Verspätungen und Zugausfälle: In Freiburg ist dann plötzlich Endstation

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Schwarzwälder Bote„Was bei der Bahn aktuell abgeht, ist fast nicht mehr auszuhalten“, ächzt der Zugchef im ICE 1171 nach Freiburg/Breisgau Bahnhof in seiner ersten Ansage kurz nach dem Mannheimer Hauptbahnhof gegen 22.05 Uhr in sein Mikrofon. Da hat der Zug bereits rund 70 Minuten Verspätung, doch das ist an diesem Sonntagabend auf der Rheintalbahn eher unterer Durchschnitt.
Spitzenreiter ist der ICE nach Innsbruck, der um 21.35 Uhr mit „unbekannter Verspätung“ am Nachbargleis einfährt und der eigentlich um 16.30 Uhr hätte kommen sollen. Er fährt an diesem Abend nur noch bis Stuttgart Hauptbahnhof, weil Innsbruck für die Deutsche Bahn an diesem Abend unerreichbar erscheint.
Anzeigetafel spielt Memory mit den Fernzügen
Die Anzeigetafel spielt Memory, denn die verspäteten Züge wandern immer wieder hin und her – Karlsruhe, Stuttgart, München, Freiburg und Basel. Die Reisenden sind nur noch genervt, die Züge sind überfüllt, und die Verspätungen betragen zum größten Teil etwa 90 bis 120 Minuten. Der ICE 1171 kommt aus Hamburg und hat sich seine Verspätung an einem Nadelöhr im Netz geholt – in Hanau kurz vor Frankfurt. Dort hat sich an diesem Nachmittag ein Selbstmord ereignet, was den Verkehr quasi zum Erliegen gebracht hat, erzählt ein Ehepaar. Sie waren in Hamburg zu einem Kurztrip, um an einer Familienfeier zu einem runden Geburtstag teilzunehmen. Normalerweise fliegen sie von Basel, aber dieses Mal haben sie sich auf das Abenteuer Deutsche Bahn eingelassen, was nicht belohnt wird.
Der Anschlusszug fährt vor der Nase weg
Das System „Bahn“ funktioniert nicht, sondern das Chaos ist der Normalfall, muss an diesem Sonntag in Freiburg festgestellt werden. Der ICE 1171 erreicht Freiburg schließlich um 23.37 statt um 22.15 Uhr. Die letzte S-Bahn nach Elzach steht noch auf Gleis 5, doch noch bevor die ersten Reisenden aus dem verspäteten Hochgeschwindigkeitszug ausgestiegen sind und eine Chance haben, fährt sie „pünktlich“ ab und lässt eventuelle Anschlussreisende einfach stehen.
Die Reisenden arrangieren sich – das Ehepaar aus der March ist mit dem Auto da und bietet eine Mitfahrgelegenheit an. Sie sind am Vortag so früh morgens aufgebrochen, dass der erste ICE mit dem ÖPNV nicht erreichbar gewesen wäre. Um den „Servicepoint“ in Freiburg hat sich derweil eine große Menschentraube gebildet, denn die Bahn hat für die Reisenden Richtung Basel/Zürich noch eine weitere böse Überraschung bereit.
In Freiburg ist mal wieder Endstation Richtung Basel
„Wegen Bauarbeiten ist die Strecke nach Basel gesperrt. Für alle Züge ist in Freiburg Endstation“, hatte der gleiche Zugchef vorher trocken verkündet, als sei dies ganz plötzlich passiert. Das Beispiel ICE 79 nach Zürich zeigt die ganze Dimension des Problems auf: In Mannheim hätte dieser um 18.30 Uhr abfahren sollen, in der Realität war er um 22.01 Uhr genau vor dem ICE 1171 gefahren und strandete um 23.30 Uhr in der Breisgaumetropole. „Behördliche Maßnahme“, „unbefugte Personen auf der Strecke“, „Notarzteinsatz am Gleis“ – die Erklärungen der automatisierten Ansage hallen wie ein leeres Echo über den Bahnsteig. Beinahe täglich wird nachts an der Rheintalbahn gearbeitet, was bedeutet, dass ab 23 Uhr keine Züge mehr fahren können.
Schienenersatzverkehr muss organisiert werden
Für die Reisenden nach Basel oder Zürich bedeutet dies nichts Gutes, denn die Bahn ist auf die Situation mal wieder nicht vorbereitet. „Wir versuchen einen Schienenersatzverkehr in Richtung Basel zu organisieren“, erzählt der Zugchef bei der Ankunft in Freiburg und spricht davon, dass „die Busse“ gegen 2 Uhr eintreffen würden. Zwei sollen es sein, für einen vollen ICE ist das natürlich viel zu knapp kalkuliert.
Hotelzug bietet ein kostenloses Wasser an
„Dieser Zug bleibt in Freiburg als Hotelzug stehen und fährt morgen früh nach Basel weiter. Im Bordbistro können Sie sich ein Wasser abholen“, hatte es in der Ansage kurz zuvor geheißen. Eine Gruppe aus der Schweiz hat derweil ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und organisiert sich eine private Abholung in Freiburg, weil sie sich nicht auf die „Organisation“ der Deutschen Bahn verlassen wollen. „Wir müssen morgen go schaffe“, erklären sie kurz, dass sie keine Lust und Zeit auf eine Nacht im ICE in Freiburg haben und verschwinden in der Nacht.