Ladenmieten im Kreis Böblingen: Leerstände sind keine Einzelfälle mehr

Laut IHK ist es für Händler auch im Kreis Böblingen zunehmend schwierig, hohe Ladenmieten zu erwirtschaften.
dpa/Jan-Philipp StrobelIn den teuersten Lagen im Landkreis werden für Einzelhandelsflächen bis zu 27 Euro pro Quadratmeter Geschäftsfläche verlangt. Die höchsten Mieten werden in der Bahnhofstraße in Böblingen aufgerufen.
Der Durchschnittswert der Bestandsmieten in der Böblinger 1a-Lage liegt bei 21 Euro je Quadratmeter Geschäftsfläche, je Quadratmeter Verkaufsfläche sind es 38 Euro. Der in der IHK-Umfrage genannte Höchstwert dort betrug 27 Euro pro Quadratmeter Geschäftsfläche. Bei den Mieten bezogen nur auf die Verkaufsfläche gab es sogar eine Meldung von 80 Euro pro Quadratmeter. Hier spielt wohl auch die noch nicht gänzlich abgeschlossene Aufwertung der Bahnhofstraße eine Rolle. Die Mieten in den Nebenlagen Böblingens liegen deutlich darunter. Dort wurden Höchstwerte von 15 Euro beziehungsweise 32 Euro gemeldet.
Unterschiede nach Städten und Lagen
An anderen Standorten im Landkreis werden zwar geringere Mieten für Handelsflächen verlangt. Die Mittelwerte für die 1a-Lagen liegen bei etwa 15 Euro in Sindelfingen, bei gut zwölf Euro in Leonberg und bei knapp elf Euro in Herrenberg. Die Belastung der Unternehmen sei bei Mieten bis zu 26 Euro je Quadratmeter Geschäftsfläche in einer Nebenlage Sindelfingens beziehungsweise 76 Euro bezogen auf die Verkaufsfläche in einer Sindelfinger 1b-Lage) allerdings auch dort teilweise groß.
Generell haben laut Studie die Mieten im Landkreis in den vergangenen Jahren eher nachgelassen. Grund dafür sei, dass weniger Handelsfläche nachgefragt werden: Einige Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren aufgegeben; darunter seien auch immer wieder namhafte Traditionsunternehmen. Zusätzlich versuchten einige Mieter, ihre Flächen eher zu verkleinern.
Angebotene Flächen haben zugenommen
Dem gegenüber stehe, dass das Angebot an Flächen eher noch zugenommen habe, auch wenn der größte Zuwachs mit den Mercaden in Böblingen bereits zehn Jahre her sei. Dazu komme, dass seit der Corona-Pandemie die sogenannte Flächenproduktivität abgenommen habe, also der Umsatz, der pro Quadratmeter im Einzelhandel erzielt werden kann. Aus dieser Gemengelage ergebe sich, dass die Preise für diese Flächen, die Einzelhandelsmieten, sinken müssen.
„Dieser Prozess hat aber noch Nachholbedarf. Teilweise lange Laufzeiten der Mietverträge verhindern oder verlangsamen eine Anpassung nach unten“, teilt die IHK Böblingen mit . Das mache es den Mietern schwer, auf diesen Flächen auskömmlich zu wirtschaften. „Auch deshalb mussten bereits einige Betriebe schließen. Die Auswirkungen davon lassen an vielen Standorten feststellen: Leerstände sind keine Einzelfälle mehr.“
Hohe Mietens schwer zu stemmen
„Für viele kleinere Ladengeschäfte und insbesondere den Facheinzelhandel sind hohe Mieten schwer zu stemmen“, erläutert Marion Oker, Leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Böblingen. In ihrem Bereich ist auch die für die Studie zuständige Zentrale Aufgabe Handel angesiedelt, die das Thema für die gesamte Region Stuttgart abdeckt. „Anbieter von Handelsflächen sollten bedenken, dass die Mieten erwirtschaftet werden müssen. Ein Vermieter hat eher Nachteile, wenn ein Fachgeschäft aufgrund einer hohen Miete aufgibt oder den Standort wechselt. Daraus könnte auch ein längerer Leerstand resultieren und die Fläche mittelfristig eher an Wert verlieren“, gibt Oker zu bedenken. Solvente und zuverlässige Mieterinnen und Mieter sind bares Geld wert, so eine Kernthese der IHK-Studie. Insofern könnten maßvolle Mietabschlüsse nicht nur für die Mieter, sondern mittel- und langfristig auch für Vermieter besser sein.
„Der Verlust von kleinen und individuellen Händlern, weil sich nur noch große Filialisten zentrale Ladengeschäfte in den Innenstädten leisten können, verändert immer auch das gesamte Stadtbild“, schlussfolgert Marion Oker. „Für viele Kunden macht aber gerade der individuelle Charakter eines Standortes die Attraktivität einer Innenstadt aus“.