Verein Pro Digno in Lörrach
: 20 Jahre Hilfe für wohnungslose Menschen

Beim Geburtstagsfest in Lörrach-Stetten würdigten Vertreter aus Politik und Sozialwesen die Bedeutung der Einrichtung für wohnungslose Menschen.
Von
red
Lörrach
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Vorsitzender Thomas Probst und Einrichtungsleiter

Vorsitzender Thomas Probst (links) und Noch-Einrichtungsleiter Felix Sutter empfingen mehr als 100 Gäste.

Roland Pfeiffer
  • Pro Digno feierte 20 Jahre in Lörrach-Stetten – über 100 Gäste kamen ins Übergangswohnheim.
  • Stadt und Landkreis betonten die Bedeutung für die Unterbringung wohnungsloser Menschen.
  • Gesprächsrunde skizzierte Entwicklung: vom Streetwork bis zum Projekt „Wohnen Plus“.
  • „Wohnen Plus“ erhielt viel Anerkennung, Finanzierung kommt u. a. vom Fritz-Berger-Fonds.
  • Felix Sutter übergibt die Leitung an Mathias Müller, der ein Tagesstrukturprojekt vorantreibt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit mehr als 100 Gästen hat der Hilfsverein Pro Digno sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Über den ganzen Nachmittag und Abend hinweg kamen Nachbarn, Vertreter sozialer Einrichtungen und Behörden, Freunde, Bewohner, Ehemalige und Unterstützer des Vereins auf das Gelände des Übergangswohnheims in Lörrach-Stetten. Bei angenehm abgekühltem Sommerwetter wurde gemeinsam unter dem Motto „20 Jahre für die Würde“ gefeiert.

Den Auftakt bildeten Kaffee und Kuchen. Der Festbereich war bereits zu Beginn sehr gut besucht, und immer wieder kamen Gäste dazu, blieben für Gespräche, besichtigten das Haus oder nahmen an den verschiedenen Angeboten teil. Neben einem offenen Haus gab es unter anderem ein Kunstprojekt des Mäge-Duos im Atelier mit Mitmachstation, Angebote für Kinder, Popcorn, eine Geschichtsreihe sowie kurze Führungen durch die Einrichtung.

In den Grußworten wurde deutlich, welche Bedeutung pro digno inzwischen für Lörrach und die Region hat. Stadträtin Christiane Cyperrek überbrachte Grüße im Namen des Oberbürgermeisters und betonte die wichtige Rolle der Einrichtung für die Stadt bei der Unterbringung wohnungsloser Menschen. Sie dankte dem ehrenamtlichen Vorstand und dem Team für die wertvolle Arbeit und verwies auch auf die gewachsene Zusammenarbeit, die Anfang des Jahres in einen Kooperationsvertrag mit der Stadt mündete.

Ausblick in die Zukunft

Auch Birger Schlichting, Suchtbeauftragter des Landkreises und Geschäftsführer des Fritz-Berger-Fonds, überbrachte Grüße im Namen der Sozialdezernentin des Landratsamts, Frau Zimmermann-Fiscella. Er hob die Bedeutung von pro digno für den gesamten Landkreis hervor – gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel. Umso wichtiger sei eine gute und verlässliche Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure.

Ein zentraler Programmpunkt war eine Gesprächsrunde zur Geschichte und Zukunft des Vereins. Serge Vaga, der erste Angestellte von pro digno, erinnerte an die Anfänge im Streetwork unter wohnungslosen und suchterkrankten Menschen. Drei Jahre später übernahm der Verein das damalige Wohnheim in der Basler Straße 38 von einem sich auflösenden Träger.

Andreas Busch, heute zweiter Vorsitzender und früher selbst Mitarbeiter der Einrichtung, blickte auf die Entwicklung des Wohnheims unter den bisherigen Leitungen zurück. Jede Leitung habe die Einrichtung auf ihre Weise geprägt: vom herausfordernden Aufbau mit sehr wenigen Mitteln über die fachliche und organisatorische Weiterentwicklung bis hin zur strategischen Schärfung der Vereinsarbeit, dem Ausbau der Netzwerke, dem Anschluss an den Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Etablierung des Projekts „Wohnen Plus“.

Christliches Werteverständnis

Auch der kommende Einrichtungsleiter Mathias Müller, der die Leitung im August von Felix Sutter übernehmen wird, stellte erste Schwerpunkte vor. Er möchte die bestehenden Strukturen weiterentwickeln und das bereits angestoßene Tagesstrukturprojekt etablieren, um eine wichtige Lücke im Alltag der Bewohner zu schließen.

Deutlich wurde in der Gesprächsrunde das christliche Selbstverständnis des Vereins. Andreas Busch beschrieb es als Teil der „DNA“ der Einrichtung. Würde, Miteinander und das Menschenbild seien prägend für den Umgang mit Bewohnern, Hilfesuchenden, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen. Mathias Müller ergänzte, jeder Mensch habe einen Wert, der nicht von äußerem Zustand, Leistung oder gesellschaftlicher Stellung abhänge. Er verglich dies mit einem zerknüllten 100-Euro-Schein: Auch wenn er beschädigt am Boden liege, bleibe sein Wert unverändert.

Große Anerkennung erhielt auch das Projekt „Wohnen Plus“, das maßgeblich durch den Fritz-Berger-Fonds finanziert wird. Birger Schlichting zeigte sich überzeugt vom Mehrwert des Projekts für die  Bewohner und äußerte sich zuversichtlich, dass ein erfolgreiches Angebot dieser Art auch über die kommenden Jahre hinaus eine Perspektive haben könne.

Felix Sutter, scheidender Einrichtungsleiter, bezeichnete „Wohnen Plus“ als eine der wichtigsten Entwicklungen seiner Zeit bei pro digno. Das Projekt habe den Alltag und das Leben vieler Bewohner nachhaltig verändert. Es sei „wie ein fehlendes Puzzleteil, das man lange gesucht und schließlich gefunden hat“. Der Verein sei außerordentlich dankbar für diese Entwicklung.

Im Anschluss dankte der Vorstand ausdrücklich allen Unterstützern, dem Mitarbeiterteam, den Vermietern, den ehrenamtlich Engagierten und den vielen Kooperationspartnern, die die Arbeit von pro digno über Jahre mitgetragen haben. Stadtrat Jürgen Exner, der die Gesprächsrunde moderiert hatte, leitete mit einem Dankgebet zum Grillbuffet über.

Am Abend wurde bei Gegrilltem, Salaten und guten Gesprächen weitergefeiert. Gegen 19.30 Uhr begann das Bühnenevent mit Livemusik. Das Schleicher Duo sorgte für Stimmung und nahm die Gäste sichtbar mit. Mit Gesang, Tanz und vielen Begegnungen zog sich das Fest bis in die Abendstunden. Gegen 21.15 Uhr beendete der erste Vorsitzende den offiziellen Teil und dankte allen Beteiligten. Viele Gäste blieben dennoch noch länger zusammen.

Für pro digno war das Jubiläum vermutlich das größte Fest der Vereinsgeschichte. Es zeigte eindrücklich, wie sehr die Einrichtung in den vergangenen 20 Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der sozialen Arbeit in Lörrach und im Landkreis geworden ist.

Unterstützung

pro digno e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Arbeit wesentlich durch Spenden und das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger trägt. Wer den Verein unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter www.pro-digno.de.  Neben Geldspenden werden immer wieder auch Sachspenden wie Betten, Schränke und weitere Möbel benötigt.