Ebhausen: Versteinerte Dino-Spuren in Rotfelden

Im Naturkundemuseum in Stuttgart wird die Trias-Zeit wieder lebendig. Ähnliches könnte auch in Rotfelden aufgebaut werden.
Schwarzwälder-BoteEbhausen - Die Erde vor 240 Millionen Jahren: Es gab nur einen riesigen Ur-Kontinent. Und über diesen konnten sich die Tiere ungehindert verbreiten. So ist es auch erklärbar, dass in Baden-Württemberg genauso wie im Südwesten der USA Fossilien von verwandten Amphibien gefunden wurden. Als eine der wichtigsten Saurierfundstätten in Baden-Württemberg bezeichnet Rainer Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart einen Teilort der Gemeinde Ebhausen: Rotfelden. Dort reifen nun Gedanken für ein Trias-Urzeit-Zentrum.
In Rotfelden wurden zwischen 1963 und 1967 im Steinbruch Kössig weltweit einzigartige Fossilien gefunden, die heute im Naturkundemuseum Rosenstein in Stuttgart zu sehen sind. Unter den wertvollen Fossilien sind Fußabdrücke von Sauriern, die auf reges urzeitliches Leben in diesem Gebiet schließen lassen.
Neben zahlreichen Skeletten kleinerer Echsen fand man auch den Schädel eines urtümlichen, rund 2,5 Meter langen Lurches. Dieser Schädel ist das Glanzstück der Funde aus dem Rotfelder Steinbruch Kössig. Das einmalig schön erhaltene Fossil zeigt die Oberseite eines krokodilartigen Kopfes. Es stammt von einem Vertreter der Panzerlurche, einer ausgestorbenen Gruppe früher Amphibien, die mit den heutigen Salamandern und Fröschen entfernt verwandt sind. Die Tiere ernährten sich von Fischen und lebten in Flüssen oder kleineren Seen.
Das Tier aus Rotfelden gehört einer eigenen Art an: Eocyclotosaurus woschmidti. Nahe Verwandte hat man in England, Frankreich und im Südwesten der USA gefunden.
Eine der bedeutendsten Fossillagerungsstätten
Dass diese Spuren früheren Lebens so unglaublich gut erhalten sind, liegt wohl an einer geologischen Besonderheit in Rotfelden. Mit der Entdeckung von drei neuen Saurierarten und der Vielfalt seiner Erhaltung ist Rotfelden zu einer der bedeutendsten Fossillagerungsstätten des Trias geworden. Eine der drei neuen Saurierarten wurde bereits wissenschaftlich benannt: Amotosaurus rotfeldensis. Dadurch wurde Rotfelden unter Paläontologen weltweit bekannt.
Mehr als 40 Jahre sind vergangen seitdem der Steinbruch stillgelegt wurde. Vor zwei Jahren hat der Rotfelder Heimat- und Kulturverein einen Vorstoß bei der Gemeinde gewagt und die Idee eines Heimat- und Kulturprojekts "Ziegelhütte/Triasfundstätte Rotfelden" eingebracht. "Es ist unglaublich, welche Dynamik dieses Projekt entwickelt hat", bestätigen sowohl Ortsvorsteher Karl Lang als auch Bürgermeister Volker Schuler. Es wurde eine Planstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wird diesen Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt. "Ein Projekt dieser Größe braucht die Akzeptanz der Bürgerschaft", weiß Volker Schuler und geht deshalb bewusst als zweiten Schritt den Weg zur Bürgerinformation.
Das neue Konzept sieht vor, die paläontologischen und geologischen Besonderheiten von Rotfelden in den Mittelpunkt zu stellen. Für eine moderne, emotionale und interaktive Ausstellung soll ein Neubau direkt bei der Triasfundstätte entstehen. Ein zweites Modul wird ein Urzeitpfad mit Stationen zur Erdgeschichte sein. Dieser Urzeitpfad verbindet das neue Ausstellungsgebäude mit dem weiteren Modul, der Ziegelhütte. Sie soll eine heimatgeschichtliche Ausstellung beherbergen sowie Platz für kulturelle Veranstaltungen bieten.
Rainer Schoch vom Naturkundemuseum Stuttgart war von Beginn an bei den Workshops miteingebunden und hat größtes wissenschaftliches Interesse an der Wiederaufnahme der Ausgrabungen. Wissenschaftler Schoch sowie Patrick Lehnes (Institut für physische Geographie Freiburg) und auch Dajana Grzesik, Geschäftsführerin der LEADER Aktionsgruppe Nordschwarzwald, sehen in dem Projekt großes Entwicklungspotenzial. Die Lagerstätte an sich ist in ihrer Art europaweit einzigartig.
Weitere Informationen:
Die Präsentation der Projektstudie "Trias-Urzeit-Zentrum" findet am Freitag, 26. November, um 20 Uhr in der Gemeindehalle Rotfelden statt. Saalöffnung ist bereits ab 19 Uhr, der Heimat- und Kulturverein Rotfelden bewirtet.