Artenschutz in Oberndorf: Tausende Kröten gerettet

Für diese Kröten war die Straßenüberquerung dank der Helfer eine sichere Reise.
HeinAbends in der Dämmerung leuchten an den Straßen beim Bochinger und beim Hochmössinger Weiher gelbe Sicherheitswesten im Licht der Autoscheinwerfer. Hier sind Freiwillige am Werk: Mit Eimern bringen sie Kröten sicher auf die gegenüberliegende Straßenseite. Ein Einsatz, der viele tierische Leben rettet, aber für die Menschen nicht ungefährlich ist.
Im Landkreis Rottweil gibt es im Raum Oberndorf zwei „Hotspots“ in Sachen Krötenwanderung: An der L 415 bei der Autobahnauffahrt in Bochingen und beim Hochmössinger Weiher an der K 5521 zwischen Oberndorf-Hochmössingen und Weiden. Bei Hochmössingen war in den vergangenen Jahren die Straße nachts gesperrt – doch viele Autofahrer wollten keinen Umweg machen und ignorierten die Sperrung. Zahlreiche Kröten fanden den Tod.
Verschiedene Gruppen
In diesem Jahr haben sich zahlreiche Freiwillige gefunden, die den Kröten mit Unterstützung aus dem Landratsamt über die Straße helfen. Mit der Gruppe „Hochmössingen aktiv“ wurde der Aufbau des Zauns gemeistert. Die Straßenmeisterei Schramberg hat den Krötenzaun beschafft, das Straßenverkehrsamt eine Anordnung zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung erlassen, die untere Naturschutzbehörde unterstützt die Akteure bei ökologischen Fragestellungen.
Vor allem die Erdkröte sei im Landkreis auf dem Weg zu ihren Laichgewässern, berichtet Andrea Schmider, Pressesprecherin des Landratsamts. Aber möglicherweise würden die Helfer auch seltenere Arten entdecken: „Denn die Freiwilligen tragen die Tiere nicht nur von A nach B, sondern notieren auch Beobachtungen zu Artenvielfalt und Wanderzahlen – wertvolle Daten für die Naturschutzarbeit. Und für die Frage, ob langfristig stationäre Leiteinrichtungen notwendig sind, um den Erhalt der Kröten auch ohne das Engagement Einzelner zu sichern“, so Schmider.

Die Helfer arbeiten an der Straße.
Foto: HeinAls Schlüsselart vieler Ökosysteme halten Kröten die Wiesen, Gärten und Wälder im Gleichgewicht, während sie selbst Nahrung für Vögel, Igel und Füchse sind. Die Wanderung finde meist in der Dämmerung statt, wenn es feucht und kühl ist – genau die Bedingungen, die Kröten lieben, um Energie zu sparen und nicht auszutrocknen. Nur wenn die Kröten sicher den Weiher erreichen, können sie laichen und ihre Populationen erhalten: „Jede gerettete Kröte ist ein kleiner Sieg für die Artenvielfalt und ein wichtiger Baustein für ein gesundes Ökosystem.“
Hilfe hat eine lange Geschichte
Was in Hochmössingen nun mit „Hochmössingen aktiv“ und weiteren Ehrenamtlichen umgesetzt wird, erledigt in Bochingen schon seit 1991 ein eingespieltes Team aus Aktiven der Ortsgruppe des NABU/BUND Oberndorf-Sulz. Dessen Bilanz ist eindrucksvoll: In den 35 Jahren ununterbrochenen Engagements haben die Beteiligten rund 40 000 Kröten über die Straße geholfen. Alleine im vergangenen Jahr waren sie dafür 59 Stunden unterwegs. Und: Ohne all diese Freiwilligen wären die Kröten im Überleben ernsthaft gefährdet.
Die Wanderung der Kröten wird, abhängig von Wetter und Witterung, noch einige Wochen dauern. Aber: Amphibien sind über die ganze Vegetationsperiode in Bewegung und dadurch immer in Gefahr.
Appell an Autofahrer
„Umso wichtiger ist während der Hauptwanderphase deshalb die Arbeit der Ehrenamtlichen – und die hängt nicht zuletzt von der Rücksichtnahme seitens der Autofahrer ab“, erklärt Schmider.
Da die Freiwilligen morgens zwischen 5 und 9 Uhr und abends von 19 Uhr bis Mitternacht unterwegs sind, appelliert das Landratsamt dringend: An den Sammelstellen bitte Fuß vom Gas und Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten, bestenfalls freiwillig die Geschwindigkeit wie innerorts drosseln – denn: „Jede gerettete Kröte ist ein kleiner Erfolg für Natur und Artenvielfalt.“