Nagold: Typisch Emmingen eben

Foto: Buckenmaier
Schwarzwälder BoteSeit wenigen Monaten hat der Nagolder Stadtteil Emmingen einen Heimat- und Kulturverein, der auch gleich von sich reden macht – mit einem Weihnachtsmarkt, wie er authentischer nicht sein kann.
Nagold-Emmingen. Ende des 19. Jahrhunderts ging eine Gründungswelle durch das deutsche Kaiserreich. Vereine, die sich der Heimat- und der Ortsgeschichte annahmen, wurden massenweise aus der Taufe gehoben. In Emmingen besinnt man sich heute, Anfang des 21. Jahrhunderts, verstärkt der örtlichen Heimat- und Kulturpflege.
Alles nahm seinen Anfang mit dem "Kinderschüle", dem ältesten städtischen Gebäude im Ort, das, seit es steht, schon viele Einrichtungen beherbergt hat. Einst war es Rathaus, in dem Friedrich Huber, der Großvater des heutigen Ortsvorstehers Oskar Huber, bis 1938 als Bürgermeister residierte. 17 Jahre war darin eine Schule untergebracht und 40 Jahre der Kindergarten. Vor zwei Jahren wurde das schmale Fachwerkhaus neben der Kirche saniert. Ganz vorne dabei: der Ortschaftsrat. 600 bis 800 freiwillige Arbeitsstunden, so schätzt Ortsvorsteher Huber, haben er und seine Räte in dem Haus gewerkelt. Sie haben verputzt, gestrichen, den Fußboden verlegt und eine Küche eingebaut, während die Stadt die Kosten für die elektrischen Installationen übernahm. Am Ende schufen sie damit ein Kleinod: Emmingens gute und so gemütliche, holzgetäferte Stube, in dem sich seither regelmäßig die ältere Generation des Ortes zum Schwatz trifft.
Auf Mitgliedsbeitrag wird bewusst verzichtet
Dieses gemeinschaftliche Werk war zugleich die Initialzündung für die Gründung des Heimat- und Kulturvereins Emmingen. Als Ziele gab man bei der Gründungsversammlung im April dieses Jahres die Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde sowie die Erhaltung und Förderung der örtlichen Kultur und Gemeinschaft in dem Ortsteil aus.
In den Dienst der gemeinsamen Sache stellten sich die Initiatoren selbst: Ortschaftsrat Alfred Bahlinger, im politischen Gremium Hubers Stellvertreter, übernahm den Vereinsvorsitz, der Ortsvorsteher selbst die Stellvertretung, während Petra Scherer als Schriftführerin fungierte. Kerstin Enßlin kümmert sich seither um die Vereinskasse, auch wenn sie auf Mitgliedsbeiträge nicht zählen kann. Die bisher 60 Vereinsmitglieder müssen nämlich keinen Obolus entrichten. "Wer sich für die Dorfgemeinschaft einbringt, sollte nicht auch noch dafür bezahlen müssen", sagt Oskar Huber.
Zuvörderst sollte das "Kinderschüle", in das man so viel ehrenamtliche Arbeit investiert hatte, mit Leben erfüllt werden. So wurde in einer Stube ein kleines Museum eingerichtet, mit Utensilien und Bildern vom Ort. Ein Großteil davon hatte der inzwischen verstorbene Manfred Fischer der Gemeinde vermacht – 17 Ordner voller Emminger Erinnerungen.
In der gemütlichen Stube nebenan betreibt der Heimat- und Kulturverein sein Seniorencafé. Alle vier Wochen treffen sich hier die älteren Damen des Ortes zum gemeinsamen Stricken. Alle vier Wochen ist Seniorennachmittag und alle vier bis sechs Wochen Kartenabend. Dann wird Geigel gespielt. Das sei dann eher eine "Männerdomäne", heißt es.
Aber schnell war man sich an der Vereinsspitze einig, im Gründungsjahr auch noch eine besondere Premiere feiern zu wollen: einen Weihnachtsmarkt, der typisch ist für den Ort. "Wir wollen nicht den Nagolder oder Wildberger Markt kopieren, sondern was Eigenes für unsere Bürger machen", gab Oskar Huber als Losung aus
Alle im Ort stellen sich in den Dienst der Sache
Mittlerweile merkt man, dass der Aufwand "größer als gedacht" ist, sagt Huber: "Aber es ist ja auch das erste Mal."
Und die Ansprüche sind hoch. Statt der örtlichen Fritz-Ziegler-Halle wählte man lieber das Ambiente und die Atmosphäre der Ortsmitte als – natürlich vom Verkehr befreiten – Veranstaltungsort.
Und alle im Ort ziehen mit: die Vereine und die Feuerwehr, Kirche, CVJM und auch die Wiestalschule. In der Oswaldkirche wird an diesem 30. November die Adventsgeschichte vorgelesen, auf der Naturbühne unterm Weihnachtsbaum singen der Chor der Wiestalschule und alle drei Chöre des Liederkranzes. Während die Trachtenkapelle ihre weihnachtlichen Weisen intoniert, können sich die Besucher im Kinderschüle bei Kaffee oder Kuchen oder im Feuerwehrmagazin gütlich tun oder im Rathaus und im Feuerwehrmagazin Produkte kaufen, die – und darauf legt man besonderen Wert – ausschließlich aus Emmingen stammen. Voran geht Vereinsvorsitzender Alfred Bahlinger mit selbst gemachten Likören, Metzger Pfeffer offeriert eine eigens für diesen Anlass kreierte Weihnachtswurst, Waltraud Rexer bietet ihre selbst gestrickten Socken an, Monika Kolenko ihre Strickwaren- und Puppenkleider, Evi Deuble ihre Bilder und Lederwaren, während Kerstin Enßlin wie auch Nicole Fischer weihnachtliche Accessoires aus Beton fertigten. Und das ist nur ein Auszug aus einer langen Liste von Emminger Spezialitäten und Produzenten.
Als Schmankerl wird die alte Waage im Erdgeschoss des Kinderschüles , die einst als städtisches Salzlager diente, aber sonst leer steht, zur Glühweinbar ausgebaut. "Jetzt brauchen wir nur noch gutes Wetter", meint Ortsvorsteher Huber. Und was kommt nach dem Weihnachtsmarkt? Da lachen alle. Und die Antwort der Initiatoren folgt wie im Chor: "Wir haben so viele Ideen."
Der Emminger Weihnachtsmarkt beginnt am Samstag, 30. November, um 14 Uhr in der Ortsmitte. Ab 14.30 Uhr ist Basteln für Kinder, um 16 Uhr die Begrüßung der Gäste. Um 17 Uhr kommt der Nikolaus, ab 18 Uhr treten Liederkranz und Trachtenkapelle auf. Um 22 Uhr ist Schluss.