Nagold: "Das war der Renner"

In Nagold gut bekannt: Jubilar Hans Mückstein. Foto: Rennig
Schwarzwälder-BoteVon Barbara Rennig
Nagold. "Im Großen Ganzen habe ich in meinem Leben immer Glück gehabt", resümiert Hans Mückstein, der es sich nicht nehmen ließ, auch zu seinem heutigen 90. Geburtstag in der Backstube zu stehen und die Torten für seine Gäste selbst zu kreieren.
In Herzogswald, Kreis Bärn/Sudetenland als jüngstes von vier Kindern eines Landwirtes geboren, bekam Hans Mückstein durch die zweite Ehe seines Vaters noch vier Geschwister dazu. Der junge Mann hatte 1941 gerade seine Konditorlehre beendet, da wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war nach der Geschützausbildung in Holland mit seiner Einheit bis zum Herbst 1944 im finnischen Karelien stationiert. Seinen 20. Geburtstag erlebte Hans Mückstein im hohen Norden an der finnisch-norwegischen Grenze. Dem Weihnachtsfest in Deutschland folgten in den wenigen Monaten bis Kriegsende viele Stationen: Nach Verwundungen und mehreren Lazarett- Aufenthalten wieder "einsatz-tauglich", erfuhr Hans Mückstein vom Kriegsende auf dem Marsch seines Ersatzbatallions in Hallein/Österreich. Über das Dachsteingebirge gelangte er mit Freunden nach Bad Ischl, von wo aus er in seine sudetische Heimat zurückkehren wollte, arbeitete unterwegs in einem Bauernhof und kam mit einem Kriegskameraden auf Umwegen über Stuttgart schließlich nach Kirchheim/Neckar. Durch die Anstellung bei einem dortigen Bäcker schaffte Hans Mückstein nach mehreren fachfremden Beschäftigungen den Sprung zurück in seinen erlernten Beruf.
Besonders gerne erinnert sich der Jubilar an seine Zeit im renommierten Café Marstall in Stuttgart, wo er schon als Geselle eine Auszeichnung erhielt. 1951 absolvierte er die Meisterprüfung als Konditor, 1953 als Bäcker. Seine spätere Frau Maria Vogel hatte er bei der gemeinsamen Arbeit am Bodensee kennen gelernt und 1951 geheiratet.
Nachdem das Paar 1959 das ehemalige Café Lang in Nagold gekauft und umgebaut hatte – fortan "Café Mückstein" – eröffneten sie 1970 ein zweites Café in Altensteig und hatten insgesamt 16 Angestellte.
Der Sohn und die beiden Töchter, die in die beruflichen Fußstapfen der Eltern traten, waren eine große Unterstützung, zumal Hans Mückstein auch feine Pralinés herstellte und mit dem Angebot an Eis und Milchshakes eine neue Marke setzte: "Das war der Renner!", erinnert sich der Jubilar.
Zudem war Hans Mückstein, der zahlreiche junge Leute ausbildete, viele Jahre Lehrlingswart und zweiter Vorsitzender der Gesellenprüfungs-Kommission der Innung Freudenstadt – und erhielt 1974 die silberne Ehrennadel des Deutschen Konditorenbundes. Nach dem frühen Tod seiner Ehefrau übergab Hans Mückstein 1990 das beliebte Nagolder Café an seinen Sohn, ehe es 2000 verkauft wurde. Eine feine Speisekarte mit dem damaligen reichen Angebot, noch in D-Mark, hat Hans Mückstein bis heute aufbewahrt.
Der begeisterte Sportler, der viele Jahre beim VfL in mehreren Disziplinen aktiv war und das silberne Sportabzeichen erwarb, machte 1964 das Bodensee-Schifferpatent und frönte am Schwäbischen Meer gerne auch dem Wassersport. Mit dem einzig verbliebenen Freund aus der ehemaligen Wandergruppe dreht Hans Mückstein, der 60 Jahre lang ebenso dem Verein der Hundefreunde, angehörte, heute noch täglich seine Runden im Kleb. Seit 20 Jahren besucht der Jubilar den Seniorentreff Mohren, wo er seine jetzige langjährige Lebenspartnerin kennen lernte.
Seinen besonderen Geburtstag möchte Hans Mückstein im Kreise seiner Freunde und der Familie genießen, zu der sechs Enkel und zwei Urenkel zählen, und er freut sich besonders auf seinen dritten Urenkel im Dezember – und natürlich darauf, seine Gäste mit feinen Eigenkreationen verwöhnen zu können.