Weiler Kinderbetreuung: In Kindergärten fehlen Personal und Räume

Die Kita „Kleine Stühle II“ ging im vergangenen Jahr in Betrieb. Dennoch fehlen weiter viele Kindergartenplätze.
Jennifer NingelEinstimmig hat der Weiler Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht gegeben für die Bedarfsplanung für das kommende Kindergartenjahr. Damit einher ging die Zustimmung für zwei größere Änderungen: Die in der Ganztagesbetreuung angebotene Betreuungszeit beträgt künftig dauerhaft nur noch 45 Stunden in der Woche, nachdem die Wochenstundenzahl bereits im September 2022 von 50 auf 45 gekürzt worden war. Damals war noch von einer Übergangslösung die Rede. Die Kita Sonnenschein in Friedlingen wird von einer Ganztagseinrichtung auf eine solche mit verlängerten Öffnungszeiten zurückgestuft.
Was die Versorgung mit Kita-Plätzen in Weil am Rhein betrifft, ist die Lage weiterhin schlecht. Der Rechtsanspruch von Eltern auf einen Kita-Platz wird erneut weder bei den unter dreijährigen (U3) noch bei den über dreijährigen Kindern (Ü3) erfüllt. Für unter Dreijährige und teilweise auch für ältere Kinder stellt die Stadt zudem Tagespflegeplätze zur Verfügung. Dabei kooperiert sie mit dem Fachdienst Kindertagespflege im Familienzentrum Wunderfitz.
Tagespflege für über Dreijährige als teure Notlösung
Die Einrichtungen wachsen nicht im gleichen Maß wie die Zahl der Kinder, von denen jetzt schon klar ist, dass sie einen Kindergartenplatz in Weil benötigen. Bei der Betreuung von Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt besteht derzeit ein rechnerischer Fehlbedarf von rund sechs Gruppen. 16 Kinder werden ersatzweise von Tagespflegepersonen betreut. Dies sei teuer und entspreche außerdem den Anforderungen des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz nicht, hält die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage fest.
Im Ü3-Bereich gab es im Vergleich zum Vorjahr keinen Ausbau der Plätze, hieß es. Durch die in der vorherigen Bedarfsplanung beschlossene Umwandlung einer Gruppe in Friedlingen in eine integrative Gruppe (IN) seien sogar zwei Plätze weggefallen.
Personalmangel: Aus Gruppen werden Kleingruppen
Für eine Einrichtung in Friedlingen wurde aufgrund von Kündigungen von Fachkräften angekündigt, dass im September zwei VÖ-Gruppen nur als Kleingruppen betrieben werden können. Dadurch würden vorübergehend weitere 20 Plätze wegfallen. Neues Fachpersonal werde gesucht, erklärte die Stadtverwaltung.
Da die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf immer mehr werden, wünschen sich die Fachkräfte zudem einen Ausbau der integrativen Gruppen, in denen mehr Fachkräfte sich um weniger Kinder kümmern müssen. Als weiterer Vorschlag zur Entlastung des Personals steht die Idee im Raum, die Gruppengrößen zu reduzieren. Aufgrund des jetzt schon nicht erfüllten Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz, könne dieser Wunsch derzeit aber nicht erfüllt werden, hält die Stadtverwaltung fest.
Kinder, die sich und andere in Gefahr bringen
In ihrem Fazit kommen die Verantwortlichen zu dem Ergebnis, dass der Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder in Weil am Rhein weiter voranzutreiben ist. Allerdings seien das größte Problem dabei die Gewinnung von pädagogischem Personal. Allein schon das vorhandene Personal für die Einrichtungen in der Stadt zu halten, sei eine Herausforderung. So seien Kinder zu betreuen, die nur mit einer Eins-zu-Eins-Betreuung ohne Gefahr für sich und andere Kinder den Kindergarten besuchen können. Das bedeute, dass immer eine Fachkraft bei dem betreffenden Kind bleiben muss – so lange, bis eine begleitende Hilfe durch das Landratsamt genehmigt wird.
Betreuer werden nur befristet angestellt
Einmal bewilligt, muss dann die Person, die ein förderbedürftiges Kind begleitet, erst noch gesucht werden. Auch wenn für diese Tätigkeit keine pädagogische Ausbildung benötigt wird, gestalte sich die Suche nach einer passenden Person schwierig, da diese meist nur befristet und meist nur zehn bis zwölf Stunden in der Woche beschäftigt wird, heißt es. Wird keine Begleitung gefunden, kann das betreffende Kind den Kindergarten nicht besuchen.
Wo neue Plätze entstehen
Am Abbau des Fehlbedarfs bei den Kindergartenplätzen wird gearbeitet. In ihrer Vorlage für den Gemeinderat macht Hauptamtsleiterin Annette Huber deutlich, dass in der Kita Hand-in-Hand in Friedlingen noch Plätze frei wären, diese aber wegen fehlendem Fachpersonal nicht besetzt werden können. Der Kindergarten in Ötlingen soll von 1,5 auf zwei Gruppen erweitert werden, mit bis zu 17 zusätzlichen Plätzen. Nach Erteilung der Betriebserlaubnis müsse aber auch für diese städtische Kita erst noch Personal gefunden werden. Die Baumaßnahmen im neuen Wohnquartier in der Friedlinger Blauenstraße sind im Gange. Dort soll 2026 eine neue, zweigruppige Kita unter der Trägerschaft von „United Kids“ den Betrieb starten. Bei 230 Wohnungen sei dort aber auch mit einem steigenden Bedarf zu rechnen, hieß es. Mit neuen Kindergartenplätzen im Bima-Wohnquartier an der Zollstraße sei indes erst in den 2030er-Jahren zu rechnen, mit solchen im Kindergarten St. Franziskus, der neu gebaut wird, erst 2028.