Windräder im Kander- und Wiesental: 17 Windkraftanlagen beantragt

Im Umkreis der Gemeinde Malsburg-Marzell wurden neun Windkraftanlagen beantragt (Symbolfoto).
Federico Gambarini/dpaDie Windkraft Schonach hat beim Landratsamt Lörrach 17 Windenergieanlagen (WA) im vereinfachten Verfahren beantragt, davon neun im Umkreis der Gemeinde Malsburg-Marzell. Dies teilte Bürgermeister Mario Singer in der Gemeinderatssitzung am Montagabend.
Es handelt sich um drei WA im Kleinen Wiesental auf Gemarkung Wies im Bereich Federlisberg und Grube nahe der Grenze zu Malsburg-Marzells Gemeindegebiet, dazu fünf WA auf Gemarkung Steinen im Bereich Hohe Stückbäume/Stühle und eine weitere WA auf Gemarkung Malsburg, ebenfalls im Bereich Hohe Stückbäume/Stühle.
Bürgermeister Singer, der diese Information am vergangenen Freitagnachmittag erhielt, informierte zunächst die Gemeinderäte darüber, dann die IG Lebensraum Oberes Kandertal und am Montagmorgen die Presse. Die Rede sei von 266 Meter hohen WA, denkbar seien bis zu 300 Meter hohe Anlagen. Anders als bei den kleineren Vorgängermodellen, sagte Singer, sei bei WA dieser Größenordnung kein späterer Rückbau mehr möglich.
Gemeinde wird lediglich angehört
Die Anträge ruhen zunächst, bis seitens der Verbandsversammlung Hochrhein-Bodensee die Entscheidung über die Vorranggebiete fällt. Sobald das Verfahren nicht mehr ruhend sei, erhalte der Gemeinderat die entsprechenden Planungsunterlagen, wusste Singer zu berichten. Allerdings habe die Gemeinde nur ein Anhörungsrecht.
Gemeinderätin Kathryn Babeck sagte, anhand eines Schreibens, das sie vom Landratsamt Lörrach erhalten habe, seien einige Pachtverträge bereits unterzeichnet, die Namen der Unterzeichner seien geschwärzt. Die Verwaltung, meinte Babeck, solle nachhaken, wie viele Verträge unterzeichnet seien und wie viel Waldfläche verpachtet worden sei. Dierk Kilchling meinte, alle ihm bekannten Waldbesitzer aus dem Kleinen Wiesental und Steinen-Endenburg seien gegen Windenergieanlagen.
Kleine Gemeinde will liebenswert bleiben
Wenn Zuwegungen zu WA-Standorten durch Privatwald führen müssten, könnten deren Eigentümer den Bau von WA erschweren: „Wenn sich die Waldbesitzer einig sind.“ Dazu sagte Forstwirtschaftsmeister Matthias Wehrlin, es sei möglich, über Kanderns Gemeindewald bis hinauf zur Stühli zu kommen, ohne durch Privatwald zu müssen.
Wie Singer weiter ausführte, seien – unabhängig von den jetzt bekannt gewordenen Plänen der Windkraft Schonach – auf der Sirnitz derzeit fünf WA projektiert, theoretisch könnte deren Zahl auf 40 steigen. Er stellte fest: „Wir werden als kleine Gemeinde dafür einstehen, dass es hier wie bisher eine liebenswerte Gemeinde bleibt.“
Hintergrund
Sonderregelung:
Da die derzeit ruhenden Anträge vor dem Stichtag 30. Juni gestellt wurden, gilt hier noch ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren. Diese Sonderregelung sieht vor, dass auf Umweltverträglichkeitsprüfung und artenschutzrechtliche Einzelprüfung verzichtet werden kann, wenn die Windenergieanlage in einem bereits ausgewiesenen Vorranggebiet gebaut werden soll oder wenn für das Gebiet bereits eine strategische Umweltprüfung durchgeführt wurde oder es sich weder um ein Naturschutzgebiet, ein Natura-2000-Gebiet noch einen Nationalpark handelt.