Brandtragödie 1973: Realschule Nagold probt für den Feuer-Ernstfall

Am Sammelplatz hinter der Schule haben sich die Schüler versammelt. Die Lehrkräfte tragen orangefarbene Westen, die Schulleitung gelbe.
JansenEs ist kurz vor den Sommerferien. Einige Klassen der Christiane-Herzog-Realschule kommen schon nicht mehr, sie haben ihren Abschluss geschafft. Andere sind unterwegs. Die Noten sind geschrieben, die letzten Tage bis zu den großen Ferien für die Schüler relativ entspannt. Plötzlich durchbricht ein dröhnendes Geräusch die Stille im Schulhaus. Der Feueralarm wurde ausgelöst.
Die Gänge, die gerade noch leer waren, füllen sich, als zahlreiche Klassen geschlossen das Schulgebäude verlassen. Lehrer koordinieren die Evakuierung, gekennzeichnet durch orangefarbene Warnwesten. An festgelegten Sammelpunkten kommen die Klassen zusammen, die Lehrer sind dafür zuständig, dass alle Schüler ihrer Klasse draußen sind oder mitzuteilen, wer fehlt.
Zwei Brandalarme – einer davon aus heiterem Himmel
Dieser Alarm war „nur“ ein Probealarm. Am Anfang des Schuljahres muss für den Brandfall geübt werden. Rektor Andreas Kuhn plant aber in jedem Jahr auch einen zweiten Alarm. Der soll – genau wie ein echter Brand – aus heiterem Himmel kommen und nicht wie der erste angekündigt sein. Damit die Feuerwehr nicht umsonst ausrücken muss – etwa, weil besorgte Nachbarn den Feueralarm hören, ist diese vorab informiert.
Im Brandfall gibt es in jedem Klassenzimmer eine Art „Notfallset“. Die Weste für den Lehrer, den Notfallplan für die Evakuierung und Zettel, auf denen eingetragen werden kann, ob zum Beispiel Schüler einer Klasse vermisst werden.
Außerdem wird gesammelt, welche Klassen fehlen – etwa, weil sie gerade im Sportunterricht sind. In der Turnhalle wären sie im Brandfall zwar sicher – aber es könnte im schlimmsten Fall auch bedeuten, dass die Kinder und Jugendlichen von einem Brand nichts mitbekommen – und in eine brennende Schule zurückkehren.
Notfallkoffer steht im Rektorat
Unten, beim Rektor, ist außerdem ein Notfallkoffer platziert, der beim Vorbeigehen direkt mitgenommen werden kann. Darin: ein Megafon, zwei Verbandskästen, Batterien, Schülerlisten und die Schlüssel für die Lemberg- und die Hohenberghalle. Im Brandfall dürfen Schüler nicht einmal ihre Jacken anziehen, im Winter könnte dann die Kälte draußen zur Gefahr werden. Deshalb wird dann auch in die Hallen evakuiert.
Beim Probealarm können die Schüler durch die üblichen Türen gehen. Im Brandfall selbst könnte das nicht so sein. Brandschutztüren reagieren auf Rauch und schlagen von selbst zu, damit sich der Rauch nicht weiter verteilt. Fluchtwege führen teilweise aus dem Fenster heraus über Metallgeländer und -treppen. Rauchmelder gibt es in der Schule nicht, aber Feuerlöscher und Notruf-Knöpfe sind verteilt. Regelmäßig gibt es Schulungen für die Lehrer im Umgang mit Feuerlöschern. Dafür nutzt Rektor Andreas Kuhn ein Video der Berliner Feuerwehr.
Schon einmal gab es an der Christiane-Herzog-Schule einen tödlichen Brandunfall. Zwar war der außerhalb der Schulzeit, doch zeigt er auch, wie wichtig Brandschutz ist. Einige Schüler grillten Anfang der 70’er-Jahre nach dem Unterricht auf dem Hof, mit Erlaubnis der Schulleitung. Das Feuer drohte auszugehen, einer der Schüler schüttete Spiritus darauf. Die Stichflamme erfasste einen 16-Jährigen, der später an seinen Brandverletzungen starb. Zwei weitere wurden verletzt.