Oberjettinger Institution
: Trauer um Urschwäbin und Geschäftsfrau mit großem Herz

Wenige Tage vor ihrem 87. Geburtstag ist die Jettinger Geschäftsfrau und Institution Emilie Kussmaul gestorben.
Von
Marline Fetzer-Hauser
Oberndorf
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Emilie Kussmaul war in Jettingen eine Institution.

Heidi Spengler

Wer kannte sie nicht? Emilie Kussmaul, geborene Rinderknecht, war in Jettingen eine Institution. Engagierte Geschäftsfrau, Urschwäbin, mit großem Herz für ihre Mitmenschen und die Familie, für den Heimatort und die Volksmusik. Am vergangenen Mittwoch ist Emilie Kussmaul mit 86 Jahren gestorben.

Emilie Kussmaul kam am 18. November 1938 zur Welt, und als Oberjettingerin blieb sie ihrem Heimatort ihr Leben lang treu, war dem Dorf und den Menschen herzlich verbunden. In Erinnerung bleiben hier ihre kontaktfreudige, geschäftige und lebensfrohe Art, auch ihre Leidenschaft für die Volksmusik und das Reimen von Versen. Noch vor kurzem hat sie während eines Volksliedersingens im örtlichen Franziska-von-Hohenheim-Stift, wo sie zuletzt wenige Monate lebte, mit dem Vortrag eines Lieblingsgedichts beeindruckt.

Schon in ihrer Jugend arbeitete Emilie Kussmaul in der Werkstatt ihres Vaters Georg Rinderknecht mit und führte den Betrieb später zusammen mit ihrem vor einigen Jahren verstorbenen Mann Helmut Kussmaul. Das Autohaus Rinderknecht an der Nagolder Straße war, wie sie selbst sagte, ihr Lebensinhalt. Erst vor vier Jahren musste sie zu ihrem tiefen Bedauern die Werkstatt und Tankstelle nach 92-jährigem Bestehen aufgeben.

„Die Emilie“ blieb Seele des Stammhauses

Gegründet einst als Reparaturbetrieb für Geräte aller Art, war die Werkstatt unter der Leitung des Ehepaars Kussmaul zum großen VW-Autohaus an zwei Standorten mit bis zu 60 Mitarbeitern gewachsen. „Die Emilie“, wie sie im Ort gern genannt wurde, war und blieb die Seele des kleineren Stammhauses in Oberjettingen.

Unermüdlich als Geschäftsfrau, zog sie doch gleichzeitig mit ihrem Mann die drei Kinder Heidi, Sonja und Jürgen im Haus neben dem Betrieb groß. Und sie nahm sich außerdem die Zeit für viele andere Kontakte, besuchte regelmäßig einsame Menschen und Familien. Zudem pflegte sie leidenschaftlich eigene Hobbys wie das Dichten.

So bedachte sie regelmäßig ihre Mitarbeiter zu Geburtstagen und Verdiensten mit gereimtem Lob in der Tageszeitung. Zu eigenen Festtagen und ebensolchen im Bekanntenkreis verfasste sie viele launige und manchmal tiefsinnige Gedichte – insgesamt sind es wohl um die 400. Sie sang im Gesangverein Unterjettingen, bei der Volksliedergruppe „Hirschsänger“ in Ebershardt und bei den Stubensängerinnen im Ort.

Unverwechselbar in schicker Tracht

Sie war aktiv bei den Landfrauen und unterstützte den DRK-Mittagstisch im Pflegeheim. Unverwechselbar war ihr Auftreten bei vielen Veranstaltungen und auch im Alltag, in schicker Trachtenkleidung, mit flottem Hütchen und volkstümlichen Accessoires.

Zuwendung an die Mitmenschen, das lebte Emilie Kussmaul auch als Geschäftsfrau, ihre Großzügigkeit mit kleinen Geschenken bei vielen Gelegenheiten machte sie besonders.

1971 hatte das Familienunternehmen in Herrenberg einen Zweigbetrieb eröffnet, den der Sohn Jürgen bis 2015 führte, sie aber blieb Chefin des Stammbetriebs, bis ins hohe Alter und zuletzt mit drei Mechanikern und zwei Frauen im Büro. Nach der Schließung lebte sie bis zum Spätsommer dieses Jahres weiterhin in ihrer Wohnung über der Werkstatt, unterstützt von ihren drei Kindern.

Beerdigt wird Emilie Kussmaul an diesem Freitag, 14 Uhr, in Oberjettingen.

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