Weil am Rhein: „Adler“-Pächter hören auf

Ein ideales Wirtepaar – wenn nur die Personalnot nicht wäre: Sarah und Christian Habeck, hier mit Inhaber Wolfgang Würzburger (l.), nehmen Abschied vom Altweiler „Adler“.
Beatrice EhrlichBis zum 28. Dezember soll der Altweiler „Adler“ noch unter der Ägide von Christian und Sarah Habeck geöffnet bleiben, dann ist Schluss. Grund für die Entscheidung der beiden Gastronomen, den Pachtvertrag mit Inhaber Wolfgang Würzburger nicht zu verlängern, sei die angespannte Personallage, erklärt Sarah Habeck.
„Wir haben es nicht geschafft, ein beständiges Team aufzubauen, das diesen Weg mit uns gehen wollte.“ Dass die beiden erfahrenen Gastronomen mit Wurzeln in Berlin diesen Schritt bedauern, ist ihnen anzumerken. Den „Adler“, über dem unter Hansjörg Wöhrles Leitung viele Jahre lang ein Michelin-Stern glänzte, wieder zum Fliegen zu bringen, war für sie rund eineinhalb Jahre ein Herzensprojekt.
Entscheidung mit Blick auf die eigenen Kräfte
Nicht zuletzt mit Blick auf die eigenen Kräfte haben sie beschlossen, sich künftig auf das VitraHaus-Café – ihr Hauptgeschäft – und das Betriebsrestaurant der Firma Glatt in Binzen zu konzentrieren. Ein neues Projekt haben sie nicht im Blick, vielmehr sei es an der Zeit, „mal durchzuatmen“, sagt Sarah Habeck. „Wir können nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.“
Den Weggang seiner Pächter bedauert Wolfgang Würzburger. Er ist über seine Grundstücks-Gesellschaft seit 2021 Inhaber des Gasthauses. Er sei damals – Anfang 2023 – über die neuen Wirtsleute sehr froh gewesen und habe die Entscheidung keine Minute lang bereut. „Sie waren ein ideales Wirtepaar.“ Sarah und Christian Habeck seien nicht nur „nah am Gast“ gewesen, sondern hätten auch mit ihm zusammen einiges am Haus in Ordnung gebracht.
Haus in technisch einwandfreiem Zustand
Gemeinsam habe man in rund eineinhalb Jahren alles instandgesetzt und könne nun ein Haus in technisch einwandfreiem Zustand übergeben, versichert er. Würzburger bemüht sich derzeit, gute Nachfolger zu finden. Es gebe Bewerber. Eine Hausbegehung habe bereits stattgefunden. Mit den Interessenten sei Vertraulichkeit vereinbart worden, sagt er. Das Haus soll als traditionell geführtes Lokal mit gutbürgerlicher Küche weitergeführt werden. Der Unternehmer will seinen Teil dazu beitragen, dass die wirtschaftlichen Bedingungen dafür gebeben sind. Der „Adler“ sei das beste Haus in Weil. Dass das so bleibe, dafür werde er sich mit ganzer Kraft einsetzen.
Die Habecks hatten das Traditionshaus „Adler“, zu dem auch ein gut laufendes Hotel mit 26 Zimmern sowie das Kellerrestaurant „Spatz“ gehören, zum 1. März 2023 übernommen. Schon damals hatte sich die Personalnot in der Gastronomie bemerkbar gemacht. Die Eröffnung musste verschoben werden. Zunächst nahm seinerzeit nur die Gartenwirtschaft ihren Betrieb auf.
Vietnamesische Azubis waren plötzlich weg
Eigens angeworbene Auszubildende aus Vietnam, auf die das Paar zeitweise große Hoffnung gesetzt hatte, seien von einem auf den anderen Tag verschwunden, ähnlich sei es ihnen mit anderen Angestellten gegangen. Eine herbe Enttäuschung. „Wir haben uns zeitweise wie ein Sprungbrett gefühlt“, führt Sarah Habeck aus. Ohnehin immer sehr engagiert bei allem, was sie tun, haben die Habecks den Restaurantbetrieb mit 30 Sitzplätzen (und weiteren 30 im nicht genutzten Nebenraum) zuletzt vorübergehend sogar allein geführt. Zu viel für zwei: Ihren eigenen Ansprüchen konnten sie so nicht mehr gerecht werden.
Dabei sei ihr „ehrliches Konzept“ mit Lebensmitteln aus der Region auf Anklang gestoßen. Von den Gästen hätten sie viel positives Feedback erhalten, sagt Sarah Habeck. Die Karte hätten sie stets so angepasst, dass sie sie mit dem vorhandenen Personal stemmen konnten. Werbung hätten sie nur wenig gemacht – „Wir wollten nicht überrannt werden.“
Käsefondue und Feiern auf Anfrage
Fondue-Abende im„Spatz“ sowie Weihnachtsfeiern bis zu 40 Gästen können weiter gebucht werden. Während das Restaurant dann Ende Dezember vorübergehend seine Pforten schließt, soll der Hotelbetrieb fortgeführt werden. Alle verbleibenden Mitarbeiter übernimmt Würzburger erst einmal in seine Grundstück-Verwaltungsgesellschaft, worüber Sarah und Christian Habeck sehr froh sind. Zum 1. März soll es, wenn alles gut geht, mit einem neuen Pächter weitergehen. Bis es so weit ist, bleiben die Habecks an Bord. Alle bereits gebuchten Termine würden eingehalten, sichern sie zu. Wenn es nötig werden sollte, auch den bereits feststehenden Schnitzelbangg-Samstag im „Spatz“ am 1. März.