Oberndorf a. N.: 20 Jahre leben mit einem Spenderherz

helmut Krürger auf seinem Liegerad. Foto: Krüger
Schwarzwälder Bote"Der lässt sich nicht unterkriegen" – das ist manchmal schnell über einen Menschen gesagt. Aber selten trifft dieser Satz auf jemanden so zu wie auf Helmut Krüger.
Oberndorf-Aistaig. Der inzwischen fast 80-jährige Aistaiger und geborener Balinger hat mehr als einen Schicksalschlag im Leben weggesteckt, ist wieder auferstanden, hat sich am seidenen Faden hochgeangelt, und heute widmet er sich seinen neuen Hobbys, Radfahren Dreirad-E-Bikes, Modellbau und Modellfliegen.
Am 4. Juni 1999 wird Helmut Krüger ein Spenderherz eingesetzt. Und es dauert nicht lange, da wendet er sich wieder seinem größten Vergnügen zu – dem Sport. Schon in der Kindheit hat er in Balingen Fußball gespielt und t Leichtathletik bei der TSG betrieben. Er war fast 40 Jahre Skilehrer bei der Skischule Oberndorf, Ski-Renntrainer für die Skijugend, aktiver Tennisspieler, jahrelang Mannschaftführer, 25 Jahre Tennis-Trainer beim Tennisclub Oberndorf, ist Nordic-Walking-Trainer beim Deutschen Walking-Institut Karlsruhe /Bad Dürrheim, war Fußballspieler und trieb Leichtathletik. Alles neben seinem Beruf. Nach seiner Bundeswehrzeit bei den Gebirgsjäger fing Krüger als gelernter Schriftsetzer 1963 beim Schwarzwälder Boten an. Später war er dort mehr als 15 Jahre Geschäftsstellenleiter in Oberndorf. Bis ihm eine schwere Herzerkrankung zwang, seine berufliche Tätigkeit 1998 aufzugeben.
"Dem Sport verdanke ich viel, vor allem eine hohe Lebensqualität seit der Herztransplantation." Deshalb ist es ihm wichtig, seine Mitmenschen über die Notwendigkeit der Organspende zu informieren. Viele Podiumsgespräche, Fernseh- und Rundfunkauftritte, Vorträge in Berufsschulen und Betrieben, in Uni-Kliniken, bei Landesgartenschauen sowie bei DRK-Ortsvereinen hat Krüger schon veranstaltet.
Auch deshalb, weil sein Zwillingsbruder Gerhard wenige Stunden nach der Transplantation Helmut Krügers gestorben ist. Sein Zwillingsbruder hatte 18 Monate auf eine rettendes Herztransplantation gewartet. Ein schwerer Schicksalsschlag für Helmut Krüger. Viele Jahre hat er darunter gelitten.
Der vor seiner Transplantation so agile Mensch betrieb seine Hobbys weiter mit viel Enthusiasmus und Ehrgeiz. Krüger wurde 2000 in die Nationalmannschaft des DSVO (Deutsche Sportvereinigung für Organtransplantierte) berufen. Bei den Winter-World-Transplan –Games 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 fuhr Helmut Krüger beim Super-G, Riesenslalom und Slalom von einem Sieg zu Sieg. Siebenfacher Ski-Weltmeister und sechsfacher Ski-Europameister wird er in dieser Sportart. 2004 wird er Ski-Weltcupsieger. Krüger wurde Tennisweltmeister Herren-Einzel (H 50) Bronzemedaillengewinner bei der Weltmeisterschaft der Sommer–World-Games in Nancy/Frankreich, 2003 Deutscher Meister im Herren Einzel (H 50), 2004 deutscher Vizemeister im Herren Einzel, Deutscher Tennisvizemeister im Doppel, Deutscher Vizemeister im Mixes-Doppel und holte auch Titel in der Leichtathletik.
Weiterer Schicksalschlag
Ein schwerer Verkehrsunfall reißt Helmut Krüger im Jahre 2005 erneut aus dem Leben. Bei einem unverschuldeten Zusammenstoß hatte ihn ein Autofahrer auf seinem Motorroller übersehen. Er war lebensgefährlich verletzt, lag viele Tage im Koma. Diagnose: Beckenquerbruch, innere Verletzungen. Es folgen mehrere Operationen. Er verbringt fast sechs Monate in Kliniken und muss nach mehreren OPs ein Jahr im Rollstuhl verbringen.
15 Monate später folgt eine zweite Hüftgelenkoperation. Das bedeutet: wieder Monate im Rollstuhl und wieder mühsam laufen lernen. Vom Rollstuhl schafft Helmut Krüger mit eisernem Willen und Optimismus schließlich den Umstieg auf zwei Krücken – bis heute. Mit dem Sport war es jedoch vorbei, sein Segel-Boot musste er verkaufen.
Eine schwere Abstoßungsreaktion und seines Körpers gegen sein Spenderherz zwingt Krüger wieder aufs Krankenlager zurück. Erneut kämpfen die Ärzte im Herzzentrum Krozingen tagelang um sein Leben. Seine Nieren versagen und haben sich nicht wieder erholt. Sie sind so stark geschädigt, dass Krüger drei Mal in der Woche 4,5 Stunden zur Dialyse muss.
Doch er hat neuen Lebensmut gefasst. Er baut jetzt Modell-Autos und -Segelschiffe ferngesteuert und funktionsfähig. Im Untergeschoss seines Hauses in Aistaig hat er seine Werkstatt so eingerichtet, dass er sich problemlos mit seinen Krücken bewegen kann. Nach dem Unfall wurde Krüger oft von Albträumen und Depressionen geplagt. "Das Basteln war für mich eine gute Therapie", sagt er.
Doch benötig Helmut Krüger bei seinem Flugmodellhobby auch Hilfe. Seine Frau legt ihm die Flugzeuge samt Fernbedienung ins Auto. "Meistens ist schon einer meiner Flugkameraden da", erzählt er. "Und sie helfen mir beim Aufbauen. Die Kameradschaft ist toll."
Für den Winter hat sich Krüger zwei Pistenraupen gebastelt – mit Pflug. So räumt er im Winter vom Klappstuhl aus den Schnee weg. Ein weiteres Hobby betreibt Helmut Krüger zusammen mit seiner Frau – der größten Stütze in seinem Leben: das Radfahren. Krüger hat sich vor fünf Jahren ein Dreirad-E-Bike (Liegerad) gekauft, seine Frau ein normales E-Bike. Mehr als 50 Radtouren im Jahr mit je 50 bis 70 Kilometern fahren die Beiden. "Man braucht eine Lebenseinstellung, und mein Herz ist mir schon lange nicht mehr fremd", sagt Krüger
Er genießt sein Leben und kämpft weiter für die Organspende unter dem Motto "Organspende rettet Leben". Organspendeausweise und Info gibt es bei allen Ärzten, Apotheken, Krankenhäuser und bei Helmut Krüger direkt unter he-krüger@t-online.de