Lesung in Oberndorf: Madeleine Harder liest aus Debütroman

Madeleine Harder liest aus ihrem Buch.
JaburgDie junge Autorin Madelaine Harder, die aus Dornhan stammt, las aus ihrem Debütroman „Supposed to be Loved“, der im Dezember 2023 erschienen ist. Obwohl es erst ihre zweite öffentliche Lesung war, überzeugte sie mit Authentizität, Charme und ihrer spürbaren Leidenschaft für Sprache und Geschichten. Inzwischen hat sie bereits zehn Bücher veröffentlicht – darunter zwei Kurzgeschichten – und ist definitiv ein Geheimtipp in der Selfpublisher-Szene.
Harder, die seit zehn Jahren bei einer Drogeriekette in Oberndorf arbeitet und somit vielen Oberndorfern ein vertrautes Gesicht ist, bezeichnet sich selbst als „Dorfkind“ – bodenständig, heimatverbunden und zugleich mit einer blühenden Fantasie gesegnet. Schon früh begann sie zu lesen und zu schreiben – irgendwann reichte es ihr nicht mehr, nur fremde Welten zu betreten: Sie wollte eigene erschaffen.
Trotz des Regens wurde der Empfang noch im tollen Garten abgehalten – anschließend zog man sich auf den stimmungsvoll ausgebauten Dachboden zurück, der sich als perfekter Lesungsort mit wunderbarer Akustik erwies. Der prasselnde Regen auf den Dachfenstern unterstrich die Atmosphäre zusätzlich.
Emotionen und Machtgefälle
Der Roman, den sie an diesem Abend vorstellte, spielt in der amerikanischen High Society der Gegenwart, fühlt sich jedoch in Teilen fast mittelalterlich an.
Die junge Hauptfigur June steht unter starkem gesellschaftlichem Druck – eine Geschichte voller Abgründe, Emotionen und Machtgefälle. Trotz der modernen Sprache webt Harder immer wieder alte Begriffe ein, die dem Text eine besondere Tiefe verleihen.
Besonders eindrucksvoll war die Szene, in der June einen Champagnerturm umstößt – das Publikum konnte den Moment geradezu fühlen: den Klang der Gläser, die peinliche Stille im Raum, die wachsende Beklommenheit.
Die Lesung war in zwei Hälften gegliedert, unterbrochen von einer kurzen Pause mit liebevoll zubereitetem Fingerfood und Getränken im stilvollen Ambiente des Hauses.
In der zweiten Hälfte der Lesung wurde es intensiver – Dark Romance eben. Themen wie toxische Beziehungen und emotionale Abhängigkeiten traten in den Vordergrund. Dabei verstand es die Autorin meisterhaft, die innere Zerrissenheit und Sehnsucht ihrer Protagonistin erlebbar zu machen.
Ein Satz blieb besonders hängen: „Man könnte meinen, es gäbe eine einfache Lösung – aber wie im echten Leben ist es oft nicht so leicht, wie es scheint.“
Bücher – keine Massenware
In der anschließenden Fragerunde zeigte sich Harder offen und reflektiert. Ihre Wortgewandtheit führt sie auf ihre Lesebegeisterung in der Kindheit zurück – besonders historische Romane hätten sie geprägt. Sie betont, dass ihre Bücher keine Massenware seien, sondern Literatur, über die man nachdenken müsse.
Trotz eines fordernden Alltags mit zwei Kindern, einem Beruf und dem Schreiben, gelingt ihr diese Arbeit durch klare Strukturen, viel Disziplin – und einen unterstützenden Partner.
Auf die Frage, ob sie beim Schreiben schon das Ende ihrer Romane kenne, antwortete sie: „Ich lerne meine Figuren beim Schreiben erst richtig kennen. Sie entwickeln sich – und das beeinflusst die Geschichte.“