Nagold: Volksbank kauft kompletten Neubau

Spatenstich für ein Nagolder Großprojekt.
FritschNagold - Eine handfeste Überraschung ist den Bauträgern und Eigentümern beim Spatenstich für das neue Mehrfamilienhaus, das an der Bahnhofstraße südlich der Einfahrt des Eisbergtunnels entstehen soll, gelungen – denn die Volksbank HNR hat den kompletten Bau bereits aufgekauft.
Die Bank will aus den später hier einmal entstehenden 24 "gehobenen Wohnungen in unterschiedlichen Größen" allesamt Mietwohnungen machen – als Anlage- und Renditeobjekt der Voba HNR-eigenen Immobiliengesellschaft. "Weniger als zehn Millionen Euro" von ihrem 2016 aufgelegten Investitions-Fond für Immobilien von 50 Millionen Euro wird die Bank hier investieren.
Was vor allem Oberbürgermeister Jürgen Großmann geradezu "in Entzücken" versetzt, weil so "Vermögen der Bank in der Region Nagold" verbleibt. Weshalb Großmann auch kurzerhand von "der Volksbank Nagold-Herrenberg-Rottenburg" sprach – richtig heißt es natürlich in alphabetischer Reihenfolge: Herrenberg-Nagold-Rottenburg. Wobei hinter dem jetzigen Investment in Nagold eine groß angelegte Strategie der Regionalbank steckt, das durch die aktuelle Nullzins-Phase am europäischen Kapitalmarkt unter Druck geratene Geschäftsmodell als Genossenschaftsbank durch das verstärkte Engagement auf anderen Geschäftsfeldern – wie dem Immobilienmarkt – zu stabilisieren, wie Voba-Vorstand Ralf Haller erläuterte. Auch in Herrenberg, Rottenburg und Stuttgart sei seine Bank bereits in ähnlicher Form engagiert; weitere Projekte seien zudem in Vorbereitung.
Schwierige Planungsphase des Großprojektes
Gebaut aber wird das eigentlich aus zwei Gebäuden bestehende Wohnbau-Ensemble an der Bahnhofstraße von den beiden (Nagolder) Firmen Markant-Bau GmbH (von Claus Frey) und GK Wohnbau GmbH (Armend und Shkelzen Krasniqi), die dafür – wie bereits bei ähnlichen gemeinsamen Großprojekten in der Stadt – eine gemeinsame "GbR" für die Bauträgerschaft eingegangen sind. Man arbeite und entwickle solche Projekte zusammen, erläutert Claus Frey, um das finanzielle Risiko solch großer Baumaßnahmen "auf mehrere starke Schultern zu verteilen". Dass man schon jetzt den kompletten Neubau an die (übrigens den Bau auch maßgeblich finanzierende) Hausbank weiterverkaufen konnte, sei dabei durchaus "anspruchsvoller" für die Bauausführung, weil die spätere Eigentümerin natürlich nun auch "wesentlich kritischer" die Bauphase begleite.
Bauträger Armend Krasniqi ließ in seiner kurzen Ansprache zum Spatenstich noch einmal die auch schwierige Planungsphase des "anspruchsvollen Großprojektes" Revue passieren, dankte zugleich aber der künftigen Eigentümerin und der Stadt Nagold als Genehmigungsbehörden für die andererseits immer wieder "große Unterstützung". Ursprünglich sollte der zur Bahnhofstraße hin dreigeschossige Bau im hinteren Bereich zum Bahndamm hin einen siebengeschossigen "Wohnturm" erhalten, der aber bei den Nagolder Gemeinderäten keine Mehrheit fand. So dass am Ende ein Geschoss gestrichen werden musste – auf nun sechs Geschosse mit einer Gebäude-Gesamthöhe von etwas mehr als 19 Metern.
"Urbaner und zentraler kann man heute nicht leben"
Trotzdem sind die Dimensionen des Baus und vor allem der Baustelle gewaltig: 6000 Kubikmeter Aushub müssen aktuell aus der Baugrube weggeschafft werden – das entspricht rund 600 Lkw-Ladungen, wie Bauträger Claus Frey erläutert. Dessen Bruder, Fritz Frey von der (ebenfalls Nagolder) FF-Hochbau GmbH, wird dann den Rohbau realisieren – bei dem nach derzeitigen Planungen gut 4000 Kubikmeter Beton und 300 Tonnen Stahl verbaut werden sollen. Ergibt am Ende 2280 Quadratmeter Gesamt-Wohnfläche auf einem knapp 1700 Quadratmeter (Premium-) Grundstück: Innenstadt-nah, direkt am Haltepunkt der Kulturbahn und des Stadtbusses (Linie 500), mit fußläufiger Erreichbarkeit von Einzelhandelsgeschäften, Ärzten und Bildungseinrichtungen. "Urbaner und zentraler kann man heute nicht leben", so auch der OB.
Weshalb Claus Frey schon auch noch einmal ein bisschen "sticheln" musste (oder "stikeln" – in Anspielung auf Stadtrat Michael Stikel, dessen "Lieblingsthema" im Gemeinderat das ist), warum man für diesen Bau jeweils 1,5 Pkw-Stellplätze je Wohnung zu realisieren habe – wenn die späteren Bewohner doch wegen der optimalen ÖPNV-Anbindung eigentlich gar kein Auto mehr bräuchten!? Was OB Großmann stellvertretend für seinen Gemeinderat mit dem Hinweis parierte, dass es nun mal Aufgabe dieses Gremiums sei, die Belange der Bauherren und der Allgemeinheit in Ausgleich und "unter einen Hut" zu bringen. Und er sei sicher, dass "auch bei sechs Stockwerken" und 1,5 Stellplätzen je Wohnung "die Investoren später trotzdem auf ihre Kosten kommen werden".
Diese Hoffnung teilt Voba-Vorstand Ralf Haller auf jeden Fall auch. Bis Ende 2019 soll der Bau insgesamt bezugsfertig sein, die Vermarktung der 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen in Größen von 67 bis 149 Quadratmetern werde wohl "so ab Ende 2018" beginnen. Allerdings wird der von der Voba veranschlagte künftige Mietpreis wahrlich kein Schnäppchen sein: So "zehn bis elf Euro je Quadratmeter", darauf werde es bei der gehobenen Ausstattung der Wohnungen schon hinauslaufen. Das ist auch für Nagolder Verhältnisse "die obere Kante des Mietspiegels".