema eingeführt, den Adventsweg gestaltet, die Verkündigungskrippe nahegebracht und das Christbaumsingen mit textlicher Vertiefung ins Leben gerufen. Zudem hat der Priester die Miniaturausgaben der Osterkerzen veranlasst, damit das österliche Licht die Menschen im Alltag wärme. Unvergesslich dürften auch die "Tage der Seelsorgeeinheit" bleiben.
Als Bernhard Rapp zur Jahrtausendwende den Neujahrsgottesdienst in der Klosterkirche aus der Taufe hob, wollte er nicht nur in der Ökumene ein Zeichen setzen, sondern die bürgerliche Gemeinde zu einem aktiven Miteinander inspirieren. In der Kommunionvorbereitung ist er mit Eltern und Kindern neue Wege gegangen, er verstand es, die Narren in die Kirche zu holen, setzte bei Cäcilienfeiern bewegende Akzente und Ministrantenaufnahmen und -ehrungen wies er stets einen besonderen Stellenwert zu.
Spuren hinterlässt Pfarrer Rapp laut der Seelsorgeeinheit auch bei den vielen Wallfahrern, die mit ihm "mit allen Sinnen" unterwegs waren. Profundes Wissen, klare Ansagen und Stellungnahmen, ein großes Maß an Individualität und hohe Ansprüche an sich selbst – das seien prägende Merkmale seiner Persönlichkeit gewesen, die ihn auch immer wieder auf Widerstände treffen ließen.
So hat er als "Diener um Jesu willen" auch seine Grenzen erfahren in einer "Kirche im Umbruch" – doch unbeirrt seine Ziele verfolgt, getreu dem Motto: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte". Er verstand es, als Prediger Augen, Mund, Ohren und Herzen zu öffnen für das Evangelium, und nie wurde er müde, Menschen für ein kirchliches Ehrenamt zu gewinnen.
Die Krankheit konnte ihn lange Zeit nicht hindern, am Entwicklungsmodell Seelsorgeeinheit und an einer Kirche der Zukunft weiter zu bauen; und so kann auch sein Tod die Spuren nicht verwischen, die er gelegt hat in der Gemeindegestaltung – insbesondere in Bochingen und Hochmössingen, die er als örtlicher Begleiter in die Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit geführt hat.
Das Requiem für Pfarrer Bernhard Rapp mit anschließender Beerdigung ist am morgigen Freitag ab 14 Uhr in St. Otmar, Hochmössingen.