Entmachtung in Vollmaringen: Bürgersprechstunde könnte beim Bäcker stattfinden

Es half alles nichts. Die Gemeinde- und Ortschaftsräte von Vollmaringen mussten am „Schmotzigen Donnerstag“ die Herrschaft übers Rathaus abgeben.
Daniela SteinrodeLange und angestrengt wurde in der jüngsten Sitzung des Vollmaringer Ortschaftsrates darüber beraten, wie man sich am besten gegen eine sich im Vorfeld bereits andeutende Entmachtung und einen Umsturz der Machtverhältnisse im eigenen Dorf wehren könne. So hatte man sich dafür wohlweislich im Dorfgemeinschaftsraum versteckt und wähnte sich an einem sicheren Ort.
Doch alle klugen Pläne halfen nichts und jegliche Gegenwehr wurde von den Narren der Vollmaringer Narrenzunft ohne Wimpernzucken zunichte gemacht, als am Schmotzigen Donnerstag die Ortschaftsräte die Schlüssel des Rathauses an die neuen Herrscher im Ort abgeben mussten.
„Schwerer Gang“ zum Dorfplatz
Begleitet von den Vollmaringer Musikanten, Weiherhexen, Fruchtmaale, Narrenrat und Teufel mussten die geschlagenen Ortschafts- und Gemeinderäte den schweren Gang zum Dorfplatz antreten. Dort versprach Zunftmeister Wolfgang Stein gereimt und auf schwäbisch vor den zahlreichen Gästen: „aoser Regentschaft, dia wird famos!“ Doch zunächst übte er Kritik an der Lokalpolitik des vergangenen Jahres und verwies auf den geplanten Naturkindergarten, der immer noch auf sich warten ließe: „En Karra muaß her ond der Zaun am Kindi kommt weg, damit dia Kender sich teilet s ́Klo ond vielleicht au des Besteck.“
Nach der Kritik hat der Zunftmeister auch Lob
Doch Wolfgang Stein hatte auch Lob für vieles, wie das gebaute Buswartehäusle, den Anschluss an die Welt über das Glasfasernetz und den neuen Bäcker Broß in Vollmaringen, den Teufel und Ortschafstrat Daniel Alber tatkräftig in den Flecken geholt habe und wo man nun auch bei Kaffee oder auch einer „Brezel en der Flasch“ in einer Sitzecke verweilen und sich treffen könne.
Da diese Möglichkeit zum Austausch miteinander von den Ortschaftsräten bereits rege genutzt werde, regte Stein an, dort ein neues Angebot für Bürger einzurichten: „a Sprechstond beim Bäcker wär a Novum“.
Daniel Steinrode berichtet über die Aktivitäten
Ortsvorsteher Daniel Steinrode berichtete über die Aktivitäten seiner Ortschaftsräte. So habe Marco Ackermann „Pins konzipiert mit Vollmaringer Wappen, im Rathaus muss man dafür fünf Euro berappen. Doch er verschenkt sie an die Bevölkerung ganz ungeniert, weil er auf jedem Fest einen Pin verliert.“
Steinrode brachte auch die Expansionspläne von Ortschaftsrat Alber auf den Tisch: „Daniel Alber will umbenennen den Weiher in Golf von Vollmaringen, an der Fasnet die Weiherhexen dann bald als Golfhexen rumspringen.“
Auch Ortschaftsrat und Elektriker Michael Mast habe Pläne für den Ort, den er mit roten Laternen ausstatten und so das Nachtleben Vollmaringens aufhellen wolle.
Die Nagold Buchstaben hingegen wolle Ortschafstrat Jens Müssigmann in Vollmaringen aufstellen – ob damit eine Umbenennung des Ortes geplant sei? Steinrode kritisierte auch die lange Dauer der Umsetzung des geplanten Kindergartens: „Schleunigst muss eine Lösung her. Sonst ist es für die Vollmaringer Kinder nicht fair.“
Im Festzelt auf dem Dorfplatz wurde der Start in die Hauptfasnet im Anschluss an die Schlüsselübergabe fröhlich und gesellig gefeiert. DJ Alexander Hammer sorgte für die richtige Musik und brachte die Gäste zum Tanzen und Schunkeln. Der Narrenball am Freitagabend sowie der traditionelle Fasnetsumzug am Samstag bilden weitere Höhepunkte der großen Hauptfasnet in Vollmaringen, die am Dienstag mit der Fasnetsverbrennung enden wird.