Rolf Benz wird 90
: „Wir können noch einmal eine Runde drehen“

Er brachte den Namen Nagolds in die Welt. Nun hat Rolf Benz in seiner Heimatstadt mit seiner Familie, Freunden und Weggefährten seinen 90. Geburtstag gefeiert.
Von
Sebastian Bernklau
Oberndorf
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Rolf Benz machte seiner Frau Hilde eine ganz besondere Liebeserklärung.

Sebastian Bernklau

Es war eine illustre Gästeschar, die da am späten Mittwochvormittag im Möbelhaus „Architare“ zusammenkam: aktuelle und ehemalige Landräte, aktuelle und ehemalige Oberbürgermeister von Nagold, aktuelle und ehemalige Politprominenz aus Nagold und ehemalige und aktuelle Größen der regionalen Wirtschaft. Und natürlich die große Familie des Jubilars, die große Familie von Rolf Benz.

Familie spielt eine tragende Rolle

Und ein Teil der Familie, genauer gesagt Tochter Barbara Benz und der Jubilar höchstselbst übernahmen es, für die Gäste das Leben der Nagolder Möbel-Ikone zumindest partiell Revue passieren zu lassen. Und in dem spielt immer wieder das Thema der Familie eine tragende Rolle. Angefangen mit den frühen Zeiten in den 1950er-Jahren, in denen traditionelle Familienwerte galten. Glanzvoll waren diese Zeiten für den jungen Rolf Benz nicht. In der elfköpfigen Großfamilie habe es „nicht viel Platz für Individualität“ gegeben, erinnerte sich Rolf Benz an die Anfangsjahre, in denen er in Altensteig seine Ausbildung machte.

„Man wollte einfach die Dinge verändern“

Die Zeit des Wirtschaftswunders beschrieb Benz beim Festakt als „Zeit des Aufbruchs“, in der das Ende der „alten klobigen Möbel“ gekommen sei. Eine Zeit des Aufbruchs gab es neben dem beruflichen Streben ( „Man wollte einfach die Dinge verändern“) auch in der eigenen Familie: Binnen fünf Jahren bekamen Rolf und seine Frau Hilde vier Kinder – „und nebenher gründete er noch eine Firma“, wie Barbara Benz bemerkte.

Waren die 80er-Jahre bei der Firma Rolf Benz zunächst mit Schlagworten wie Glamour und Luxus verbunden, brachte das Reaktorunglück von Tschernobyl das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ins Unternehmen, wie sich der Jubilar erinnerte. „Und wir sind da bis heute noch voll dabei“, stellte Rolf Benz klar, der 1993 die Firma an die Börse gebracht hatte, fünf Jahre später aber aus „Rolf Benz“ dem Unternehmen ausstieg. Dafür engagierte sich Benz um so mehr für ein Unternehmen, in das er eingestiegen war: Walter Knoll in Herrenberg. Seit 2000 sei er „offiziell“ im Ruhestand, erinnerte Barbara Benz. Allerdings sei das mit der Ruhe so eine Sache bei Rolf Benz.

Die Sorge um den beruflichen Nachwuchs

Angesprochen auf seine Triebfedern nannte der Jubilar unter anderem die Sorge um den beruflichen Nachwuchs und die Handwerkstradition. Für beide Ziele gründete er den „Verein zur Förderung des gewerblichen Nachwuchses“. Sein Engagement für diesen Zweck wurde so wertgeschätzt, dass man die gewerbliche Berufsschule in Nagold schließlich nach Rolf Benz benannte.

An allererster Stelle seiner Triebfedern steht für den Unternehmer aber die Familie und die Vorfahren – allen voran natürlich seine Frau Hilde, der er vor den versammelten Gästen eine besondere Liebeserklärung machte: „Wir können noch einmal die ganze Runde des Lebens gemeinsam drehen“, bekannte er.

Auch Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann – einziger Gastredner der Feierstunde – hob die Bedeutung von Hilde Benz besonders hervor: Ohne Hilde gäbe es nicht den Rolf Benz wie man ihn heute kenne, nicht. Großmann bezeichnete den Jubilar als einen der „Baumeister dieser Stadt“. Für seine Verbundenheit mit Nagold gebühre ihm der große Dank der Stadt. Abschließend durfte sich Rolf Benz zum zweiten Mal in das Goldene Buch der Stadt eintragen. Diese Ehre sei bisher erst einer Person zuteil geworden: dem Ministerpräsidenten Günther Oettinger und dem EU-Kommissar Günther Oettinger.

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