Leseabenteuer beim AK Kultur
: Eine literarische Reise führt durch spannende Metropolen

Karen Ehlers, Birgit Pfaff und Ramona Winkler entführten ihre Zuhörer bei einer Lesung in Nagold in die Welt der Großstädter.
Von
Barbara Rennig
Oberndorf
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Die drei Leserinnen bei Nagold liest (von links): Birgit Pfaff, Karen Ehlers und Ramona Winkler

Armin Büchler

So groß war das Interesse an der jüngsten Lesung des Arbeitskreises (AK) Kultur zum Thema „Großstadt“ gewesen, dass bereits Tage vor dem Anmeldeschluss eine Warteliste erstellt werden musste.

Eigens für diese Lesung hatte Tommi Strohäker vom „Bahnhof 1872“ den mehr als 50 Zuhörern seinen freien Tag geopfert, so dass Karen Ehlers, Birgit Pfaff und Ramona Winkler das Publikum mitnehmen konnten auf eine eindrückliche Reise in einige Metropolen – zu Beginn und am Schluss umrahmt von Gedichten Mascha Kalékos.

Marzahn, mon amour In Katja Ostkamps „Marzahn, mon amour“ beschließt die eher erfolglose Schriftstellerin Kathi, Fußpflegerin zu werden. Sie ist in der Plattenbausiedlung neben ihrer Arbeit Zuhörerin für Sorgen, Nöte und Geschichten ihrer Klienten. So auch für Herrn Pietsch mit der karierten Schiebermütze, dem ehemals jüngsten DDR-Kreisparteisekretär, der akribisch über Seitensprünge Buch führte. Der von Birgit Pfaff gelesene Ausschnitt sorgte gleich für vergnügte Laune.

Guggenheims Memoiren „Die Männer gingen, die Kunst blieb“, könnte man das Leben der extravaganten Kunstsammlerin und Mäzenin Peggy Guggenheim (1898-1979) umschreiben, hatte sie doch auch zahlreiche Affären mit berühmten Künstlern. So führte Ramona Winkler mit einer eher heiteren Passage aus den Memoiren „Ich habe alles gelebt“ nach Venedig in den Palazzo del Leone am Canale Grande.

Einsames Sterben Nachdenklich machte dann das von Karen Ehlers vorgelesene „Oben Erde, unten Himmel“ von Milena Michiko Flasar, denn das „Kodukushi“ (einsames Sterben) ist nicht nur in einer japanischen Großstadt Thema. Die junge Suzu heuert in einer Reinigungsfirma an und ahnt nicht, dass sie für die Arbeit neben Schutzanzug und Maske auch einen starken Magen braucht: Die Firma reinigt Wohnungen von Menschen, die man oft erst Wochen nach ihrem einsamen Tod auffindet und trotz makabrer Umstände mit Achtsamkeit und Würde behandelt.

Harte Zeiten für Hanseaten Hambourgh 1806 bis 1814: Wer weiß, dass die Hansestadt ehemals unter französischer Besatzung stand? Birgit Pfaff schilderte anhand von Swantje Neumanns Buch „Von Liebe und Krieg, harte Zeiten für Hanseaten“ auch die damaligen wirtschaftlichen Nöte der Kaufmannsfamilie Carstens und der ganzen Stadt.

Die Entführung Höchst erbaulich dagegen „Die Entführung“ aus Milena Mosers „Schlampenbuch“, 17 Erzählungen über Frauen, die teils vor nichts zurückschrecken, um sich durchzusetzen – gelesen von Karen Ehlers. Monotonie und Einsamkeit in der Kabine bestimmen das Leben einer Züricher Tramfahrerin, doch plötzlich fesselt ein Fahrgast ihre Aufmerksamkeit. Sie nimmt spontan einen Umweg der Route, um ihn länger beobachten zu können – mit durchaus verblüffendem Ausgang.

Eine Städtereise Ramona Winkler führte ins viktorianische London zu „Jack the Ripper“, ins Paris von Patrick Süskinds „Parfüm“ und ins New York der Journalistin Lily Brett, die trotz ewiger Baustellen, des Lärms und der Verkehrsstaus „Big Apple“ liebt. Neben Dresden, dessen Schönheit Erich Kästner vor dem Krieg einatmete wie andere die Waldluft, dem Berlin vor dem Mauerfall oder Vincent Klinks „Ein Bauch spaziert durch Paris“ reiste man symbolisch weiter.

Die Vielfalt der äußerst abwechslungsreichen Texte wie auch der leckere Pausenteller sorgten beim Publikum für ausgezeichnete Stimmung auf dieser Reise durch Großstädte.

Die Leserinnen trugen ihre Texte mit ansteckend guter Laune vor (von links): Ramona Winkler, Karen Ehlers und Birgit Pfaff

Foto: Armin Büchler
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