Zellerschule Nagold: Smartphone als Teil des Körpers?

Der Autor Manfred Theisen las Schülern der Zellerschule Nagold aus seinem Buch „Der Chip“ vor.
N.Öner„Man kann die Wahrheit einer Information auch durch Recherche im Internet kaum herausfinden, denn irgendjemand oder KI kann Wahrheiten generieren und suggerieren und damit Meinung steuern“, so der politische Journalist und Autor Manfred Theisen aus Köln.
Er war auf Einladung des Fördervereins der Zellerschule inzwischen zum 5. Mal zu einer Autorenbegegnung in der Region. Den Schülern der Klasse 9a mit Klassenlehrer Ben Miller und der Klasse 10 in Begleitung von Nicole Henek und Nikol Schmidt stellte er sein Buch „Der Chip“ vor.
In dieser „neofuture novel“ geht es um eine komplett durchdigitalisierte elitäre Schule namens Galileo im Jahr 2032, in der die KI „brain“ alles steuert. Die Schüler tragen ein Plastikband um den Kopf, das Hirnströme und Aktivitäten misst, Kameras ermitteln nicht nur beim Sporttreiben die Funktion der Gelenke.
Kim passt nicht in die Norm
Wir erleben die 17-Jährige Kim beim Training: Bis zur Atemnot läuft sie in einem „Raum voller Augen“ im Kreis, während Ted, ehemals Leiter der Technik, hinter einer Scheibe Kims Aktionen beobachtet. Kim passt nicht in die Norm, so sehr sie sich auch anstrengt, die Vorgaben zu erfüllen. Weil sie Kopfschmerzen hat, nimmt sie das Band ab. Durch den Kontakt zu Freund Julian wird Kim, ehemals starke Befürworterin des digitalisierten Systems, schließlich kritisch. Denn ein Mitschüler kam aus mysteriösen Gründen zu Tode.
Voller Spannung gingen die Gemeinschaftsschüler bei Lesung und Gespräch mit. Immer wieder streute Manfred Theisen hochaktuelle Informationen ein. Dass wir über einen Chip Gedanken unseres Gegenübers wahrnehmen können, statt echt zu kommunizieren, ist keine reine Zukunftsvision mehr.
Das Smartphone als „Teil unseres Körpers“
Und weil das Smartphone inzwischen schon „zu einem Teil unseres Körpers“ geworden ist (Manfred Theisen), ist es womöglich auch für die „generation Z“ nicht mehr erstaunlich, dass im Umkreis von etwa sieben Metern ohne unser Zutun alles an Daten vom Smartphone gesammelt wird und immer als Spur erhalten bleibt.
Gibt es eine Lösung, dem „tracking“ zu entgehen? Vielleicht das Smartphone weniger einsetzen und für Informationen stattdessen Printmedien nutzen? Ein zweischneidiges Schwert… Rektor Ulrich Schubert freute sich, dass das Amt für Bildung und Betreuung wegen der angespannten räumlichen Situation die Miete des Kubus für diese Veranstaltung übernommen hatte. Und die Neuner und Zehner freuten sich, dass sie kurz vor ihrem Abschluss noch diese spannende 90-minütige Einheit mit Erfolgsautor Manfred Theisen erleben konnten.
Weil der Autor auf Lesereise war, blieb anschließend leider nicht viel Raum für Austausch und Gespräch, doch diese Begegnung wird sicher noch lange nachwirken – und vielleicht den einen oder die andere motivieren, das fesselnde Buch „Der Chip“ selbst nochmals ganz zu lesen – oder andere Bücher des Autors wie zum Beispiel „Checkpoint Europa“, „Rot oder Blau“ oder „Angst sollt ihr haben“.