Unfälle und Suizide in Basel
: Warum Netze Leben retten könnten

Eine Frau ist dieser Tage in Basel auf das Münsterfähribödeli gestürzt und dort ihren Verletzungen erlegen. Erneut rücken Sicherheitsmaßnahmen an der Pfalz in den Fokus.
Von
Michael Werndorff
Basel
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Die Pfalz über dem Rhein ist ein Ort, der nicht nur Einheimische und Touristen anzieht, sondern leider auch Verzweifelte, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen.

Michael Werndorff

Die Rufe nach einem Sicherheitsnetz an der Pfalz des Basler Münsters werden wieder laut. Nachdem eine junge Frau vor wenigen Tag aus bislang ungeklärten Gründen von der Münsterterrasse gestürzt ist und ihren Verletzungen erlag, hat sich die Basler LDP-Politikerin Annina von Falkenstein zu Wort gemeldet. Sie bekräftigt ihren Vorstoß aus dem Jahr 2022 und fordert erneut die Anbringung von Sicherheitsnetzen. Falkenstein plant, im September einen Antrag zur Prüfung von Sicherheitsvorkehrungen einzureichen, wie das Nachrichtenportal 20 Minuten jüngst berichtete. Die Debatte um Sicherheitsvorkehrungen steht jetzt nach Jahren erneut auf der Agenda.

Es kommt immer wieder zu Unfällen

Immer wieder kommt es bei der Pfalz hinter dem Basler Münster zu Unfällen und Suiziden. Im Jahr 2019 hat Falkensteins Onkel, der damalige LDP-Großrat Felix Eymann, Sicherungsmaßnahmen gefordert. Der Kanton erklärte damals handeln zu wollen, doch Netze wurden nicht angebracht.

„Zum größten Teil überleben die Betroffenen mit Querschnittslähmungen oder anderen Verletzungen, welche zu einer lebenslangen Behinderung führen. Leider sind auch tödliche Verletzungen zu verzeichnen“, schrieb der Politiker in einer sogenannten Interpellation an die Basler Regierung. In dieser erkundigte er sich nach möglichen Sicherungsmaßnahmen. Zudem wollte Eymann wissen, ob diese möglich sind, ohne den bedeutenden Aussichtspunkt zu beeinträchtigen.

Netze können Leben retten

Das Bau- und Verkehrsdepartement erklärte damals, handeln zu wollen. So wurde eine externe Expertenanalyse in Auftrag gegeben mit dem Ziel, eine Übersicht möglicher Maßnahmen an der 18 Meter hohen Pfalz zu erstellen. „Seither ist eigentlich nichts geschehen“, meinte von Falkenstein bereits im März 2022.

„Ich habe in Bern auf dem Arbeitsweg erlebt, wie eine Person sich das Leben nehmen wollte. Das Sicherheitsnetz hat ihr das Leben gerettet“, kommentierte von Falkenstein damals dem SRF gegenüber ihren Vorstoß. Der Politikerin gehe es dabei nicht nur um die suizidal Gefährdeten, sondern auch um den Schutz von Passanten.

Nicht allein auf Münstertürme

Während an der Pfalz, für die der Kanton verantwortlich ist, keine Netze wie in Bern angebracht wurden, hatte die Münstergemeinde damals Maßnahmen ergriffen: So dürfen die Türme des Basler Münsters nicht mehr alleine bestiegen werden, um so das Risiko eines Selbstmords zu verringern. Deshalb gebe es immer mal wieder Konflikte, berichtet Pfarrerin Caroline Schröder im Gespräch mit unserer Redaktion. Und: Sogenannte Zuhörer im Rahmen des Projekts „Offene Ohren“ sind für die Menschen dar, dich ein Gespräch suchen. Für das Projekt arbeitet das Münster-Pfarramt mit der Dargebotenen Hand in Basel zusammen – eine Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Bäume sollen Stürze abmildern

Und was hat der Kanton zwischenzeitlich unternommen? Umgesetzt wurde im November 2020 die Bepflanzung der Wiese am Fuß der Pfalzmauer mit zusätzlichen Bäumen. Diese sollen einerseits als Sturzdämpfung wirken. Andererseits würde die Stürzhöhe wegen der Bepflanzung als geringer wahrgenommen werden als sie wirklich ist, wie aus der schriftlichen Antwort an von Falkenstein hervorgeht. Diese Wirkung würde sich durch das Wachstum der Bäume verstärken. Weiter habe die Arbeitsgruppe „Roundtable Suizidprävention“ einen Entscheidungsablauf definiert, der aufzeigt, ob Sicherungsmaßnahmen zur Suizidverhinderung an öffentlich zugänglichen Bauten sinnvoll und notwendig sind.

Maßnahmen würden demnach ergriffen, wenn eine bestimmte Anzahl Sprungsuizide oder Suizidversuche innerhalb eines definierten Zeitraums von einem Objekt aus erfolgen, heißt es weiter. Und: Um Versuche, seinem Leben ein Ende zu setzen, zu vermeiden, sei es am sinnvollsten, den Zugang zum Sprungort einzuschränken, erklärt der Regierungsrat.