Bürgermeisterwahl Haiterbach: IIN befragt Kandidaten zur Infrastruktur

Kerstin Brenner und Marcus Lotzin.
IINZu Gast waren die Kandidaten Kerstin Brenner und Marcus Lotzin. Der dritte Kandidat, Tobias Ruf, konnte wegen Terminüberschneidung nicht anwesend sein. Mit ihm führte der Sprecher der Initiative Infrastruktur Nordschwarzwald (IIN), Karl Braun, vorab ein Gespräch.
Den Auftakt machte Kerstin Brenner aus Egenhausen, die seit 2019 das heutige Amt für Finanzen und Technik im Haiterbacher Rathaus leitet und ihr ganzes Berufsleben in öffentlichen Verwaltungen tätig war. Ihre Motivation zur Kandidatur begründete sie hauptsächlich damit, dass sie im Falle ihrer Wahl nicht nur die Stadt verwalten, sondern auch die Zukunft von Haiterbach positiv gestalten wolle.
Marcus Lotzin wurde in Ostberlin geboren und zog durch die Bundeswehr vor vielen Jahren in den Kreis Calw. Aktuell ist er in einer Haiterbacher IT-Firma tätig und politisch im Stadtrat von Altensteig und als Kreisrat engagiert. Er wolle vor allem die digitale Infrastruktur bei der Stadtverwaltung voranbringen und sich um die Belange der Bürger in der Stadt kümmern.

Tobias Ruf (links) im Gespräch mit Karl Braun.
Foto: IINTobias Ruf, Zollbeamter, aufgewachsen in Altensteig, verheiratet und wohnhaft in Neu-Nuifra ist Vorsitzender des Kirchengemeinderates der Katholischen Kirchen Altensteig, Haiterbach und Unterschwandorf. Den Versammlungsteilnehmern übergab er eine schriftliche Vorstellung und signalisierte Gesprächsbereitschaft mit Bekanntgabe seiner Kontaktdaten. Haiterbach gelte es mit frischem Wind und einem Blick von außen in die Zukunft zu führen.
Wie Vorhaben finanzieren?
Die IIN hatte den Kandidaten einen kleinen Fragenkatalog zur Verfügung gestellt. So die Frage, wie künftige Maßnahmen angesichts der Finanzlage finanziert werden sollten.
Kerstin Brenner sprach sich gegen weitere Kreditaufnahmen durch intelligente und wirtschaftliche Haushaltsführung aus. Sie setzt auf eine umfassende Fördermittelakquise und eine konstruktive Aufgaben- und Ausgabenpolitik.
Marcus Lotzin sagte, es müssten erst mal die Prioritäten der Stadt Haiterbach mit dem Gemeinderat festgelegt werden, zum Beispiel sollte an erster Stelle die Infrastruktur stehen. Das sei die Basis für eine intakte Gemeinde. Da der Haushaltsplan 2025 dieses Jahr bereits verabschiedet sei, würde er den Haushaltsplan 2026 genau prüfen und mit der Verwaltung und dem Gemeinderat die Schwerpunkte festlegen. Falls Kredite erforderlich seien, dann für sanierungsbedürftige Straßen, Schulen und Kindergarten. Der Finanzausgleich sei auch eine Maßnahme, um Projekte zu finanzieren.
Tobias Ruf erklärte, es müsse ein gesunder Ausgleich zwischen neuen Krediten und „Maßnahmen geben, „ die wir mit unserer Finanzkraft und mithilfe von Zuschüssen bestreiten können. Wir dürfen keinen Sanierungsstau aufkommen lassen und gleichzeitig müssen wir aber auch auf die Verschuldung achten. “
Eine Umfahrung von Haiterbach
Zur Frage nach einer Umfahrung von Haiterbach erklärte Brenner, man müsse den Dialog mit allen Entscheidungsträgern in Kommunen, Land und Bund suchen .
Marcus Lotzin erklärte, als erstes müsse die Bürgerschaft informiert beziehungsweise eine Veranstaltung geplant werden, um das Thema gemeinsam zu diskutieren. Aber auch die übergeordneten Behörden seien einzuladen. Der nächste Schritt sei es, mit der Verwaltung ein Konzept und Finanzierung zu erstellen und zu beraten und dann dem Gemeinderat vorzutragen.
Tobias Ruf sagte, die Umfahrung sei ein strittiges Thema in Haiterbach, er verstehe den Wunsch nach Ruhe und Lebensqualität in der Innenstadt, gleichzeitig dürften Geschäfte nicht darunter leiden. „Die Umfahrung darf uns von den Kosten nicht zu sehr belasten. Geografisch ist es eine Herausforderung. Es gilt zu beachten, inwieweit der Autobahnanschluss für eventuelle Entlastung sorgt.“
Verbindung Altnuifra – Industriegebiet
Die IIN hatte sich im Zuge der Sanierung für eine Aufhebung der Tonnagebeschränkung der Verbindung Altnuifra - Gewerbegebiet eingesetzt. Dafür hatte sich der ehemalige Stadtrat Rainer Schuon (FWH) im Gemeinderat stark gemacht. Die Fragestellung der IIN bezeichnete dies als Antrag. Bürgermeister Andreas Hölzlberger hatte in der damaligen Sitzung erklärt, dass dies absehbar an notwendigen Grundstückskäufen scheitere.
Kerstin Brenner antwortete, von einem Antrag sei ihr die vergangenen fünf Jahre nichts bekannt. Der Gemeinderat habe bislang nicht darüber beraten und beschlossen.
Marcus Lotzin sagte, es sei wichtig, die Anbindung zwischen Altnuifra und dem Industriegebiet so schnell wie möglich sanieren zu lassen und die Tonnagebeschränkung aufzuheben. Der aktuelle Zustand der Straße sei katastrophal.
Tobias Ruf vertrat, dass die Straße und die Kurven (Dorferstraße in Altnuifra) für Schwerlastverkehr ohnehin problematisch sei. Man benötige für ein solches Vorhaben ebenfalls eine kleine Veränderung im Straßenverlauf. Daher betrachte er es als schwierig, einfach so die Tonnagen-Beschränkungen aufzuheben. Gleichzeitig müssten die Bürger vor Ort gehört werden.
Keine Bauplätze in der Kernstadt
Zum Thema, dass es in der Kernstadt von Haiterbach keine Bauplätze mehr gebe, sagte Brenner, dass es Ziel sei, zeitnah ein weiteres Baugebiet anzugehen. Auch die Schaffung von innerstädtischem Wohnraum erachte sie für sehr wichtig.
Marcus Lotzin will erst mal die Baulücken schließen. Als nächstes seien die Baupläne der Stadt Haiterbach zu prüfen, wo es Sinn mache, Baugebiete zu erschließen. Laut Lotzin sollen nicht einfach willkürlich Baugebiete entstehen, die den Gemeindecharakter verändern oder für die die Infrastruktur fehlt
Für Tobias Ruf müssen Neubaugebiete mit Sinn und Verstand geplant und erschlossen werden. Er setze sich für neue Gebiete ein, möchte aber auch, dass bereits „Alt“-Erschlossenes oder Vorhandenes genutzt wird. Die Flächenversiegelung sei ein großes Thema. Gleichzeitig solle die Kernstadt gemeinsam mit den Teilorten wachsen und neuen qualitativen Lebensraum für Bürger bieten.