Weil am Rhein: Frischer Wind in alten Räumen

Neustart im neuen Raum: die Künstler Patrick Luetzelschwab und Niels Tofahrn.
Beatrice EhrlichWer an den leer geräumten Schaufenstern vorbeikommt, sieht es sofort: Es hat sich etwas verändert in der Bühlstraße 6, in dem Ladengeschäft, wo 24 Jahre lang das Schuhgeschäft Maha zu finden war. Eigenwillig gestaltete Gegenstände im Schaufenster, ein Plakat an der Tür: Hier ziehen Künstler ein.
Patrick Luetzelschwab und Niels Tofahrn eröffnen hier am 1. Juli ihren Kunstraum. Der Raum, in dem früher die Kinderschuhe ausgestellt waren, muss dann erst noch mit Leben gefüllt werden. Keine Galerie, sondern Atelier und Ausstellungsraum stellen sich die beiden vor, die heute noch in getrennten Ateliers im Kesselhaus arbeiten.
Neu anfangen mit weniger Ballast
Dem Kesselhaus nach Jahren Adieu zu sagen, bedeutet für beide auch ganz konkret die Chance, mit weniger Ballast neu anzufangen. Schon seit Januar läuft Luetzelschwabs Projekt „18 Jahre in 12 Monaten“, in dem er sein bisheriges Schaffen noch einmal öffentlich Revue passieren lässt, und dann radikal aussortiert. Die letzte Ausgabe im Kesselhaus wird bei der Nacht der Ateliers stattfinden, danach soll es, schon mit deutlich weniger Material, im neuen Raum weitergehen. Seine Siebdruck-Workshops will Luetzelschwab dann auch hier abhalten. Das Atelier soll so mobil wie möglich eingerichtet werden, um Raum freizuhaben für eine flexible Nutzung.
Auch Tofahrn will sich von einem Großteil seiner Werke trennen, bevor er Ende September seine Zelte im Kesselhaus endgültig abbricht. Vom Stein und anderen schweren Materialien kommend ist der Bildhauer mittlerweile bei leichten, filigraneren Materialien angelangt: Holzstäbe, Stoff, Plastik, das wiederverwertet wird. Werkzeug, Werkbank, Material – mehr will er nicht mitbringen an seinen neuen Arbeitsort.
Die Perspektive wechseln
Der zweite Aspekt, der die beiden an dem neuen Ort so gut gefällt, ist, einmal die Perspektive wechseln und selbst mitgestalten zu können, gerade jetzt, wo nach dem Bürgerentscheid rund um die Hauptstraße einiges im Umschwung begriffen ist.
Warum nicht hier, mitten rein? Das sei eine Möglichkeit, die ihn enorm reize, sagt Luetzelschwab. „Hier gestalten wir in gewisser Weise auch das Stadtbild mit.“ „Das ist eine Motivation nach all den Querelen. Wir können einen positiven Akzent setzen“, ergänzt Tofahrn.
Das Interesse für diesen Raum sei völlig spontan entstanden, als ihm beim Vorbeigehen auffiel, dass der Schuhladen ausgezogen war und umgebaut wurde, blickt Luetzelschwab zurück. „Eine Gefühlsentscheidung“ sei das gewesen. Dass sie hier sichtbarer, „exponierter“ sind als im Kesselhaus, wo jeder auch mal seine Tür hinter sich zumachen konnte, nehmen beide in Kauf. Gerade das inspiriere ihn, sagt Luetzelschwab. Nicht zuletzt sei der Umzug aber auch eine Kostenfrage. Miete und Nebenkosten in ihren alten Ateliers seien in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen.
Vermieter ist froh
Offiziell haben die beiden Künstler den Raum ab dem 1. Juli gemietet. Sie loben den Vermieter, Gerhard Kröhnke, der ihnen viel Zeit gegeben habe, den Raum nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Kröhnke, der gerade nebenan den größeren Teil der ehemaligen Verkaufsräume herrichtet, in die bald eine Fahrschule aus dem Umland einziehen will, ist froh über die neuen Mieter. Ein halbes Jahr hätten er und seine Frau gewartet, bevor sie die passenden Mieter gefunden hätten, berichtet er. Anfragen von Gewerbetreibenden habe es viele gegeben, die jedoch in seinen Augen nicht an diese Stelle passen. Ginge es nach ihm, wäre eine Veränderungssperre der richtige Weg, um den Wildwuchs der Läden, die sich hier ansiedeln, Einhalt zu gebieten. Eine Fußgängerzone lehnt er nicht grundsätzlich ab. Sie müsste aber viel besser geplant und von einem überzeugenden Konzept begleitet werden.
Fahrschule will einziehen
„Ich finde die Räume perfekt“, sagt der Inhaber der Fahrschule, der in Weil erst eine Filiale eröffnen und dann seinen Hauptsitz hierher verlegen will. Beim Spazierengehen sei er auf die leer stehenden Räume aufmerksam geworden, in denen künftig ein Schulungsraum und ein Büro untergebracht werden könnten. Wenn alles läuft wie geplant, soll der Fahrschulbetrieb Anfang August starten, kündigt er an.