Musikalisches Märchen in Nagold: Auf der Bühne pulsiert das Leben

Zur zeitlosen Grundbotschaft des Märchens gesellten sich Humor und Satire.
Thomas FritschDie Erfolgssträhne der musikalischen Märchen in Nagold begann 2005 mit der Aufführung von „Der Fischer und seine Frau“. Bald folgten weitere, gleichfalls von Rafael Hummel adaptierte und stets ausverkaufte Märchen-Klassiker, die im kooperativen Miteinander zwischen der Musikschule, dem Otto-Hahn-Gymnasium und der Jugendkunstschule zu wahren Events aufstiegen. Seitdem ist das jährliche Spektakel im Kubus aus dem Kulturleben der Stadt nicht wegzudenken.
Am Tag der Premiere war es eng im Saal. Die Teenies des Nagolder Jugendorchesters nahmen Platz vor der Bühne, und die Besucher besetzten restlos die Publikumsreihen im Parkett sowie auf der Galerie.
Super ausbalancierte Einheit
Die 1812 veröffentlichte Geschichte der Gebrüder Grimm von der Prinzessin, ihrer goldenen Kugel, dem verhexten Froschprinz und dem gefesselten Herzen des Eisernen Heinrichs erhielt in der Auffassung von Hummel die Form eines Mini-Musicals, wo Wort, Gesang, orchestrale Interludien und Lichteffekte eine super ausbalancierte Einheit bildeten.
Vor den von jugendlichen Händen entworfenen, bildhaften Kulissen pulsierte das Leben, und die Stimmungen wechselten je nach Bühnengeschehen. Die höfisch gekleideten Schauspiel-Adepten von den Theater-AGs des OHG und der Gemeinschaftsschule Jettingen agierten im Rampenlicht sichtlich frei, führten kesse Dialoge, verdeutlichten Wortspiele (köstlich der Hof-Hausmeister alias Heinrich), zankten miteinander und sangen zu Playback-Musik beeindruckende Songs, die sie mit choreografischen Elementen ergänzten.
Hier und da „verirrte“ sich manch eine Figur im Saal oder die Darsteller trieben Schabernack auf der Bühne – dann kicherten und lachten die Zuschauer vor Vergnügen.
Denn in seinem Szenario stellte Hummel die zeitlose Märchen-Grundbotschaft (Versprechen halten, niemanden nach seinem Äußeren beurteilen) zwar in den Vordergrund, betrachtete aber das Geschehen aus dem ihm eigenen humorvollen wie satirischen Blickwinkel.

Das Jugendorchester erfüllte sein anspruchsvolles Pensum glänzend.
Foto: Thomas FritschDiese Ansicht teilte der Regisseur Silvester Keller, der die Situationskomik auf kreative Weise hervorhob und der gesamten Vorstellung einen heiteren wie unterhaltsamen Charakter verlieh.
Keine Sekunde Stillstand
Über eine Stunde lang gab es keine Sekunde Stillstand im Kubus, und die erwartungsvolle Spannung hielt an. Die Aufmerksamkeit der Besucher fokussierte sich zwischen den einzelnen Szenen – ob bei offenem oder geschlossenem Vorhang – entweder auf der Bühne oder auf die beachtlichen Leistungen des Jugendorchesters. Die jungen Instrumentalisten erfüllten ihr anspruchsvolles Pensum glänzend, und jede Darbietung verdiente ohne Wenn und Aber begeisterten Applaus.
Die Vorstellung ging zu Ende unter Beifall, Geschrei und allgemeiner Begeisterung. Mehrmals verbeugten sich alle Beteiligten, die vor und hinter der Kulissen eine fabelhafte Arbeit Hand in Hand geleistet hatten. Der Jubel hörte erst auf, als nach einer Orchester-Zugabe das Licht im Saal endgültig ausging.
Mitwirkende
Schauspieler:
Felicia Meyer (Prinzessin Bella), Finn Mittelstädt (Frosch/Prinz), Conny Blümel (Köchin), Charlotta Hinz (Jasmin), Isabell Wölk (Zofe) Andreas Schäfer-Gorgs (Heinrich), Anna Schittenhelm (Königin) und Mykailo Kurochkin (Wache)
Konzeption:
Christian Pöndl
Text und Lieder:
Rafael Hummel
Regie:
Silvester Keller
Leitung Jugendorchester:
Nicole Offenhäuser und Kaoru Minamiguchi
Leitung Bühnentechnik:
Frank Meyer, OHG
Bühnentechnik:
Manuel Dennochweiler, Anton Gravius, Anna Kretschmer, Paul Kretschmer
Leitung Bühnenbild:
Nicole Borbély (Jugendkunstschule) und Holger Bächle
Bühnenbildtechnik:
Luna Bennacer, Eveline Breining
Plakatgestaltung:
Michaela Hummel