Entsetzen in Oberndorf
: Sexueller Missbrauch durch Pfarrer - Kirche will Fälle aufarbeiten

Die Diözese will über die Vorwürfe gegen den vor Jahren verstorbenen Oberndorfer Pfarrer Bernhard Rapp informieren – und auch eigene Haltung transparent machen.
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(red/pm)
Oberndorf
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Zahlreich sind die Menschen der Einladung zum Informationsabend ins Don-Bosco-Haus gefolgt.

Schwer

Große Betroffenheit herrschte im vollen Saal des Don-Bosco-Hauses auf die Einladung zu einer „öffentlichen Informationsveranstaltung“ hin, auf die in den Gottesdiensten am Sonntag zuvor in den katholischen Kirchen der Seelsorgeeinheit und auch in der Presse hingewiesen worden war.

Vor einiger Zeit, hieß es dort, sei bekannt geworden, dass es gegen Pfarrer Bernhard Rapp, der in den Jahren 1999 bis 2012 in der Seelsorgeeinheit Raum Oberndorf tätig war, Vorwürfe sexuellen Missbrauchs aus dessen früheren Gemeinden gibt, die in der Zwischenzeit auch bestätigt seien. Jetzt soll die Aufarbeitung in den Kirchengemeinden, in denen er tätig war, vorankommen.

Informieren und Gelegenheit für Fragen geben

Domkapitular Holger Winterholer als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal in Rottenburg werde Auskunft geben, über den Fall informieren, und die Teilnehmenden sollen Gelegenheit haben, Fragen zu stellen.

Pfarrer Martin Schwer begrüßte die Versammelten mit dem Hinweis, dass Menschen Meister seien im „Darüber spricht man nicht“ – leider auch in kirchlichen Kreisen. Er verwies auf eine Passage seiner jüngsten Predigt, bei der es in einer bekannten Jesus-Geschichte nicht darum ging, ob einer Priester sei und deshalb mit seinen Handlungen wie von selbst recht habe.

Gabriele Maier-Güttler moderiert die Veranstaltung mit Domkapitular Holger Winterholer, dem „Personalchef“ des Bischofs.

Foto: Schwer

Es gelte, nicht verschweigen, sondern darüber sprechen – vor allem über das, was hilfreich ist für die, die „unter die Räuber gekommen sind“. Darüber sprechen lernen, was vorgefallen ist, und darüber sprechen müssen, um nicht zu vertuschen, nicht zu verheimlichen, damit Aufarbeitung möglich werden kann, sei Gebot das der Stunde.

Transparenz soll vorne stehen

Winterholer schilderte danach detailliert, was bisher ermittelt ist, was die Aktenlage sagt und was er an Erschütterndem von einem der Opfer im direkten Gespräch erfahren habe. Rapp habe in den Jahren 1974 bis 1995 Jugendliche missbraucht. Zu einer strafrechtlichen Verfolgung der Missbrauchstaten sei es nicht gekommen, weil zum Zeitpunkt, die Taten bereits verjährt gewesen seien, als sie bekannt wurden.

Zugleich verwies der Domkapitular auf den noch nicht abgeschlossenen Bericht der „unabhängigen Aufarbeitungskommission“, der im Frühjahr 2027 zu erwarten sei.

Bischof verhängt Kontaktverbot

Besonderes Interesse fanden die Umstände, die dazu führten, dass Pfarrer Rapp dennoch weiter seelsorgerlich tätig war – und zwar seit 1999 in Oberndorf. Hier habe der Pfarrer vom damaligen Bischof Walter Kasper die Auflage bekommen, keinen Kontakt mehr zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben zu dürfen.

Ob diese Versetzung aus heutiger Sicht gerechtfertigt sei, muss als äußerst problematisch eingeschätzt werden, auch wenn die Auflagen hart kontrolliert wurden, wie der anwesende damalige Oberndorfer Pfarrer Albrecht Zepf immer wieder betonte.

Was ihm zugemutet worden sei, trage dicke Spuren von Inkompetenz und Vertuschung und sei nicht fern von Dilettantismus. Was da den Beteiligten zugemutet wurde, habe doch überfordert, so massive Stimmen aus dem Volk.

Es gibt Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten

Dass mit Elke Börnard eine kompetente Fachfrau mit Erfahrung ihre Sichtweisen einbringen konnte, Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten für mögliche Opfer und alle, die Fragen haben, nannte, war in der aufgewühlten Situation sehr hilfreich.

„Aufarbeitung ist kein schneller Weg. Missbrauch ist nicht zu banalisieren, auch wenn er über ein Jahrzehnt zurückliegt. Es ist notwendig, darüber zu sprechen“, erklärt auch Pfarrer Schwer. Deshalb wolle die Diözese Standards für ein Informations- und Begleitformat, wie in betroffenen Kirchengemeinden Aufarbeitung gehen kann, implementieren.

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